Ein Salzstadtclan und sein Esel Fridolin

Geschichte trifft Geschichten | Michas Welt - Michas Clan
von Michael Waldow

Alt ist die Sage. Aber das haben Sagen nun mal so an sich. So ist der Esel, der auf Rosen geht, gleich fünfmal in Halle präsent. Der bekannteste Vertreter ist der Eselsbrunnen auf dem Alten Markt. Einmal gibt es den Esel auch als Relief (aus dem 16. Jahrhundert), aber ohne einen Burschen, der ihn führt. Ein Rätsel für die Wissenschaft.

Manche meinen der Esel wird von einem Müllerburschen geführt, andere sind der Ansicht er sei ein Salzbursche. Schaut man aber genauer auf den gelockten Burschen des Eselsbrunnens mit praller Geldbörse, guter Kleidung und Säcken, die nur wenig an Mehlsäcke erinnern, kann man sich den armen Müllerburschen nur schwerlich vorstellen. Aber es geht hier um die Sage. Und genau, dass dachte sich der Salzstadtclan, der auf seinem Podcast die Sagen von Halle einspricht. Unter anderem auch die Sage vom Esel (Audio hier auf unserem Podcast)


Doch nicht genug damit, vor einigen Jahren spielte die Truppe noch zum Hanse- und Salzfest das Stück „Der Esel, der auf Rosen geht“. Freilich ein wenig anders als gewohnt. Da ward ein gieriger Salzkaufmann der Esel, weil er wie in einem bekannten Märchen (Des Kaisers neue Kleider) sich selbst blendete. Nun das machen Spielleute so, sie machen Geschichten aus Geschichte.
Übrigens, ein Verein fand das damals nicht so toll und lehnte rundweg das Stück zu seinem eigenen Fest ab, weil es ja nicht der Originalsage entsprach und „die Leute das nicht sehen wollten“. Wie humorlos ist solch eine Eselei.

Doch das ist Jahre her und ficht den Verein „Michas Clan aus der Salzstadt Halle (Saale)“ nicht so recht an. Sie schauten sich also nach einem „neuen“ Streich um und fanden ihn. Und zwar dort, wo es auch richtige Esel gibt. Auf dem Petersberg im Tierpark. Der kleine Tierpark ist beliebt bei den Besuchern und bietet Patenschaften an, unter anderem auch für Esel. Freilich ist das Geld für alle Tiere im Park und die Patenschaft ideeller Natur.
So meldete der Salzstadtclan sich flugs als Tierpate an, wählte den Esel aus, reiste hin und machte eine Eselfotoshooting. Da durfte dann auch der Salzkaufmann ungestraft seine Eselsmaske aus dem schon erwähnten Theaterstück aufsetzen. Die Besucher hat es gefreut, den Tierparkhelfern auch, die Esel haben es ausgehalten. Ein Esel wurde gewissermaßen getauft, auf den Namen „Fridolin Zout“.

Sebastian Fridolin war ein bekannter Franziskanermönch, des 15. Jahrhunderts (eben zu jener Zeit, die auch hauptsächlich von der Truppe dargestellt wird) und Zout ist niederländisch für Salz. Halle hatte das Barfüßerkloster (ein Franziskanerkloster an der Stelle des Löwengebäudes der Universität) und Flandern war zu jener Zeit berühmt durch seinen Tuchhandel. Erasmus‘ Vorfahren sind tatsächlich einst existierende Tuchhändler aus Halberstadt. Da Erasmus aber nach Halle durch dramatische Ereignisse übersiedelte, sah er eine Verbindung von Salz und Tuchhandelsbeziehungen nach Brügge, wo der Tuchhandel abgewickelt wurde. Solche geschichtlichen Spitzfindigkeiten kümmerten indes die Esel nicht. Sie machten sich als Model ausgezeichnet und hielten einfach nur still.

Demnächst plant der Salzstadtclan eine Videofolge über die Geschichte von Halle und wird wohl auch wieder beim Esel landen. Übrigens sollte eine geplante Folge einer berühmten, sehr alten Kirche gewidmet werden. Doch der dortige Verein lehnte die Geschichte ab, weil zu wenig Kirche in dem Drehbuch war. Dabei sollte ein Hallore mitspielen, ein Kirchenlied gesungen und eine Dokumentation eingearbeitet werden, gespickt mit einer Rahmengeschichte aus der Jetztzeit. Nun das war wohl zu viel des Guten und es fehlten wohl die himmlischen Heerscharen.
Aber das hat ja eigentlich mit dem Esel „Fridolin“ nichts zu tun. Ein Schelm, wer anders denkt.

Der Salzstadtclan präsentiert sich hier...

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