Gespaltene Konjunktur: Dienstleister auf-, Industrie abwärts

von 30. Oktober 2019

Zwar sorgten stabile Einkommen und geringe Zinsen aktuell weiterhin für eine starke Konsumnachfrage, berichtet Bieräugel. „Aber was die Zukunftsaussichten betrifft, schauen die regionalen Unternehmen überwiegend skeptisch in die Zukunft und halten sich mit weiteren Investitionen zurück.“ Die Industrie träfen vor allem zusätzliche Risiken wie Protektionismus, steigende Energiekosten oder Belastungen durch den Klimaschutz. Auf lange Sicht sei Wirtschaftswachstum ohne industrielle Basis in der Region kaum möglich, meint IHK-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Thomas Brockmeier. „Es kommt politisch darauf an, die zugesagte Strukturförderung im Zuge des Braunkohleausstiegs klug einzusetzen.“ Hauptziel müsse es sein, Industriearbeitsplätze zu erhalten und auszubauen. „Dafür brauchen wir nicht nur weiterhin sichere und bezahlbare Energie, sondern auch eine darauf ausgerichtete Förderung von Wertschöpfung.“ Brockmeier spricht sich dafür aus, Unternehmen steuerlich zu entlasten, um zusätzlichen finanziellen Spielraum für Investitionen zu gewinnen.

Die Ergebnisse des IHK-Konjunkturberichtes im Einzelnen:

In der Industrie beschleunigt sich der Abschwung.Die Unternehmen sehen sowohl ihre Lage als auch die Perspektiven skeptisch. Der Geschäftsklimaindex sinkt kräftig ab. Mit 7,6 Punkten liegt der Wert nun deutlich unter dem des Vorjahres (32,7). Ob Chemie, Ernährungswirtschaft oder Maschinenbau: Die Stimmung hat sich auf breiter Front verschlechtert. Die Unsicherheit der Branche lässt sich eindrucksvoll an den Investitionsabsichten ablesen: Erstmals seit 2015 sind die Unternehmen, die weiter investieren wollen, nicht mehr in der Überzahl.

Im Baugewerbe ist die Lage weiter top.Das Geschäftsklima im Baugewerbe bleibt auf hohem Niveau annähernd stabil. Mit 32,8 Punkten liegt dieser Index leicht unter dem Vorjahreswert. Insgesamt bleibt das Bild aber äußert positiv – eine Trendumkehr ist hier nicht zu erkennen. Ihre Geschäftslage schätzen die Baufirmen mit einem Spitzenwert stabil ein, während ihre Erwartungen leicht eintrüben.

Dienstleistungsgewerbe springt auf Höchstwert.Der Geschäftsklimaindex in dieser Branche steigt auf 33,4 Punkte an und übertrifft damit die Spitzenwerte aus dem Jahr 2018. Das überrascht insbesondere deshalb, weil die Dienstleistungsunternehmen noch Mitte dieses Jahres skeptisch in die Zukunft geblickt hatten. Bei anhaltend guter Lage trübten die Erwartungen damals deutlich ein. Diese pessimistischen Erwartungen haben sich offenbar nicht bestätigt. Tatsächlich waren nur leichte Umsatzrückgänge zu verzeichnen.

Handel bleibt pessimistisch.Mit -1,3 Punkten fällt der Geschäftsklimaindex im Handel etwas schlechter aus als zum selben Zeitpunkt 2018. Wie schon Mitte des Jahres klaffen die Einschätzungen von aktueller Lage und Zukunftsperspektive auseinander. Die Geschäftserwartungen sind erneut deutlich negativ. Zu beobachten ist eine klare Spaltung innerhalb der Branche: Verbesserungen beim Einzelhandel – aber Eintrübungen beim Großhandel.

Leichte Entspannung im Verkehrsgewerbe.Das Geschäftsklima im Verkehrsgewerbe hellt sich verglichen mit dem Vorquartal aktuell etwas auf. Geschäftslage und -erwartungen werden leicht besser eingeschätzt als zuvor. Der Index erreicht mit 17,2 Punkten fast das Vorjahresniveau. Unterschiede gibt es aber auch hier zwischen den Verkehrsbranchen: Positiv gestimmt sind vor allem die Personenverkehrsunternehmen.