Die Suche nach dem Salzwinkel

Das alte Tor ließ sich nur schwer öffnen und beide mussten mit ihren Körpern dagegen drücken, um das dahinterstehende Gras zu überwinden. Mannshoch standen die Halme und wiegten sich fein im Wind. Ein seltsames Rauschen lag in der Luft. Am blauen Himmel kreiste ein Habicht. „Hier muss es irgendwo stehen“, flüsterte der Große und wagte sich einen Schritt vor. Mit weit ausholender Armbewegung schob er das dichte Gras zur Seite. Der kleinere Mann entschloss sich, kugelig wie er war, das Gras einfach wegzurollen. Trotzdem kämpften sich beide nur sehr langsam und vorsichtig durchs Gebüsch, das nicht so einfach und vor allem kampflos Platz machte. „Verdammt“, fluchte der Kleine, man sieht nischt.“ „Achtung!“, schrie plötzlich der Große. „Da bewegt sich was!“. Unheimlich raschelte es vor ihnen und das Geräusch kam immer lauter auf sie zu.  Beide hielten abrupt an und Schweiß trat ihnen auf die Stirn, als mit einem gewaltigen Satz ein fellbedecktes Etwas an ihnen vorbeischoss. Ein lauter Schrei, von den Männern überraschend ausgestoßen, durchschnitt die Luft. Wie erstarrt standen die Männer und horchten angestrengt nach vorn. „Was war das?“, flüsterte der Große. „Ein Hase“, hauchte der Kleine. Langsam lösten sich die beiden Gefährten aus ihrer Erstarrung und schritten noch eine Spur vorsichtiger voran, als der Habicht plötzlich vor ihnen ins Gras tauchte und eine Ratte schlug. „Das hätte uns treffen können“, flüsterte der Kleine. „Keine Angst“, beruhigte der Große. „Du bist zu schwer für den Habicht“, meinte er sachlich. Entrüstet schnauft der kleine, weißhaarige Mann und trat aus dem Gras heraus. Vor ihnen lag endlich das gesuchte Gebäude, das sie nach so gefahrvoller Wanderung gefunden hatten… Es war der Salzwinkel!

Nun, hier hat wohl der Dichter ein wenig übertrieben. Die beiden Gestalten betraten zwar das Grundstück, wo der Salzstadtclan sein Domizil hat, aber es fehlte irgendwie an Gefährlichkeit. Ein paar Schutthaufen vom Gebäude lagen herum und das Gras war kniehoch. Dies aber so profan zu schildern, schien dem Autor ein wenig zu langweilig und klingt nur nach banaler Arbeit. Also musste eben noch ein Hase, die Ratte und der Habicht her. Faktisch als Requisiten oder Bühnenausstattung.

 Die beiden Herren verschwendeten an die fragwürdige Poesie keinen Gedanken. Sie kannten den Text noch gar nicht, sondern machten sich ans Werk. Die Schutthaufen wurden entfernt, das Gras gemäht und ein Erdhügel aufgeschüttet. Schließlich konnte, bedingt durch Corona, seit einigen Monaten nichts getan werden.
Nun geht es hoffentlich weiter beim Salzwinkel des Salzstadtclans. Die Begegnungsstätte gedeiht endlich wieder. Im Juli sind mehrere Arbeitseinsätze durch Schüler der Gemeinschaftsschule „Heinrich-Heine“ geplant, die schon einiges für den „Salzwinkel“ taten. Ein Arbeitseinsatz der Mitglieder des Salzstadtclans erfolgt ebenfalls, dann mal wieder mit allen und dazu noch einem fröhlichen Grillen. Ob alles dieses Jahr fertig wird, steht zwar noch in den Sternen, aber man ist auf dem besten Weg dahin. Schließlich hat der Salzstadtclan im und für den Verein verwegene, tapfere „Krieger“ und „Fährtensucher“ an seiner Seite.


v.l.n.r: Eingang zum Salzwinkel, Gebäude "Zum Salzwinkel", Mont Klamott des Freilufttheaters

oder ein fantasievolles Abenteuer in Lettin | Michas Welt - Michas Clan
von Michael Waldow

 

Die beiden Männer standen unschlüssig vor dem riesigen Holztor. Der Größere der beiden Männer schloss vorsichtig auf. „Pass auf“, flüsterte der weißhaarige, kleinere Gefährte und wippte mit seinem Bauch. „Wer weiß, was sich nach so langer Zeit dahinter verbirgt.“ „Es ist wie damals vor 900 Jahren am Graseweg“, sagte bedeutungsvoll der Größere. „Da wuchs auch Gras über die Pest in den 10 Jahren, wo alles in dieser Straße in Halle abgeriegelt war.“  „Na, da hoffen wir, dass wir nicht noch Totenschädel finden von den Leuten, die sich über das Tor wagten im vergangenen Coronajahr“, hob unheilschwanger der kleine Mann den Zeigefinger.

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