Mittelalterliche Stuckskulpturen aus der untergegangenen Klosterkirche zu Gerbstedt

Bedeutende Zeugnisse hochmittelalterlichen Kunstschaffens. | Halle - Gestern und Heute
von Manfred Boide

Nur wenige Kilometer von Halle entfernt, im Landkreis Mansfeld Südharz, konnten bei Aufgrabungen im 19. Jahrhundert sowie in den 1970er und 1990er Jahren, auf dem Gelände der ehemaligen Klosterkirche in Gerbstedt mehr als 400 Stuckfragmente aus dem Hochmittelalter geborgen werden. Die Kirche des im Jahr 985 gegründeten Klosters wurde im 16. Jahrhundert aufgegeben und war bereits 1650 eingestürzt. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts war von ihr nichts mehr zu sehen. Vermutlich diente sie als eine der Grablegen der Wettiner. Heute ist sie weitgehend überbaut, deshalb konnten nur kleine Teile des Areals ausgegraben werden.

Eine Auswahl der Artefakte wurde heute im Rahmen einer Presseinformation durch Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt gezeigt und erläutert. Darunter waren Fragmente eines Schreitenden, der Kopfe eines jungen Mannes oder Engels bzw. einer Drachenfigur, das Fragment einer Löwenfigur und einer Bettdarstellung, ein Teil eines Frieses mit Vögeln und Ranken sowie der Teil eines Frieses mit Akanthuszier. Die Fragmente stammen vermutlich aus dem ersten Viertel des 12. Jahrhunderts, zeigen ornamentale und figürliche Darstellungen unterschiedlicher Dimension und von hoher Qualität. Sie bestehen aus mehrlagig auf das Mauerwerk aufgetragenem Hochbrandgips, aus denen dann die Motive von Hand ausgeschnitten wurden. Wenig übriggebliebene Farbreste lassen den Schluss zu, dass die Reliefs und Skulpturen zumindest teilweise bemalt waren.

Unterstützt wird die Konservierung, öffentliche Präsentation und Publikation der umfangreichen Funde durch die Ernst von Siemens Kunststiftung.
Die Restaurierung aller Artefakte soll nach Aussagen des Landesamtes bis zum Jahr 2021 abgeschlossen sein und eine repräsentative Auswahl Teil des neuen Abschnittes der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle (Saale) werden.

Reste der Klosteranlage, insbesondere unterirdische Gänge, sind im Museums- und Bürgerhaus in Gerbstedt zu sehen.

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