Die Kleine und ihr großes Hobby

Pferdemärchen | Michas Welt - Pferde

 

Es war einmal, so beginnen die meisten Märchen und schon sind wir mitten in Einem drin. Da gab es mal ein kleines Mädchen, das einen wunderbaren Traum hatte. Den Traum vom eigenen Pferd. Dabei ging es nicht um das berühmte Pferd auf dem Flur, sondern eines mit dem man spielen und auch kuscheln kann.

   Anouk - mit ihr begann alles

Die Mutter fand das zwar ganz süß von ihrem Mädchen, konnte aber diesen Wunsch nicht erfüllen. Damit war das Märchen schon beendet und es begann die Wirklichkeit und die ließ eine ganze Menge Jahre vergehen. Natürlich ohne Pferd. Das Mädchen wurde zur Frau und zur Mutter und stand plötzlich vor einem riesigen Pferd, das nicht nur ihr Herz ansprach, sondern auch noch das kleine Kind von damals, mit der das Märchen begann. Dass es sich um die größte Pferderasse der Welt handelte, war schon daraus ersichtlich, dass unsere Hauptheldin mit ihren 1,60 nicht mal zum Widerrist reichte. Sie wusste damals nicht viel über Pferde, hatte aber eine Freundin, die seit frühester Jugend mit Pferden zu tun hatte und die ihr Mut zusprach. Also kaufte sie Sugar Beet Bastiana, wie die Stute laut Zuchtbuch genannt wurde. Gerufen wurde die Pferdedame aber Anouk. Das war die Geburt einer wundervollen Freundschaft von Mensch und Tier und noch ahnte niemand, was alles so auf die Welt zu kam. Zugegeben, die Welt war relativ klein und bestand aus einem kleinen Fischerdorf, wo unsere Heldin wohnte und einem noch kleineren Ort, wo Anouk erst einmal bei besagter Freundin nicht nur unterstand, sondern wo unsere Heldin auch mit diesem wunderschönen Tier in die Weite reiten konnte.

Es wird jetzt Zeit die Reiterin zu benennen, die mit dem Namen Sandy viel in ihrem Leben vorhatte. Sandy kümmerte sich nicht um ihr Pferd, sondern auch „nebenbei“ noch um ihre Prinzessin, die auch einen wunderschönen Namen hatte – Sophie. Die Welt schien in Ordnung und ein Märchen war Wirklichkeit geworden. Nein, ganz so schnell ging es natürlich nicht. Zu Pferden gehört mehr, als der Kauf und ein bisschen reiten. Das begriff auch Sandy sehr schnell. Irgendwann traf sie auf einen etwas zu rund geratenen Fotografen, der ihre Anouk fotografierte und kam mit ihm ins Gespräch. Der Fotograf entpuppte sich als kreativer Geist und daraus entwickelte sich in den nächsten Jahren eine wundervolle, wenn auch am Anfang eine etwas steinige Freundschaft, da nicht jeder aus dem Bekanntenkreis der Beiden das Wort Freundschaft begriff und seine eigene Fantasien spann. Wie dem auch sei. Besagter Fotograf und designierter Freund im zarten Alter von 54 Jahren schrieb, fotografierte und hatte eine Theatergruppe, die mittelalterliche Geschichten aus dem 15. Jahrhundert spielte. So kam es, dass er sie für das Mittelalter begeisterte und sie ihn für die Pferde. Sophie, die Tochter, wurde daraufhin kurzerhand zur Hansemagd des Hallischen Hansevereins e.V., wo jener Freund im Vorstand war und ist und die Theatergruppe leitete. Die beiden Freunde schlossen sich zu MSW-Welten zusammen und nahmen sich für die nächsten Jahre ein gewaltiges Programm vor. Inzwischen hatte Sandy auch einen Lebenspartner, der sinnigerweise eine Art Pferdeflüsterer war und ihr und ihrer Anouk zugutekam.

Das Programm, was die Beiden sich vornahmen, war manchmal ein wenig zu groß geraten und manches musste auch erst einmal zurückgestellt werden. Doch es sammelte sich einiges an, seit dem denkwürdigen Tag, als die junge blonde 27 -jährige Frau einen Mann namens Micha, so heißt der Fotograf, die schicksalshafte Frage stellte: „Warum fotografieren sie mein Pferd?“ Seitdem haben beide Pferdekalender erstellt, mehrere Mittelaltergeschichten fotografiert und geschrieben, mit Sophie viele Kindermundfilme gedreht und in YouTube gestellt, arbeiteten an Geschichtscomics über Halle, haben einen Parelli Lehrgang für den Umgang mit Pferden besucht und schreiben und zeichnen an einem Kinderbuch mit dem Namen „Die lila Prinzessin“. Und das ist noch nicht mal die ganze Wahrheit, weil alles aufzuzählen, dann doch wieder wie ein Märchen klingt. Inzwischen kam zu Anouk noch eine weitere Shire Horse Stute dazu, mit dem wundervollen Namen Tori. Im Zuchtbuch jener Stute steht allerdings Steven’s Josie, aber Micha und Sandy haben ihr den denkwürdigen Namen Tori kurzerhand verpasst.

Die Bedeutung der eigentümlichen Namen muss man freilich nachlesen, denn das Pferdehobby hat inzwischen eine eigene Internetseite, weil auch schon einige Filme gedreht worden sind über die drei Shires. Moment mal, jetzt auf einmal drei? Ein neues Märchen? Mitnichten, Stuten haben die Angewohnheit auch mal trächtig werden zu können und Sandy gönnte ihrer Anouk einen kräftigen Hengst und herauskam, so die Natur wollte, ein neuer Hengst, namens Diamant mit dem Zuchtbuchnamen Salt Rook Diamant. Inzwischen stehen die drei Tiere bei Sandy auf dem Hof, waren sie vorher kurze Zeit auf dem Reiterhof ihres Lebenspartners Christian untergebracht. Nur das war unserer Heldin ein wenig zu weit und so entstand auf ihrem Grundstück ein solider Offenstall mit kleiner Weide. Eine immense Arbeit, bei der ihre Freunde, ihre Eltern mitwirkten und viele Arbeitsstunden investierten. Da Sandy samt Lebenspartner auch noch Mitglieder der Hanse sind und am Hansefest mitwirken, konnte der Verein auch die riesigen Balken für den Offenstall besorgen. Dafür stellten sie im Gegenzug die Beiden auch mal Pferde für Aufführungen zum Salzfest zur Verfügung. Das Ganze nennt man Freundschaft. Mag sein, das es andere anders sehen, aber letztendlich haben die beiden einfach keinen Nerv sich mit irgendwelchen Gerüchten und Neidern auseinanderzusetzen. Letztlich kann man das Geschaffene nachlesen auf den MSW-Welten, Hanse- und Shireinternetseiten, den YouTube Kanälen des Hansevereins, der MSW-Welten, der Kleinen Miss Sophie und Shire Kanälen. Solch eine Vielfalt ist ohne Unterstützung der Familien gar nicht möglich.

Trotzdem bleibt die Kleine mit den großen Hobbies auf dem Boden und hebt nicht ab. Ihr Hauptaugenmerk sind ihre Pferde, die viel Zeit verschlingen. Sie hat sich vorgenommen mit den Tieren zu arbeiten und ihnen so nah wie möglich zu sein. Irgendwo abstellen wollte sie die Tiere nie. Denn Pferde verstehen, heißt ihre Sprache verstehen und die tägliche Kommunikation ist ihr wichtig. Darum hat sie die Shires zu sich nach Hause geholt. Auf dem Reiterhof haben andere ihre Tiere ausgemistet und versorgt und eigentlich hätte sie die Beine hochlegen können, noch dazu als Lebenspartnerin des Reiterhofchefs. Doch ihr das nachzusagen, heißt Sandy gründlich missverstehen. Nun ist die Arbeit mit und an den Tieren ihr täglicher Job nach dem Job und auch eine Herausforderung, der sie sich gerne stellt.

 Ihre anderen Hobbies sollen nicht darunter leiden, darum hilft ihr Freund Micha ab und an mit, hat er sich doch in Tori „verguckt“ und braucht mit seinem nunmehr 58-Jahren auch mal ein wenig Abwechselung. Um sie vollends zu unterstützen, schloss er einen Pflegvertrag ab, weigert sich aber standhaft zu reiten. Wer die großen Shire Horses sieht, kann seine Höhenangst verstehen. So ist aus dem Märchen des kleinen Mädchens zwar kein Prinz mit goldenen Dukaten geworden, der in den Sonnenuntergang reitet, sondern eher eine Mischung aus Abenteuer und schweißtreibender Realität, aber wenn sie so dasteht zwischen ihren riesigen Rackern, dann glaubt man für einen Moment die glänzenden Kinderaugen zu sehen, damals als das kleine Mädchen sich in die Pferde „verliebte“ und es ihr sehnlichster Wunsch war, wenigstens ein Pferd zu besitzen.

 

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