Von St. Cyriaki bis zum Roten Milan

Eine kulinarische Fototour | Michas Welt - Reportagen
von Michael Waldow

 

Nun haben wir einen Streifzug durch Glaucha gemacht, genauer gesagt uns fotografisch das Gebiet von St. Cyriakus et Antonii vorgenommen, sind zur Kirche St. Georg (1180 zum ersten Mal erwähnt) vorgedrungen und haben das Saaleufer besucht, genau dort, wo alte Menschen ein Pflegeheim gefunden haben, die ruhig dahinfließende Saale beobachten und ein schönes Areal unter dem Schatten der Genzmerbrücke genießen können. So stell ich mir Alter vor.

Aus dem Zimmer klingt Musik und neugierig zeigt sich hier und da ein faltiges, neugieriges Gesicht.  Diese Gesichter können Geschichten erzählen. Ich bin auch an Geschichte(n) interessiert, an den Geschichten der Salzstadt Halle.  35 Jahre lebe ich in Halle – Neustadt und erlebe ständig neue Ecken in der Salzstadt. Mein Begleiter ist immer Baron Siegmar Schultze - Gallera, der mir vieles erklärt mit seiner ihm eigenen Fantasie.  Der zweite Begleiter ist mein Fotoapparat, der Worte in Bilder fasst.

Ich kenne die Geschichte von St. Cyriaki, das einst auf dem Boden der Residenz stand und ein paar Mal umziehen musste. Das sind dann die Geschichten, die ich im Freizeit- und Kreativverein „Michas Clan aus der Salzstadt Halle (Saale) e.V.“ erzähle und die dann in Facebook unter dem Kurznamen des Vereins „Salzstadtclan“ dort zu lesen sein werden. Nach zwei Stunden haben wir das Areal umrundet und viele Fotos geschossen. Was es hier zu sehen gibt, sofern man nicht hetzen muss und die Augen offenhält, ist immens.

Schlussendlich rückte der Mittag näher und der Bauch brauchte Nahrung. Irgendwann war ich mal an einem Piratenschiff, als es noch nicht geöffnet hatte. Das war im April 2017.  Schnell haben wir es erreicht.  Der Rote Milan, einst aus Thüringen von der Bleilochtalsperre gekommen, hat es hier eine neue Heimat bekommen. Ob es nun Piraten an der Saale gab, ist zu bezweifeln, aber allerhand seltsame Leute trieben an den Ufern schon ihr Handwerk. Damit hat der Rote Milan (Geschichte des Schiffes hier…) nichts zu tun. Wir kamen, setzten uns und aßen. Zwar war die Speisekarte etwas gewöhnungsbedürftig, weil sie von einer Struktur abwich und durcheinander schien. Schnell hatten wir ausgewählt. Der fürstliche Preis wurde mit einem fürstlichen Mahl belohnt, dass man sich fragte, ob man nicht noch jemanden zum Essen einladen sollte. Nach den ersten Happen entschieden wir, uns allein durchzubeißen. Es schmeckte halt. Ein leerer Teller und ein runder Bauch blieben zurück, samt guten Eindruck. Die beiden Kellnerinnen hatten sogar eine kurze Zeit für einen Plausch und hörten mir geduldig bei meinen Geschichten über dieses und jenes zu.

Platz ist im Schiff genug, aber bei dem Wetter hielten wir uns im Freien auf, mit Blick auf den südlichen Zipfel der Rabeninsel. Eigentlich hieß die Insel mal „Kräheninsel“ und gehörte dem Kloster Neuwerk bis 1291 und dann dem Zisterzienserkloster Marienkammer.  Bis 1899 nahm man sie kaum wahr und auf Stadtplänen gab es sie eigentlich nicht so richtig. Trotzdem gab es schon Anfang des 19. Jahrhunderts zwei Einkehrmöglichkeiten.  Die Insel stand damals noch mitten in der Natur, keine störenden Häuser gab es. Doch schon ab 1904 bildete sich das erste Wegenetz und 1927 war es gut ausgebaut. Die Rabeninselbrücke gibt es erst seit dem Jahr 2000. Die Geschichte ist natürlich noch viel komplexer und wird der nächste Ort meiner fotografischen Wanderungen sein.

Der Böllberger Weg ist voller Geschichte, die Böllberger Mühle, die Müllersteine, die uralte Kirche und einiges mehr. Glaucha und Böllberg haben einiges zu bieten und der Begriff Hallunke (bitte mit zwei „ll“) hat was mit dieser Stadt zu tun, die beileibe kein Vorort im Mittelalter war, sondern eine eigene Mauer und Wappen hatte.  Aber das sind schon wieder andere Geschichten. Wir müssen zur Silberhöhe, die nun gar nichts mit dem Edelmetall zu tun hat, aber in diesem Bericht nicht passt.

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