Der Verrat

Ver Verrat des Schuhmachermeisters 1478 | Michas Welt - Geschichten aus Halle
von Michael Waldow

Am 20. September beging der Schuhmachermeister Jacob Weißack, amtierendes Ratsmitglied, Pfännerhasser, Anhänger der Popularen einen folgenschweren Verrat an seiner Heimatstadt.

Vor 543 Jahren, es war ein Sonntag (20.09.), geschah etwas Unfassbares. Der Schuhmachermeister Jacob Weißack übergab am Ulrichstor den erzbischöflichen Hauptmann von Ammendorf die Schlüssel zur Stadt. Damit lieferte er die Stadt Ernst von Wettin aus. 200 Jahre mühsam errungener Rechte, (die Stadt war auf dem Wege zur freien Reichsstadt) waren dahin. Die Pfänner (Salzjunker) nicht ganz unschuldig an den Dingen und blauäugig wie Anys Bothe, derzeitiger Ratsvorsitzender zusammen mit Weißack, verloren ihre Rechte und viele mussten Halle verlassen. Aus ihren „Strafgeldern“ wurde die Trutzburg am ehemaligen Judendorf errichte, die Moritzburg, deren Schießscharten und Kanonen sich zur Stadt richteten und als Warnung galten. Weißack und Konsorten bekamen Pfannenanteile und der Schuhmachermeister wohnte in einem schönen Haus, da wo heute Thalia steht. Es wurde das Unheilhaus genannt.

Kleine Geschichtsabfolge zu den Ereignissen (aus dem „Kleinen Lexikon der Salzstadt Halle an der Saale“

  1. Juni
    Der Kanzler des Bischofs überstellt der Stadt eine Liste von Beschwerden und gibt zu verstehen, dass alle Zugeständnisse unbefugt in Besitz genommen sind und unwirksam seien.

 

  1. September
    Der Rat schließt mit dem Erzbischof Ernst einen Vergleich, wonach die willkürliche Erhöhung des von den Talgütern erhobenen Geschosses aufhören und zugleich dem Erzbischof der vierte Teil des Ertrages aus den Talgütern zufließen sollte.

 

  1. September                                                                                     
    Apel von Tettau setzt dem Rat der Stadt ein Ultimatum den Ungehorsam der Stadt gegenüber dem Bischof zu unterbinden.

 

  1. September                                                                            
    Weißack, Ratsmitglied und Gegner der Pfänner, lenkt klein bei, nachdem er eine Revolte anzettelt und verlor

 

  1. September
    Der Obermeister der Schumacher-Innung und Ratsmeister Jakob Weißack liefert seine Vaterstadt Halle den Erzbischöflichen aus, indem er ihnen das Ulrichstor öffnete. Damit hatte die Geschichte der unabhängigen Stadt Halle für immer ihr Ende erreicht.

 

  1. September
    Ende der etwa 200-jährigen städtischen Selbstständigkeit. Erzbischof Ernst nimmt von der Stadt Halle Besitz. Die Pfänner werden nach Einmarsch von Erzbischof Ernst in den Turm am Moritztor gesperrt.

 

  1. Oktober                 
    Nach dem Streich Jakob Weißacks (s. 20. September), erfolgte auf dem Markt vor Erzbischof Ernst und mehreren Fürsten ein Verhör der gefangenen Pfänner, „sambt ihrem Anhang aus Innungen und Gemeinheiten“.

 

  1. November
    Die Stendaler Ratsherren sind zusammen mit Ratsherren aus Braunschweig, Hildesheim, Göttingen und Halberstadt in Halle, um die Stadt vor dem Verlust ihrer Freiheit zu bewahren, letztlich aber ohne Erfolg.

Die ganze Geschichte als Fotocomic kann man hier nachlesen… 

Aus dem Mittelalterstadtrundgang "Die Salzmagd erzählt von der historischen Salzstadt Halle an der Saale" (MSW-Welten Verlag)

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