„Netzwerk gegen Drogen“

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von Tobias Fischer

„Das 1998 vom Stadtrat beschlossene Konzept "Netzwerk gegen Drogen" hat sich uneingeschränkt bewährt. Die vernetzte Zusammenarbeit zwischen Suchtkrankenhilfe, Jugendhilfe und Strafverfolgungsbehörde führt zu einer effizienten Zusammenarbeit zwischen freiem und öffentlichen Träger. Davon profitieren Konsumenten psychoaktiver Substanzen ebenso, wie die Bürger, besonders betroffener Stadtteile“, bilanzierte Bürgermeisterin Dagmar Szabados im heutigen Pressegespräch.

„Netzwerk gegen Drogen“

Im Vergleich zu 2001, so der Bericht des Koordinierungskreises, ist die Zahl der Heroin/Kokain-Konsumenten wieder leicht rückläufig. Damit liegt die Region Halle/Saalkreis im Bundestrend. 523 Klienten wurden im Jahr 2002 in den beiden Sucht- und Drogenberatungsstellen der Arbeiterwohlfahrt und des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes betreut. Das sind weniger als im Jahr 1999. Die vom Landeskriminalamt getroffene Aussage zum Anstieg der Zahl der Drogentoten in Sachsen-Anhalt ist auf Halle nicht anwendbar. Seit zwei Jahren gab es in der Region keine, von der Polizei festgestellten, Todesfälle beim Konsum illegaler Drogen. Insgesamt ist der Anteil der Heroin/Kokain-Konsumenten in Halle/Saalkreis im Vergleich zu Städten in den alten Bundesländern eher als gering einzuschätzen. Nach wie vor stehen Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit an vorderster Stelle. Noch problematischer ist nach Aussage des Bundesdrogenberichtes mit 28% die Zahl der jugendlichen Raucher/Innen. Ein Grund zur Dramatisierung der Situation im Umgang mit illegalen Drogen besteht demnach nicht. Die qualitativ gute Arbeit der Beratungsstellen in Zusammenarbeit mit der Suchtmedizin und der Jugendhilfe sorgt in der Region für einen angemessenen Umgang mit der Drogenproblematik. Die Hilfeangebote werden von den Konsumenten verhältnismäßig gut angenommen. Nach wie vor besteht eine Dunkelziffer von Drogenkonsumenten, die keine Hilfe annehmen wollen. Diese Konsumenten werden von zwei Drogenstreetworkern betreut. Eine offene Drogenszene konnte sich bisher in Halle nicht entwickeln. Durch das Ordnungsamt und die Polizei ausgesprochene Platzverweise und Zwangsgelder sorgten im Bereich der Landsberger Straße dafür, dass eine sich im Ansatz entwickelnde Szene zerstreut werden konnte. Die Nähe zum Hauptbahnhof wird aber auch zukünftig dafür sorgen, dass dieser Stadtbereich besonders von auswärtigen Dealern bevorzugt wird. Neben den beiden Beratungsstellen werden auch im SCHIRM-Projekt, der Anlaufstelle für Straßenkinder, Spritzen getauscht. Waren es im Jahr 2001 noch 34.045 Spritzen, so wurden 2002 49.540 Spritzen getauscht, die umweltverantwortlich in verschließbaren Containern entsorgt wurden. Trotzdem ist die Zahl der Hepatitis-C positiv getesteten Klienten angestiegen. Ein neues Konzept der Gesundheitsprophylaxe in der Drogenszene ist das Projekt der AIDS-Hilfe „Streetwork unter dem Aspekt HIV/Drogen bei Migranten“. Ein afrikanischer Sozialarbeiter und eine deutsche Sozialarbeiterin halten den Kontakt zur Drogenszene. Sie informieren über Gesundheitsprophylaxe und vermitteln weiterführende Hilfen. Der Kontakt zu den afrikanischen Dealern ist nur sehr schwer aufzubauen; ohne den afrikanischen Sozialarbeiter wäre dies unmöglich. Ein Schwerpunkt des „Netzwerkes gegen Drogen“, so das Resümee des Jahresberichts, ist weiterhin die Präventionsarbeit in Schulen sowie bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern. Mit dem im Jugendhilfeausschuss und der Stadtverwaltung beschlossenen „Regionalen Präventionskonzept“ verfügen Stadt und Saalkreis über ein verbindliches Arbeitsinstrument. Präventionskonzept Im Mittelpunkt des vom Präventionsfacharbeitskreis der Stadt Halle und des Landkreises Saalkreises erarbeiteten Präventionskonzeptes stehen die „Leitlinien zur Vorbeugung vor Missbrauch und Abhängigkeit von psychoaktiven Substanzen in der Region Halle/Saalkreis“. In sieben Thesen sind die wichtigsten Aussagen zum Selbstverständnis von Prävention zusammengefasst. Sie bilden die Grundlage für die methodische Umsetzung in der persönlichen und beruflichen Lebenswelt. Das Konzept trennt sich von Begriffen, wie legal und illegal, sondern spricht von „psychoaktiven Substanzen“, zu denen Genussdrogen ebenso zu rechnen sind, wie Rauschdrogen. Wie wichtig diese Begriffsveränderung für eine veränderte Fokussierung ist, läßt sich am Beispiel: „Tabak“ deutlich machen. Tabak gehört zu den „legalen Genussdrogen“ und war damit bisher aus der gesellschaftlichen Diskussion um Drogenkonsum ausgeblendet, wurde eher bagatellisiert. Skandalisiert wurde bei jungen Menschen, die sogenannte „Einstiegsdroge“ Cannabis. Wenn von Einstiegsdrogen die Rede sein soll, dann sind das Zigaretten, die von Kindern konsumiert werden. Heute ist bekannt, dass Nikotin über das höchste Suchtpotential von allen Genuss- und Rauschdrogen verfügt. Tabak ist damit alles andere als eine „Bagatell-Substanz“. Mit der praktischen Umsetzung des Konzeptes ist bereits begonnen worden. Stadt und Landkreis haben Präventionsfachkräfte eingesetzt, die bei der Umsetzung beraten, begleiten und auch kontrollieren. Vorgesehen ist, in Einrichtungen der Jugendhilfe individuelle gesundheitsfördernde Präventionskonzepte zu entwickeln. Projekte der Familienbildung mit vorbeugendem Ansatz erfahren besondere Unterstützung. „Ein positives Beispiel für die Öffentlichkeitsarbeit“, so Bürgermeisterin Dagmar Szabados, „und die erfolgreiche Zusammenarbeit aller Engagierten in Sachen `Sucht-Vorbeugung´ ist der jährlich stattfindende Präventionstag“.

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