Citytunnel wird für Leipzig teurer

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Baugeschehen | Aktuelles
von Tobias Fischer

Das mögen Politiker gar nicht, wenn sie mit Fragen gelöchert werden, die mit dem eigentlichen Pressetermin gar nichts zu tun haben. Aber so sind sie nun mal die gemeinen Journalisten. Immer wollen sie wissen, was Politiker am wenigsten verraten wollen

Citytunnel wird für Leipzig teurer

Das mögen Politiker gar nicht, wenn sie mit Fragen gelöchert werden, die mit dem eigentlichen Pressetermin gar nichts zu tun haben. Aber so sind sie nun mal die gemeinen Journalisten. Immer wollen sie wissen, was Politiker am wenigsten verraten wollen. So ging es Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP), als er am heutigen Montag höchstpersönlich im Führerstand einer Diesellok in die Haltestelle Bayrischer Bahnhof in den City-Tunnel Leipzig einfuhr.

Im Schlepptau, oder besser gesagt auf den Tiefladern, hatte der Wirtschaftsminister vier je etwas 3,8 Tonnen schwere Rolltreppenteile, die in die Haltestelle montiert werden sollen. Doch das war erst mal Nebensache, als der Minister auf dem Bahnsteig auftauchte. Entsprechend einsilbig und wenig auskunftsfreudig zeigte sich Sven Morlok dann auch. Wichtiger als die Rolltreppen war nämlich die Tatsache, dass die Stadt Leipzig wohl, entgegen bisheriger Bekundungen der Stadtverwaltung, doch noch einmal ins Stadtsäckel wird greifen müssen, um die Finanzierung des City-Tunnels sicherzustellen.

Der Minister: „Ich habe mit dem Rechnungshof gesprochen und mir die Argumente sorgfältig angehört. Und angesichts der Argumente des Rechnungshofes gibt es gute Gründe, Leipzig an den Mehrkosten zu beteiligen. Wir haben auch gute Gründe anzunehmen, dass dies rechtlich möglich sein wird.“ Um welche Summe es sich genau handeln soll, wollte der Minister nicht sagen.

Allerdings dürfte den Leipziger Stadtvätern angesichts solcher Sätze seitens des Wirtschaftsministers die Ohren klingeln: „Es werden sicher ein paar weitere Millionen werden. Aber das werden wir mit der Stadt Leipzig diskutieren müssen. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich Ihnen dazu jetzt keine genauen Zahlen nennen kann.“

Bisher hatte man sich bei der Stadt damit abgefunden, zum ursprünglich geplanten Etat für die Baukosten zwölf Millionen Euro beisteuern zu müssen. Angesichts der fast auf das doppelte gestiegenen Kosten für den City-Tunnel wird daraus nach Meinung des Landesrechnungshofes wohl nichts. Fest zusagen konnte und wollte der Minister jedoch, dass es beim Termin 2013 bleibe: „Zum Winterfahrplan 2013 werden Züge durch den City-Tunnel rollen. Wir wollen weitere Verschiebungen vermeiden, die zusätzliche Kosten bedeuten würden.“

Eigentlich hätte der Tunnel laut ersten Planungen im Jahre 2009 eröffnet werden sollen. Doch immer wieder stießen die Ingenieure im Leipziger Untergrund auf offenbar vorhergesehene Hindernisse. Die hätten aber bei normalem Vorgehen bei den Probebohrungen erkannt werden müssen, so ein Ingenieur und Tunnel-Experte, der bei den Tunnelarbeiten dabei gewesen war und nicht genannt werden will (Name d. Red. bekannt): „Bei vorschriftsmäßigem Vorgehen während der Probebohrungen hätten die Schwierigkeiten vorher erkannt werden müssen. Ob das nun große und sehr harte Felsbrocken, Grundwasseradern oder Cavitäten (Aushöhlungen im Erdinnern, d. Red.) sind. Da sind ganz klar große Fehler gemacht worden.“

Fehler, die auch Minister Sven Morlok eingestand, dies aber wesentlich euphemistischer formulierte: „Offenbar haben die Prognosen zu Beginn der Tunnelbohrungen nicht die Planungstiefe gehabt, die wünschenswert gewesen wäre. Die Fehler liegen eindeutig bei demjenigen, der diese Planungen damals angestellt hat.“ Zugleich beteuerte er, dass es bei den vom Landesrechnungshof veranschlagten Baukosten in Höhe von 960 Millionen Euro bleiben würde: „Ich rechne nicht damit, dass die Kosten über eine Milliarde Euro betragen werden.“

Ach ja, da waren ja noch, angesichts dieser Meldungen die fast vergessenen Rolltreppen. Andreas Irngartinger, Bereichsleiter der DEGES: „Im gesamten Tunnel wird es 26 Rolltreppen geben. Diese hier ist die zehnte. Wir liegen mit unseren Arbeiten voll im Plan. Hier ist der Fassadenaufbau schon komplett vorbereitet. Alle Kabel und Versorgungsleitungen sind gelegt, so dass in diesem Bereich die Verkleidung angebracht werden kann.“

(Matthias Weidemann / l-iz.de)

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