Geschichte mal ein wenig anders gezeigt und erzählt

Geschichten und hiistorische Plätze aus der Hansezeit in Halle | Michas Welt - Hanse
von Michael Waldow

 

Natürlich interessiert den Hanseverein nur ein Teil der Geschichte, nämlich die Hansezeit. Und schon dieser Satz ist nur die halbe Wahrheit.  Die alte Hanse ist zwar seit 540 Jahren Geschichte, aber nicht von jedem ganz vergessen. Dem merksamen Geschichtsinteressierten ist wohl nicht entgangen, dass Halle seit 2001 wieder in der Hanse ist. Damit gibt es eine Verbindung von der Alten Hanse zur Neuen Hanse.

Damit waren die hansischen Gedanken schon ein wenig eingeengt, Halle hatte schlicht nichts vom Norden, geschweige denn vom Transport über die Ostsee. Die Fische kamen schon eingesalzen in Halle an, wenn sie nicht gerade in der Saale gefangen wurden. Und trotzdem, ganz lässt sich die Hanse nun doch nicht verleugnen, wurde sie im 15. Jahrhundert zum Instrument besonders gegen Bischof Günther, dem die Eigenständigkeit der Stadt Halle ein gehöriger Dorn im Auge war. Die Situation eskalierte einige Male und Henning Strobart, einstiger Stadthauptmann von Halle und später auch von Magdeburg, nutzte die Beziehungen zur Hanse leidlich aus, um Günther zur Räson zu bringen. Günther starb, Strobart übertrieb es mit seinem Machtstreben in Halle und überging sogar den Rat der Stadt, wurde eingekerkert und starb in einer Gefängniszelle 1456.

22 Jahre später zog doch noch ein Bischof in Halle durch Verrat ein und beendete die Mitgliedschaft der Stadt in jeglichen Bündnissen, also auch in der Hanse. Immerhin fand der Bischof diese Mitgliedschaft als bedeutend und gefährlich für seine Macht.  Sogleich ließ er die Moritzburg bauen, als Bollwerk gegen die Stadt und ihren allzu freiheitlichen Gedanken.
Nun könnte man die Hanse vielleicht getrost vergessen, wenn sie nicht Spuren hinterlassen hätte. Es sind nur wenige Spuren, aber man kann sie noch erahnen und der Hansering ist ein kleiner, wenn auch verspäteter Hinweis. So gibt es noch historische Plätze in Halle, die die Zeit der Hanse oder ihr unmittelbares Ende gesehen haben, wie die erwähnte Moritzburg, die bekanntlich aus den eingezogenen Geldern der Pfänner stammt, die 1479 der Stadt verwiesen worden waren.

Viele bedeutende Bücher und wissenschaftlich fundierte Berichte wurden über die Mittelalterzeit in Halle geschrieben, aber es ist, wenn auch eine interessante, so doch schwere Kost und auf einem Tourismusrundgang nur bedingt empfehlenswert. So hat denn der Hallische Hanseverein e.V., in Zusammenarbeit mit dem MSW-Welten Verlag, ein kleines 92 Seiten starkes Heftchen publiziert mit dem schönen Namen „Historische Plätze zur Hansezeit in Halle an der Saale“ Unterhaltsam, kurz und lesenswert werden 9 historische Plätze aus der Hansezeit prägnant und informativ dargestellt mit vielen Fotografien aus der Jetztzeit. In historischen Gewändern gekleidet, lassen die Mitglieder der Theatergruppe des Vereins die damalige Zeit ein wenig auferstehen. Das Ganze bekommt noch Sprechblasen im Comicstil und fasst die bedeutendsten Informationen zusammen und schon hat man einen anschaulichen Rundgang durch die Innenstadt von Halle.


Immerhin gibt es auf Facebook viele Gruppen, die sich mit Halle beschäftigen, (jemand wunderte sich einmal über die außerordentliche Vielzahl der Gruppen). Diese Gruppen haben Unmengen von Fotos bis ins 19. Jahrhundert. So etwas Anschauliches fehlt freilich dem Hallischen Hanseverein e.V.. Er muss schon seiner Fantasie freien Lauf lassen und es hat viel Photoshop gebraucht, um die Bilder ein wenig auf mittelalterlich zu trimmen. Es geht auch nicht um eine genaue Authenzität des Mittelalters, sondern um Informationen und dem notwendigen Hauch oder Flair dieser Zeit. Das Ganze natürlich mit einem Augenzwinkern und Lächeln auf den Lippen. In dem genannten Heftchen führt die Hansemagd und Erasmus kurzweilig durch oder besser über diese historischen Plätze.

Flugs gibt es von den MSW-Welten Freunden noch eine ganze Geschichte um Erasmus und der Hansemagd Ketlin hinterher, wo der historische Kern stimmt, aber die Personen im Namen frei erfunden sind. Einen Hansekaufmann der schlitzohrig war, gab es mit Sicherheit und eine kleine Magd, die das Herz auf dem richtigen Fleck trug, wohl auch. Damit ist dann das Heftchen „Der Hansekaufmann und seine Magd“ entstanden. In sechs Geschichten agieren die beiden Hauptfiguren an historischen Stätten, so zum Beispiel der Rannischen Straße 15, wo an Stelle des heutigen hässlichen Hauses die Ausspanne "Zu den drei Schwänen " im 15. Jh. stand. So macht es uns Schultze-Gallera, der hallesche Heimatforscher, glaubhaft.

Solcherart Geschichten gab es so noch nicht zu lesen, denn es wurde erst alles aufwendig fotografiert, dann in Zeichnungen umgewandelt und im Comicstil zu einer Story "zusammen gebastelt". Was macht man nicht alles in seiner Freizeit! Ein wenig hallesche Geschichte von der spaßigen Seite, man hat ja heutzutage sonst nichts zu lachen, oder?

 

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