Quintax, Hanse und Erasmus

Hanse | Michas Welt - MSW Welten
von Michael Waldow

Quinta-X-Essentia ist die Theatergruppe des Hallischen Hansevereins e.V. Die Gruppe mit dem komischen Namen, der nichts anderes bedeutet als die Quintessenz mit gekreuzten Schwertern (X), stellt mit Theaterstücke die Hallische Geschichte zur Zeit der Hanse dar, natürlich immer mit einem Augenzwinkern und einem Lächeln.

Die Ernsthaftigkeit soll den Wissenschaftlern vorbehalten werden, aber immerhin wird ein Stück Geschichte erzählt. Wie die vom Hansekaufmann Erasmus, der seit 2012 die Geschichten und Sagen der Stadt hautnah erlebt. Obwohl er, seine Magd Betlin und deren Ziehtochter Bea, die später zur Hansemagd Ketlin wird, Kunstfiguren sind, stecken hinter den Theaterstücken bekannte Sagen und historische Tatsachen. So wurden die Sagen der „Steinernen Jungfrau“, des „Esels der auf Rosen geht“ und „Der Roland“, nachgespielt, aber auch konkrete Geschichten aus dem Mittelalter wie „Die Mauer von Halle“, „Der Fluch“, „Die stumme Trommlerin“, „Der Salzhandel“, sowie der „Salzüberfall“. Zugegeben es sind kurze Stücke und ganz verbissene Gemüter hatten ihre Probleme die „Sage vom Esel, der auf Rosen geht“ mal in ganz anderem Gewand zu sehen.

So wird jedes Jahr zum Salz- und zum Hansefest ein anderes Stück aufgeführt. Zum Salinefest in diesem Jahr wird das Stück „Die Bierkonzession“ von der Gruppe gezeigt. Es nimmt Bezug auf das damalige Glaucha, dass damals zwar verrufen war, aber wo auch Bier gebraut werden durfte.

Zwei Mitglieder des Hansevereins gingen noch einen Schritt weiter und gaben den Hauptfiguren einen eigene Geschichte auf historischem Boden. Sie erzählt die Geschichte des Hansekaufmanns Erasmus von Halberstadt, seiner Magd und der Hansemagd Ketlin, die es so vielleicht nicht als Name, aber als reale Figur doch in dieser Zeit (15. Jh.) gegeben haben könnte. Die Taverne „Zu den drei Schwänen“, die dem Kaufmann Erasmus von Halberstadt gehört, gab es tatsächlich und war eine Ausspanne vorm Rannischen Tor, ebenso das Kaufhaus am Markt, wo der Hansekaufmann ein Lager für den Salzhandel hat.

Inzwischen gibt es zwei Hefte mit je zwei Geschichten vom Hansekaufmann. Die erste erzählt von ihm und der Magd Betlin, die er selbst aufzog und ausbildete. Die zweite erzählt von Betlins Tochter Bea, die dritte und vierte Geschichte von Erasmus‘ Heilkünsten und seinen gelegentlich überzogenen Streichen. Die Fotogeschichten wurden in eine Art Zeichnungen umgewandelt und die Geschichten mit Sprechblasen unterlegt, so dass der Eindruck eines Comics entsteht, obwohl dies nicht ganz richtig ist. Das dritte Heft ist gerade in Arbeit und erzählt wie aus der Ziehtochter Bea die Hansemagd Ketlin wurde. Gerade vor einer Woche wurde diese sechste und vorerst letzte Geschichte in der Saline im Hansequartier fotografiert.

Genannte zwei Mitglieder produzierten und produzieren noch einige andere Publikationen in ihrer Freizeit. Da sie hin und wieder doch auf interessierte Menschen stoßen, haben sie sich kurzerhand ISBN-Nummern besorgt und einen Verlag gegründet. Was sich so leicht anhört, ist ein enormer bürokratischer Aufwand und mit einigen Kosten verbunden, von den Druckkosten bis zu den behördlichen Kosten und Freiexemplaren für alle möglichen Sachen, angefangen vom städtischen Archiven bis hin zu Pflichtexemplaren an die deutsche Nationalbibliothek.

Doch der Aufwand lohnt sich, auch wenn es „nur“ ein Hobby bleibt. Immerhin werden auch Publikationen des Hansevereins angeboten. 10 Jahre Hansefest haben schließlich Spuren hinterlassen. Wenn man bedenkt, dass dieses Fest, das zu den kleineren Festen Halles gehört mit gut 15 Mitgliedern, 6 Quintanern und zwei Hände voll Sympathisanten abgesichert und gestaltet wird und dazu ein zweitägiges durchgängiges Programm bietet, ist das enorm. Das Ganze wird privat finanziert aus Mitgliedsbeiträgen und einigen Sponsoren.

Die Publikationen entstehen ausschließlich privat und in der Freizeit, so dass sich die Gestaltung der Geschichten des Hansekaufmanns nunmehr vier Jahre hinzogen. Für sechs Geschichten ist das aber nicht viel, schließlich liegen Fotografie, Gestaltung und Herstellung in den zwei Händen besagter Hansemitglieder.

Wer Interesse an diesen Geschichten hat, sollte auf der MSW-Welten Shop Seite schauen. (MSW – sind die abgekürzten Namen der beiden Autoren). Eine Leseprobe ist auf der MSW-Welten Seite im Internet zu finden, wo auch die anderen Arbeiten des MSW-Welten Teams vorgestellt werden.

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