Ist der Disput um Bienen eine Provinzposse?

von 12. Februar 2017

Er war vor Ort, hat Fotos gemacht und die Niederschrift des Ausschusses für Ordnung und Umweltangelegenheiten vom 8. Dezember 2016 hervorgeholt. In dem Beschlussvorschlag hießt es: „Die Stadtverwaltung wird beauftragt, allen Anwohnern, deren Wohnsitz in einem Gebiet liegt, das während HFC-Heimspielen aus Sicherheitsgründen mit einer Durchfahrtssperre belegt wird oder von privaten PKWs freigehalten werden muss, für die Dauer der Sicherheitsmaßnahme einen alternativen Parkplatz in unmittelbarer Wohnortnähe zur Verfügung zu stellen.“ Soll also für diese temporäre Nutzung eine Grünfläche mit ausgewachsenen Bäumen und einer etablierten Imkerei planiert werden?

Aldag erinnert sich an Aussagen des zuständigen Fachbereichsleiters Tobias Teschner zu der Angelegenheit, der sich auf den Bebauungsplan von 2010 bezog. Von einer Schotterfläche sei die Rede gewesen. „Ich habe nachgefragt, ob es eine Grünfläche wäre, für die eventuell ein Ausgleich geschaffen werden müsste. Teschner habe geantwortet: Es ist keine Grünfläche. Neben dem geplanten Parkplatz steht ein Imkerwagen und erst dahinter beginnt die Grünfläche.

Tatsächlich befindet sich direkt am Läuferweg zunächst eine mit Lochbetonplatten belegte, teilweise auch zum Parken genutzte Fläche und alte Garagen, ehe das stark begrünte Grundstück mit dem Bienenwagen und weiteren Bauwerken zum Zwecke der Imkerei folgen. Von seiner Vor-Ort-Besichtigung berichtet Aldag, der sich als Garten- und Landschaftsarchitekt bestens mit der Materie auskennt, dass sich auf dem beanspruchten Pachtland im Besitz der Stadt Halle (Saale) Flieder sowie einige Großbäume befinden, für deren Abholzen laut Baumschutzsatzung an anderer Stelle ein Ausgleich geschaffen werden müsste. Der Charakter der Fläche widerspricht also der Aussage Teschners. Vor dem besagten Grundstück befinde sich eine Schotterfläche, die solle jedoch nicht umgenutzt werden. „Weiß der Teufel, weshalb nicht“, wundert sich Aldag und schiebt gleich nach, weswegen das nun auch nicht mehr möglich ist. „Die Stadt hat dort vor wenigen Wochen einen Untergrundglascontainer errichtet. Kosten: 25.000 Euro.“ Aldag sieht in den Vorgängen in Sichtweite des Stadions fast schon einen kleine Provinzposse. „Da weiß im Planungsamt wohl die rechte Hand nicht, was die linke Hand macht.“

Das Imker-Ehepaar Erika und Ulrich Hildebrandt wehren sich gegen den Rausschmiss. Gegen die Kündigung des „Mietvertrages“ zum 30. April 2017 sind sie in Widerspruch gegangen. Sie sehen sich im Recht, weil sie Pächter und keine Mieter sind, weswegen die Fläche ihnen, nach Lage der Dinge, frühestens zum 31. Oktober 2018 gekündigt werden könnte. Am liebsten wäre den Hildebrandts natürlich, wenn ihre Bienenvölker auch danach in der gewohnten Umgebung bleiben könnten.

Hallelife-Bericht über den Grundstücksstreit vom 1. Februar 2017

http://hallelife.de/nachrichten/halle-saale/aktuelles/news/items/imker-sauer-die-verkaufen-uns-fuer-dumm.html