Wörlitzer Park

Wo man mit Lust lustwandeln kann... | Michas Welt - Reportagen
von Michael Waldow

Wir sind gelustwandelt oder auch mit Lust gewandelt oder auch lustig gewandelt, kurzum wir waren in Wörlitz. Genauer in dem Park, indem es sich lustwandeln lässt. Die weiträumige Anlage ist mit netten Gebäuden gespickt, bunt, einfach, voller Ideen und manchmal wie aus einer anderen Welt, obwohl in vielem vertraut.

Immerhin zählt der Landschaftsgarten mit seinen 112,5 ha zu den größten dieser Art nach englischem Vorbild. Fast 250 Jahre (1773) hat er schon auf dem Buckel, was man ihm bei der sorgsamen Pflege kaum ansieht.

Es sind die Details, die ins Auge springen. Das gehört nicht mal das gotische Haus, das graue Haus, das Schloss, die Synagoge, die Kirche St. Petri und so manches Schmankerl fürs Auge wie die Luisenklippe, der Venustempel oder die verborgene Einsiedelei, sondern eben jene Weite mit sonnigen und schattigen Plätzen, ausgedehnten Grünflächen am Ufer des Wörlitzer Sees und heimlichen verschwiegenen Plätzen inmitten der kleinen Wälder, die den dringend benötigten Schatten spenden. Hier ließ sich vor 200 Jahren herrlich lustwandeln und ich seh‘ schon die jungen lachenden Frauen, die dem Galan heimlich fliehen, natürlich nicht ohne sich zu vergewissern, dass der Galan die Schönheit nicht verliert. Hier wurde nicht nur gelustwandelt, sondern auch der Lust gefrönt. Natürlich war es damals dem Adel vorbehalten und Fürst Leopold III. hätte wohl sich nicht träumen lassen, dass hier jährlich über eine Million Besucher spazieren gehen oder halt mit Lust wandeln, wie gerade beliebt.

Die Corona-Krise hat zumindest den Vorteil, dass die Anzahl der Besucher überschaubar ist, aber den Nachteil, dass man in der Gaststätte nach längerem Warten platziert wird und dann zusätzlich auf sein Essen fast eine Dreiviertelstunde warten muss. Gut, dass man(n) heute gut genährt ist und diese Zeit auch übersteht. Der Garten indes entschädigt bei Weitem. Seerosen bilden auf dem See kleine Teppiche und hier und da steht an den Wegen eine Skulptur oder es gibt alte knorrige Bäume zu entdecken. Insgesamt 17 Brücken gibt es im Park, große, bequeme, aus Holz, niedliche kleine, die aussehen wie geschnitzt, aber auch feste aus Stein. Und wer müde wird vom Brückengehen, kann sich auch mit einer Fähre hier und da über den See transportieren lassen.

Als ob es nicht schon idyllisch genug ist, kommt eine Schwanenfamilie daher geschwommen mit sieben Jungen, die schon groß, aber immer noch grau sind. Hans Christian Andersen, der Erfinder vom Märchen des „Hässlichen Entleins“, das zum wunderschönen Schwan heranwächst, hätte seine Freude gehabt und sieben (Schwäne) auf einen Streich erlebt. Aber das ist schon wieder ein anderes Märchen. Hier im Park ist dagegen die märchenhafte Schönheit Wirklichkeit und man kann nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die für so etwas keinen Sinn haben. Sie haben wohl keine Lust, in der Natur zu wandeln. Am Rande sei bemerkt das der Wörlitzer Garten 111 Nadel- und 818 Laubgehölzarten beherbergt.

Übrigens, der Großvater von Dieter Hallervorden, ein gewisser Hans Hallervorden hat die Synagoge in der Reichspogromnacht vor der Zerstörung gerettet. Das habe ich aber erst gelesen, als ich wieder zu Hause war und die Bilder sortierte. Geschichte gibt es überall, selbst in den schönsten Parks.

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