Kultusminister will Ganztagsangebote ausbauen

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Bildungsmonitor | Aktuelles
von Tobias Fischer

Am Dienstag wurde der „Bildungsmonitor 2011“ vorgestellt, der Sachsen-Anhalt bundesweit im Mittelfeld sieht. Das Land belegt Platz neun, nachdem es in der letzten Untersuchung noch auf Rang sieben kam. „Wir dürfen nicht in unseren Anstrengungen nachlassen, uns weiter zu verbessern“, kommentierte Kultusminister Stephan Dorgerloh die Ergebnisse

Kultusminister will Ganztagsangebote ausbauen

Am Dienstag wurde der „Bildungsmonitor 2011“ vorgestellt, der Sachsen-Anhalt bundesweit im Mittelfeld sieht. Das Land belegt Platz neun, nachdem es in der letzten Untersuchung noch auf Rang sieben kam. „Wir dürfen nicht in unseren Anstrengungen nachlassen, uns weiter zu verbessern“, kommentierte Kultusminister Stephan Dorgerloh die Ergebnisse.

Die Studie unterstreiche nach Ansicht von Dorgerloh einige bildungspolitische Aufgaben, vor denen Sachsen-Anhalt steht. So bestehe in der Tat, wie in der Studie aufgezeigt, Nachholbedarf bei den Ganztagsschulen. „Wir wollen die Ganztagsschulangebote verbessern und ihre Zahl deutlich ausbauen“, sagte der Minister. In Sachsen-Anhalt gibt es derzeit 88 öffentliche Ganztagsschulen. Als eine vorrangige Aufgabe sieht der Minister an, die Zahl der Schüler ohne Hauptschulabschluss sowie der Schülerinnen und Schüler an Förderschulen zu senken. „Wir müssen insgesamt für mehr Bildungsgerechtigkeit sorgen“, sagte er und nannte die Einführung von Gemeinschaftsschulen auf freiwilliger Basis als ein Beispiel. Auch die laut Bildungsmonitor „relativ unausgewogene“ Altersstruktur der Lehrkräfte sei ein wichtiges Aufgabenfeld, so Dorgerloh. Mit erhöhten Kapazitäten bei den Plätzen für das Lehramtsstudium und den Vorbereitungsdienst sowie bei den Lehrerstellen seien aber bereits die richtigen Weichen dafür gestellt worden, mehr junge Lehrkräfte in den Dienst zu bringen. Der Kultusminister verwahrte sich allerdings dagegen, die Altersstruktur der Lehrkräfte wie in der Studie als Kriterium für „Inputeffizienz“ heranzuziehen: „Das Alter einer Lehrkraft sagt überhaupt nichts über die Qualität ihres Unterrichts aus.“ Dorgerloh betonte in diesem Zusammenhang, dass der Bildungsmonitor keine Bildungsanalyse, sondern ein bildungsökonomisch ausgerichteter Ländervergleich sei. Der im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellte Bericht geht der Frage nach, inwieweit Verbesserungen im Bildungssystem zu mehr Wachstum beitragen können. Dazu werden bekannte, öffentlich zugängliche Statistiken herangezogen, im aktuellen Bericht überwiegend aus dem Jahr 2009.

Sachsen-Anhalt ist auf einem guten Weg, man darf aber die berufliche Bildung als Schlüssel zur Fachkräftesicherung nicht vernachlässigen, erklärte der hallesche CDU-Abgeordnete Thomas Keindorf zu den jüngsten Zahlen des Bildungsmonitors.

„Ganz gleich wie man zur Seriosität des Bildungsmonitors der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft steht, Sachsen-Anhalt bewegt sich bestenfalls im Mittelfeld, andere haben in der letzten Zeit mehr Dynamik gezeigt“, so Matthias Höhn, Vorsitzender Linken in Sachsen-Anhalt. Bildungsarmut sei nach wie vor ein zentrales Problem in Deutschland. „Wenn sich die soziale Schieflage in der Gesellschaft weiter verschärft, werden damit Bildungschancen für die „unteren“ Schichten abgeschnitten. Hier muss gerade in Sachsen-Anhalt entschiedener gegengesteuert werden. Prekäre Arbeitsverhältnisse in großer Zahl, ein breiter Niedriglohnsektor und Dauerarbeitslosigkeit auf hohem Niveau wirken auch auf den Bildungszugang der Kinder.“ Als Plus wertet die Studie unter anderem die gute Personalausstattung im allgemeinen Schulbereich. „Die Landesregierung ist mit ihrer Personalpolitik, die einen rigiden Stellenabbau im öffentlichen Dienst und damit auch im Lehrerbereich bis 2020 vorsieht, gerade dabei, diesen Vorteil zu verspielen. An den Hochschulen besteht er schon nicht mehr“, so Höhn. „Diese Personalpolitik darf so nicht weiter verfolgt, der Einstellungskorridor und die Ausbildungskapazitäten in der Zweiten Ausbildungsphase (Staatliche Seminare) müssen erhöht werden, um einem drohenden Lehrkräftemangel wegen der beachtlichen Altersabgänge in diesem Bereich vorzubauen und die Altersstruktur der Lehrerschaft zu verbessern.“ Gewachsen ist seit 2000 das Ganztagsangebot in Kindereinrichtungen und Schulen, die Studie sieht aber hier Nachholbedarf. Das können die Linken nur unterstützen. „Gerade im Sekundarschulbereich muss die Zahl der Ganztagsschulen wachsen. Die Linke sieht hierin einen wichtigen Weg, Bildungsgerechtigkeit herzustellen und Nachteilsausgleiche zu gewähren. Unsere Forderung ist es, schrittweise an allen Sekundarschulen Ganztagsangebote vorzuhalten.“ Die von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft bemängelte „Inputeffizienz“ mit der niedrigen Investitionsquote im Bildungsbereich zeige auch aus der Sicht dieser Analyse: „Die Finanzkraft der Kommunen, die Träger der allermeisten Schulen in Sachsen-Anhalt sind, ist mehr als unzureichend. Die Kommunen sind hier nicht aus Bildungsfeindlichkeit schwach bei den Ausgaben, ihnen fehlen einfach Spielräume. Der derzeitige Kurs der Finanzpolitik in Sachsen-Anhalt, die Kommunen noch weiter auszubluten, weist auch bildungspolitisch in die falsche Richtung“, so Höhn.

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