Das alte Reichsbahnausbesserungswerk in Halle

Ein bebautes Areal mit Entwicklungspotenzial | Halle - Gestern und Heute
von Manfred Boide

In Sichtweite des Hauptbahnhofs, eingepasst zwischen den Gleisen der Eisenbahn und bisher weitgehend unbeachtet, befindet sich das Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkes [RAW]. Seit 1863 wurden hier zunächst Dampfloks und mit Beginn des 20. Jahrhunderts auch Elektroloks und Drehgestelle für Langstreckenwagen gebaut. Vor 23 Jahren gab es hier die letzten Aktivitäten. Seither wird es von der Bundeseisenbahnvermögen [BEV] verwaltet und soll nunmehr einer sinnvollen Verwertung zugeführt werden.

Bis dahin ist noch viel Arbeit zu tun. In den langen Jahren der Nutzung wurde nicht immer ausreichend der Umweltschutz beachtet, Schadstoffe wie Altöl bzw. andere aus Kohlenwasserstoffen bestehende Umweltgifte konnten in das Erdreich eindringen und damit auch das Grundwasser vergiften. Seit 10 Jahren wird im Auftrag der BEV das Grundwasser abgepumpt und gereinigt. Eine umfassende Sanierung der Böden wird sicherlich noch notwendig werden. Viel Stahl und abgeblätterte Farbe, scheinbar wahllos verlegte Kabel und Rohrleitungen durchziehen die Gebäude, überwiegend große Industriehallen mit kleineren Nebengelassen. Von den vielen Maschinen und Zubehöranlagen ist nicht mehr viel zu sehen. Einige Kräne mit unterschiedlichen Traglasten bzw. eine Drehbank auf der größere Teile bearbeitet werden konnten oder ein alter Schmiedehammer sind noch vorhanden. Ein Geruch von Altöl liegt in der Luft und unterstreicht die Vermutung, dass die Betonböden einiges davon aufnehmen mussten. Eisenbahnschienen sind im gesamten Komplex der Werkhallen verlegt und lassen nur erahnen, in welchem Umfang hier über die Jahre gearbeitet wurde. In die Hallen ist nunmehr Stille eingezogen. Da wo der Mensch sich zurückgezogen hat, setzt sich die Natur mehr und mehr durch. Das von oben in die Hallen eindringende Regenwasser gibt der Natur sofort das Startsignal und so hat sich bereits auf dem Boden Moos ausgebreitet und Farnkraut, Bäume und Sträucher haben auch schon eine beachtliche Größe erreicht. Die alten Industriehallen und das „neue Leben“ mit seiner Vegetation bieten einen tollen Anblick und sind Ausdruck einer morbiden Schönheit. Ließe man die Natur noch einige Jahre ihre Arbeit machen, würde sich dort eine eigene Fauna entwickeln und alles umwuchern.

Aber das inmitten der Stadt gelegene Filetstück mit einer sehr guten verkehrstechnischen Anbindung wird einen neuen Besitzer finden, die Gespräche dazu werden bereits geführt und vorläufige Planungen liegen bestimmt in einigen Schubladen. Die Verantwortlichen der Stadt versprechen sich mit der Erschließung des Geländes einen Zugewinn für die Entwicklung rund um den Riebeckplatz.

Das Gelände ist gesichert und das Betreten grundsätzlich verboten, außerdem ist es nicht ungefährlich.

Alle Fotos unterliegen dem Urheberrecht.

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