Lernen in der Corona-Pandemie braucht Verantwortung und Verlässlichkeit

Schule und Corona: SPD-Landtagsfraktion kritisiert Defizite | Aktuelles
von hallelife.de | Redaktion

Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Lernen unter den Bedingungen der Corona-Pandemie sind in Sachsen-Anhalt unverändert schlecht, kritisiert die SPD-Fraktion im Landtag. Die inzwischen entwickelten digitalen Lern- und Fortbildungsangebote funktionieren nach wie vor nicht zuverlässig.

„Weder für den derzeit laufenden Distanzunterricht noch für mögliche Mischformen wie Wechselunterricht oder Hybridunterricht wurden Konzepte vorangebracht. Es hapert an inhaltlichen genauso wie an technischen Lösungen“, so die Fraktionsvorsitzende Katja Pähle. „Vier Wochen über den Jahreswechsel wurden nicht ausreichend genutzt, um sich auf die absehbar schwierige Situation vorzubereiten. Minister Tullner muss endlich Lösungen auf den Weg bringen, die guten Unterricht auch unterhalb der Maximalforderung ,Präsenzunterricht für alle‘ möglich machen.“

Nur ein Bruchteil der Schulen verfügt über einen Zugang zur Lernplattform Moodle. „15.000 Endgeräte aus dem Digitalpakt – die Minister Tullner als Erfolg feiert – für 197.000 Schülerinnen und Schüler sind keine Grundlage für einen funktionierenden Distanzunterricht“, sagt die bildungspolitische Sprecherin Angela Kolb-Janssen. „Es gibt keine erkennbare Strategie für die Zeit bis zum Ende des Schuljahres. Schülerinnen und Schüler und deren Eltern brauchen aber Planbarkeit und Verlässlichkeit.“

Lernzeit gewinnen – Prüfungstermine verschieben

Zu den wichtigsten Aufgaben der Schulen im Umgang mit der Pandemie gehört es aus Sicht der SPD, die Abschlussklassen zu stärken und zu unterstützen. Kolb-Janssen: „Die im letzten und auch im laufenden Schuljahr verlorene Bildungszeit lässt sich nicht mehr vollständig aufholen. Um mehr Bildungs- und Lernzeit zu gewinnen, sollte eine Verschiebung der schriftlichen Prüfungen der Abschlussjahrgänge auf die Zeit nach den Pfingstferien 2021 erfolgen.“ Gleichzeitig sollten die Prüfungen deutlich verschlankt und in der zeitlichen Abfolge gestrafft werden. Die Organisation von zielgerichteten Vorbereitungskursen muss jetzt vorbereitet werden. Der sehr späte Beginn der Sommerferien in diesem Jahr begünstigt dieses Verfahren und würde den Abschlussklassen eine faire Vorbereitung ermöglichen.

„Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen“, so Katja Pähle. „Keine Schülerin und kein Schüler kann sich derzeit so auf Abitur, Real- und Hauptschulabschluss vorbereiten, wie das sonst möglich und nötig ist. Ein erleichterter Zugang und ein reduzierter Umfang der Prüfungsleistungen sind sinnvoll.“

Konsequenter Ausbau der digitalen Infrastruktur

Die digitale Infrastruktur im Bildungsbereich muss allen Schulen des Landes leistungsfähige Netzwerk- und Serverstrukturen und den Zugang zu digitalen Angeboten ermöglichen, fordert die SPD-Fraktion. Kolb-Janssen: „Moodle ist eine etablierte, webbasierte Lernplattform. Sie ermöglicht eine datenschutzkonforme und sichere Struktur für die Kommunikation sowie für das Lehren als auch das Lernen. Leider steht sie bisher nur 120 der über 800 Schulen im Lande zur Verfügung. Das ist blamabel! Die lange versprochene Ausschreibung zur Gewinnung eines Partners zur Bereitstellung, technischen Begleitung und dem Hosting von Moodle-Instanzen für alle Schulen muss endlich erfolgen.“

Die Umsetzung des Digitalpaktes muss die Schulen auch tatsächlich in die Lage versetzen, den digitalen Unterricht verlässlich zu organisieren. Dabei brauchen sie Unterstützung durch Systemadministratoren. Eine Lehrkraft kann diese Aufgabe nicht zusätzlich und ehrenamtlich leisten. Hierfür müssen Fachleute eingestellt oder den betreuenden Lehrkräften ausreichend Anrechnungsstunden zur Verfügung gestellt werden. Das Land muss hier mit den Mitteln aus dem Digitalpakt die dafür notwendigen Voraussetzungen schaffen.

Für alle Lehrkräfte und alle Schülerinnen und Schüler im Präsenzunterricht setzt sich die SPD für regelmäßige Covid-19-Tests ein.

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