Ferropolis - Stadt aus Eisen

Warum man diese Giganten aus Eisen sehen muss | Michas Welt - Reportagen
von Michael Waldow

 

Es gibt große Städte, kleine Städte, Städte, die nicht erwähnenswert sind und Städte, wo man nicht hinwill. Die Stadt aus Eisen namens Ferropolis ist eine Stadt, wo man unbedingt mal hinwill oder gar hinsollte. Nun ist der Begriff Stadt streng genommen nicht ganz anwendbar, aber die Bagger, die dort herumstehen sind gewaltig und machen manchem Hochhaus Konkurrenz.

Tausende Tonnen Stahl, verschweißt und montiert ergeben eine gewaltige Maschinerie, die sich einst in die Landschaft fraß und immerhin 70 Millionen Tonnen Braunkohle von 1958 bis 1991 förderte. Das hätte schlussendlich eine Menge Schrott ergeben, wenn man nicht auf die Idee gekommen wäre, daraus nicht nur eine Ausstellungsstadt oder besser ein Freilichtmuseum zu machen, sondern zusätzlich eine Bühne mittendrin zu bauen. Kurzerhand wurde die Y-förmige Tribüne Arena genannt und so gebaut, dass 25.000 Menschen bei den Konzerten dabei sein können. Die Puhdys, Deep Purple, die Ärzte, Böhse Onkelz, Udo Lindenberg, Metallica und andere gaben sich hier ein Stelldichein und ließen inmitten der fünf riesigen Bagger ihre Musik erklingen. 

Das Loch, das die Bagger in die Erde fraßen ist heute ein See, der, sobald er vollgelaufen ist, dann für touristische Zwecke genutzt werden soll. Die Halbinsel Ferropolis, die in den See hineinragt und einen ungetrübten Blick auf den malerischen Gremminer See freigibt, lässt kaum erahnen, wie Mensch zum Zwecke der Energiegewinnung hier wütete und sogar ein Dorf (Gremmin) einfach so wegbaggerte. Da sind ganze Geschichten im See verschwunden, die man aber ein wenig in der Ausstellung wiedererwecken konnte. Immerhin gibt es neben den Informationen auch die Knochen eines 120.000 Jahre alten Elefanten zu sehen, der von unseren Vorfahren weit vor dem Baggern erlegt wurde. Die Jäger konnten sich nicht mal im Traum vorstellen, wohin sich der Mensch entwickeln würde und wussten nichts von dem Schatz der unter ihren Füßen lag.

Millionen Jahre brauchten die immer wieder abgestorbenen Pflanzenmassen, die unter ihrem eigenen Druck zu Kohle wurden. Der Mensch hingegen schnipste mit den Fingern und schon war die Erde für 33 Jahre aufgewühlt und ein See entstand nach und nach, seit nunmehr 29 Jahren. Gut, das Mensch von heute nicht mehr auf die Jagd gehen muss, obwohl der See eine ganze Menge Fische inzwischen bietet. Die Natur regeneriert sich. Die Elefanten der Technik hingegen beeindrucken das Auge und man begreift eigentlich nicht, wie man solch einen kolossalen Bagger planen konnte, wo jede Schraube, jeder Niet sitzen musste, haben doch besagte Vorfahren gerade erst ihre Feuersteinklinge benutzt, um Elefanten zu zerteilen. Der mitgeführte Guide erzählte von immer neuen Superlativen und warf mit Meterzahlen und Tonnen herum, dass einem schwindelig wurde. Und dann stand man unter solch einem Riesending, wo selbst Züge drunter durchfuhren und träumte sich in die Kindheit zurück, wo man selbst Baggerfahrer werden wollte, aber nichts von diesen Riesen auch nur annähernd ahnte.

So entwickelte sich aus dem Schatz in der Erde, ein Schatz, der auf dem Boden steht, was aber auch seinen Preis hat. 50.000 Euro kostet die Instandhaltung der fünf Bagger pro Jahr und eine Grundsanierung steht demnächst an. Die wird dann insgesamt 20 Millionen € kosten. Da haben wir mit unserem Eintritt von 12 € zu zweit ein wenig beigetragen und müssen wohl bei der Summe noch öfters kommen. Meine Kameras kamen auf ihre Kosten, meine Sinne in luftiger Höhe auf einem der Bagger auch. Ferropolis, die Stadt aus Eisen, ein Wunder der Technik und der Natur.

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