Shire Horse Geschichten I

Toris Ankunft | Michas Welt - Pferde
von Michael Waldow

 

Sie ist aufgeregt. In ihr ist eine besondere innere Freude und Spannung. Die Reise zu Josie beginnt sie mit den Worten: „Ich will ja nicht drängeln, aber ich drängle.“

Sofort setzt sich ihr Lebenspartner mitsamt Tochter und ihrem Freund Micha (Fotograf und Artikelschreiber) in den Wagen und es geht los. Die beiden kennen ihre Ungeduld. Und Josie wartet auf ein neues Zuhause. Josie ist eine Shire Horse Stute und die Halbschwester von ihrer Shire Stute Anouk. Sandy, so heißt die drängelnde Frau, hat sich in diese mächtige Pferderasse verliebt. Sie sind so etwas wie ihre persönliche Freiheit, ihr Stolz. Vor zwei Tagen wusste sie noch nichts über Josie. Von ihrem tristen Leben hatte sie zufällig in Kassel auf der Shire Horse Mitgliederversammlung erfahren. Einen Tag später waren Sandy mit ihrem Lebenspartner beim Besitzer. Was sie sah, schockierte sie. Der Dreck ist im Fell eingewachsen, der Schweif besteht aus harten Brocken, sie ist mit wenig Muskelmasse ausgestattet und für ihre Verhältnisse Shire optisch zu dünn (s. Foto unten). Außerdem lahmt sie. Das hat ihren Preis gedrückt. Einerseits kommt ihr das zugute, andererseits bedrückt sie Josies katastrophales Aussehen. Das Tier musste da dringend raus.

Heute, drei Tage später, wird sie endlich geholt. In sich gekehrt hört Sandy ihrem Lebenspartner kaum zu, während die Räder den Asphalt hinter sich lassen.

Endlich sind sie da und Sandy sieht ihren Kopf – Josie. Sie kommt sofort auf die Ankömmlinge zu, ist interessiert, freundlich und warmherzig. Josie will nur eins - raus hier, so schien es den viern. Schnell werden die notwendigen Unterlagen ausgetauscht und zurück bleibt der überforderte Besitzer.

Christian, ihr Lebenspartner, verfrachtet das Tier ruhig und sicher in den Pferdehänger. Er kennt sich aus,da er seit seiner Kindheit reitet und Ausbilder für Pferde und Reiter hin. Er ist zudem Sandys persönlicher Trainer und hilft sehr bei ihrem Pferdetraum.

Der Rückweg scheint sich zu ziehen. Sandy mache sich viele Gedanken; um Josies Gesundheit, ihre Unterbringung, Futter, ihr zukünftiges Verhalten zu Anouk. Ihr wird klar, dass sie viel Zeit investieren muss und ihr ist auch die Verantwortung, die sie übernimmt klar. Mit einem Lächeln erinnere sie mich, dass sie Josie umtaufen wird. Micha schlug Tori (der Turm) vor und da sie „turmhoch“ ist, finde Sandy den Namen passend.

Bald schon auf dem Reiterhof angelangt, beäugt Tori neugierig ihre neue Heimat. Sandy führt sie in die Reithalle und gönnt ihr ein wenig Ruhe. Das Shire ist nassgeschwitzt vor Aufregung.

In der Reithalle nimmt Tori durch ein Fenster Kontakt mit anderen Pferden auf. Sonderlich interessiert scheint sie erst mal nicht. Kein Wunder, stürmen doch viele neue Eindrücke auf sie ein. Nichtsdestotrotz strahlt sie eine relative Entspanntheit aus.

Schließlich bekommt sie ihren vorläufigen Platz zugewiesen und macht sich mit Vergnügen über das angebotene Heu her. Sandy versucht mit einer Schere die festgewachsenen Klumpen aus Erde und Kot abzuschneiden. Ihr Lebenspartner rät ihr zu für eine „Wässerung“ am nächsten Tag, um sie quasi einzuweichen. Selbst Schere und Messer sind gegen solche hartnäckigen Verkrustungen machtlos. Sophie, Sandys kleine Tochter, bietet ihr mit fröhlichem Gesicht Mohrrüben an. Das fröhliche Gesicht ignorierend, verteilt Tori das Gemüse erst einmal auf dem Boden. Sie scheint diese Speise nicht so recht gewöhnt zu sein, kommt aber bald auf den Trichter, inhaliert scheinbar die Möhren und leckt den Eimer gleich mal mit aus.

Sandys Augen strahlen und man sieht ihre Freude über Tori.

Das ist ein guter Tag, ein besonderer Tag, für alle.

(Bericht März 2016, weitere Geschichten folgen)
(Fotos: Michael Waldow)


Sandys Shire Horse Internetseite

 

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