Rückkehr nach 50 Jahren!

Halle-Kröllwitz | Halle - Gestern und Heute
von Manfred Boide

Am 11. Juli 2018 werden die letzten vorbereitenden Arbeiten zur Neugestaltung und Wiedererrichtung des Gänsebrunnens an der Petruskirche in Kröllwitz abgeschlossen sein, dann kommen die [Ersatz]-Gänse nach 50 Jahren zurück. Die offizielle Einweihung mit der Kopie der Weidanz-Gänse erfolgt dann am 20. Juli 2018.

Engagierte Hallenser baten in den letzten Jahren um Spenden für den Gänsebrunnen auf dem Kröllwitzer Kirchberg. Sie wollten das Kunstwerk der renommierten halleschen Künstler Gustav Weidanz und Charles Crodel wiederherstellen. Nun ist es vollbracht, der Gänsebrunnen steht kurz vor seiner Neueinweihung.

Den Brunnen, dem seit 1956 die Gänse abhanden kamen, gibt es seit 1939, die für seine Wiederherstellung gegründete „Interessengemeinschaft Gänsebrunnen Kröllwitz" seit Juli 2014. Gründer des Vereins sind Annegret Bergner, Petra Säwert, Andreas Voigt, Marga Mohs, Christina Böttcher, Thomas Knebel, Henning Neumann und Bernd Göbel. Sie verstehen sich als Organisatoren der Rettungsaktion und können nach ihrem jahrelangen Werben auf einen großen Kreis an Unterstützern und Sponsoren verweisen. Die Vereinsmitglieder selbst vereinen in ihren Reihen die Kompetenzen von Bildhauerei, Ökonomie, Medienwissenschaft, Bauwesen, Geschichte, Biologie, Finanzbuchhaltung und Politik.

Der Brunnen, der seit mehr als 60 Jahre kein Gänsebrunnen mehr ist, befindet sich in einer kleinen Parkanlage unweit der Kröllwitzer Kirche und war sanierungsbedürftig. Bis zur Entfernung der Gänsegruppe war der Brunnen ein beliebtes Fotomotiv und das nicht zuletzt für ABC-Schützen am Tage ihrer Einschulung. Die Gruppe aus drei Gänsen ist, anders als andere Kunstwerke, nicht in Werkstätten oder Archiven verschwunden, sondern steht auf dem Rosa-Luxemburg-Platz unweit des Holzspielplatzes auf der Wiese und blickt in Richtung Landesmuseum.

 

Nun ist es vollbracht. Die Brunnenteile wurden nach ihrer Sanierung wieder zusammengesetzt und der erste Testlauf erfolgte vor wenigen Tagen.

 

Gustav Weidanz (1889-1970), gebürtig in Hamburg und Absolvent der Unterrichtsanstalt am Königlichen Kunstgewerbemuseum zu Berlin, kam 1916 nach Halle an der Saale, wo er die Leitung der neu gegründeten Fachklasse für Plastik an der Handwerkerschule Halle (heute die Kunsthochschule Burg Giebichenstein) übernahm. 1924 gestaltete er den Trinkbrunnen des Solbades Wittekind. Zum Zeitpunkt der Aufstellung des Gänsebrunnens hatte Weidanz eine Lehrstelle für "Ofenkeramik und Porzellan" inne und betreute das Zeichnen, Akt- und Naturstudium.

Charles Crodel (1894-1973), gebürtig in Marseilles (Frankreich), Student der Archäologie und Kunstgeschichte sowie Absolvent des Lithographen- und Druckereihandwerks, kam 1927 als als Lehrer für Malerei und Graphik an die Kunstgewerbeschule Halle. Crodel war zu dem Zeitpunkt bereits ein anerkannter Künstler großer Wandmalereien. Die Nationalsozialisten verachteten seine Werke und zerstörten die prominenten auch in Halle, darunter in mehreren Universitätsgebäuden. Crodel suchte sich nach der teils öffentlich inszenierten Zerstörung seiner Werke neue Arbeitsfelder und Kooperationspartner. Dank seiner extremen Schaffenskraft sind Arbeiten von Crodel in zahlreichen Städten in Deutschland zuzuordnen.

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