Rosarium Sangerhausen

Ein Rosenmeer, soweit das Auge reicht | Michas Welt - Reportagen
von Michael Waldow

Urlaub in einer seltsamen Zeit. Damit ist nicht das Wetter gemeint, sondern eher die Begleitumstände. Normalerweise wäre es auf einem Schiff die Rhone rauf und runter gegangen, aber das ganze mit Mundschutz, eingeschränkten Landgang war wenig verlockend und so verzichteten wir. Verzichten auf ein wenig Erholung von der Arbeit wollten wir indes nicht und machten uns auf zur Rosenstadt Sangerhausen. Das ist eh um die Ecke von Halle.

Um diese Monatszeit, mitten im Juli, kommt man schon fast zu spät zu diesem Rosenmeer. Tausende Arten, einige lassen schon die Köpfe hänge und werfen die Blätter ab. Die Natur scheint unbeeindruckt vom Virus und nimmt unbeirrt ihren Lauf. Das kleine Menschlein kann die Vielfalt nicht fassen, große Rosen, kleine Rosen, kletternde Rosen, rote Rosen, bunte Rosen, getüpfelte Rosen und sogar grüne Rosen. Der Sinn der Letzteren erschließt sich mir nicht so recht.

Damit das Ganze nicht langweilig wird und das Auge rosenmäßig überlastet, gibt es Skulpturen in allen Formen und Farben. Die rostigen Eisenkonstrukte erinnern mich an die Zeit, als ich Drehscheiben für Loks vom Rost befreite. Ich kann dieser Kunst nicht viel abgewinnen. Manche Plastiken sehen aus, als ob der Künstler sein Kunststudium abgebrochen hat. Ich bin mir bewusst, dass ich bei manchen Dingen einfach nur ein Kunstbanause bin.

Die Rosen hingegen faszinieren mich schon immer. Als ich noch der Modelfotografie frönte, war immer irgendwas mit Rosen dabei. Ich hatte sogar eine schwarze Rose für Gothicsachen, aber die war künstlich. Hier aber tobt das Leben noch, im wahrsten Sinne des Wortes. Zwischen den Rosen gab es noch eine Menge andere Blumen mit faszinierenden Farben und jeder Menge Brummer, respektive Hummeln, Wespen und Schwebfliegen. Sie versuchten noch den letzten Nektar zu erhaschen, bevor die Blütenblätter abfielen und Platz für die nächste Generation schaffte.

So konnten wir uns kaum sattsehen an der Vielfalt, die schon wieder fast zu viel war. Der Planet brannte von oben herab und zum Mittag war die übliche Coronaprozedur zu absolvieren: investieren (Zeit zum Schlange anstehen), akzeptieren (Corona Zettel ausfüllen), konzentrieren (auf den Bestellprozess), platzieren (mit Nummernchip), dinieren (Rostbratwurst mit Sauerkraut), eruieren (das Gesehene), transportieren (uns mit dem Auto). Also machten wir uns aus der Jetztzeit schnurstracks auf den Weg in die Altzeit, ca. tausend Jahre zurück ins Kloster Memleben.

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