Arbeitslose werden Firmenchefs

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Wirtschaft | Aktuelles
von Tobias Fischer

Immer mehr Arbeitslose wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Vor allem im Handel und im Dienstleistungssektor werden diese Personen laut IHK-Gründerreport 2011 aktiv. Im Durchschnitt war der Existenzgründer im vergangenen Jahr 37 Jahre alt, männlich und arbeitslos

Arbeitslose werden Firmenchefs

Immer mehr Arbeitslose wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Vor allem im Handel und im Dienstleistungssektor werden diese Personen laut IHK-Gründerreport 2011 aktiv. Im Durchschnitt war der Existenzgründer im vergangenen Jahr 37 Jahre alt, männlich und arbeitslos.

7.283 gewerbliche Unternehmen sind im vergangenen Jahr im Süden Sachsen-Anhalts neu gegründet worden. Dies sind 504 Unternehmen weniger als im Jahr 2009. Dennoch ist der Unternehmensbestand per Saldo gestiegen: So wurden 443 Unternehmen mehr gegründet als aufgegeben. Die meisten Gewerbe wurden im Handel angezeigt, gefolgt den unternehmensnahen Dienstleistungen, dem Bau- und Gastgewerbe.

Die Erfolgschancen für Gründer haben sich laut IHK Halle-Dessau in den vergangenen zwanzig Jahren verbessert. Waren zu Beginn der 90er Jahre rund die Hälfte der neu gegründeten Unternehmen im IHK-Bezirk nach drei Jahren noch am Markt, sind es heute 70 Prozent. Nach IHK-Prognosen werden 54 Prozent der derzeit neu gegründeten Unternehmen auch das fünfte Firmenjahr erreichen – gegenüber 47 Prozent zu Beginn der 90er Jahre. Gründungen im Baugewerbe, im Bereich der Immobiliendienstleistungen, der IT- und Medienwirtschaft sowie in der Industrie haben momentan die besten Erfolgschancen, sich anhaltend auf dem Markt zu etablieren.

„Die Lebensdauer von neu gegründeten Unternehmen könnte trotzdem noch gesteigert werden. Denn: Der Großteil derer, die im Vorfeld ihrer Existenzgründung zu uns kommen, haben nur geringe kaufmännischen Kenntnisse, unzureichendes Fach- und Branchenwissen und machen sich oftmals zu wenige Gedanken zum Alleinstellungsmerkmal ihrer Geschäftsidee“, kritisiert IHK-Geschäftsführerin Antje Bauer. „Diesen Defiziten trägt die Gründungsförderung in Sachsen-Anhalt nicht ausreichend Rechnung. Erst nach der Gründung gibt es geförderte Qualifizierungsangebote zur kaufmännischen Bildung von Neugründern.“ Laut Bauer müsse die Vermittlung betriebswirtschaftlicher Grundkenntnisse im Vorfeld durch eine praxisorientierte, auf den Gründer zugeschnittene Basisqualifizierung gefördert und das erarbeitete Gründungskonzept als Bestandteil der Qualifizierung zertifiziert werden. In der Startphase brauche es Zusatzqualifizierungen, um die Qualität der Selbstständigen zu heben.

Laut IHK-Gründerreport wird der Unternehmensbestand im IHK-Bezirk sinken. Bedingt durch die demografische Entwicklung werden im Jahr 2015 voraussichtlich neun Prozent weniger Unternehmen gegründet als im vergangenen Jahr. 2020 werden es knapp 15 Prozent weniger sein als heute. „Um dies zu kompensieren, sind jährlich mehr als 600 zusätzliche Neugründungen nötig“, so Bauer.

Der IHK-Report listet allerdings nicht auf, wie gut die Unternehmen derzeit laufen. Nach Berechnungen der Arbeitsagentur müssen nämlich immer mehr Selbstständige Hartz IV beantragen, im vergangenen Jahr bezogen durchschnittlich 125.000 Selbstständige in ganz Deutschland Zusatzleistungen vom Staat.

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