Kampf gegen Invasion aus Leipzig

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Naturschutz | Aktuelles

Geringelt sind sehr viele Bäume entlang der Saale in Halle von der Rabeninsel bis zur Peißnitz-Insel. Die hellen, breiten Ringe in den abgefrästen wichtigen äußeren Schutz- und Versorgungszonen der Gehölze sind nicht zu übersehen. Etliche Hallenser ärgern sich darüber und fragen nach dem Grund dafür, denn sie wissen, geringelte Bäume sterben und zumindest dem Anschein nach waren nie so viele Bäume betroffen wie in diesem Jahr. Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder hält das Treiben für eine sinnlose Schildbürgerei.

Kampf gegen Invasion aus Leipzig

Nach Hallelife-Informationen geht es in Halle – und nicht nur hier – um den Eschenahorn, einen aus Nordamerika eingeschleppten Neophyten. Er wurde schon 1699 als Gartenpflanze nach Leipzig gebracht und später vielfach als Alleebaum gepflanzt. Heute ist er eines der am weitesten verbreiteten fremdländischen Gehölze. Seit 1980 hat sich der Eschenahorn massiv ausgebreitet, vor allem auf dem Gebiet der DDR beziehungsweise den späteren neuen Bundesländern. Seit Oktober 2014 finden in Halle, wie es bei der Koordinationsstelle Invasive Neophyten in Schutzgebieten Sachsen-Anhalts (Korina) offiziell heißt, Maßnahmen zur Zurückdrängung des Eschen-Ahorns statt. "In der DDR wurde er aufgrund seiner leichten Vermehrbarkeit häufig an Straßen, in Grünanlagen und Hecken gepflanzt. Von dort breitet er sich seit den 90er Jahren verstärkt in naturnahe Lebensräume aus." In Halle steht der Eschen-Ahorn heute da in der Saaleaue, wo früher Silber-Weiden und Schwarz-Pappeln wuchsen. Diese Baumart gefährde die naturnahe Aue, weil seine Dominanzbestände artenarm seien. Es gehe um den Schutz einheimischer Arten. "Die Stadt Halle stellt sich dieser Aufgabe, in dem sie in den FFH-Gebieten der Saaleaue eine Ringelung der Eschen-Ahorne durchführen lässt", so Korina. Die Koordinationsstelle verweist auf einen Steckbrief, in der zur Bekämpfung des Baumes neben Ringeln Glyphosat empfohlen wird, also ausgerechnet jene Chemikalien, die 2015 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als wahrscheinlich krebserzeugend eingestuft wurde und wegen Rückständen im Bier erst jüngst Negativschlagzeilen machte. Der Eschen-Ahorn steht auf der der Schwarzen Liste des Bundesamtes für Naturschutz und der Schwarzen Liste Sachsen-Anhalts und wird somit als Bedrohung der heimischen Pflanzen- und Tierwelt angesehen.

 

Andreas Liste, einer der stärksten Verteidiger der hiesigen Auenlandschaften, kommentierte das Ringeln auf Hallelife-Anfrage so: "Wir als AHA halten diese Maßnahme für sinnlos und ungeeignet Gehölzarten wie den Eschenahorn zurückzudrängen. Abgesehen davon, dass sich Pflanzenarten gegen derartige Ausrottungsfeldzüge zumeist mit vermehrter Vermehrung wehren, stellt das wieder mal einen schweren Eingriff in Natur und Landschaft dar." Man dürfe nicht vergessen, dass es die Stadt Halle (Saale) war, welche einst Eschenahorn zumeist massenhaft in die Landschaft setzte. Bereits da sei allen ernstzunehmenden Fachleuten klar gewesen, dass mit einer verstärkten Vermehrung von Acer negundo (Fachbegriff für Eschen-Ahorn) zu rechnen wäre. "Eschenahorn liebt die momentanen Bedingungen zum Beispiel in der Aue. Erst lang anhaltende Hochwasser auf dem Niveau des Jahres 2013 können ihn stoppen. Womit wir bei einer weiteren entscheidenden Ursache der verstärkten Ausbreitung wären: Ausbleibende regelmäßige Hochwasser. Für uns ist es immer wieder erschreckend, dass es mehr oder minder ständig das Bedürfnis gibt irgendetwas auszurotten. So sind Ausrottungsfeldzüge gegen den Weißdorn unter anderer Arten wegen Feuerbrand in den achtziger Jahren und vor einiger Zeit in unangenehmer Erinnerung. Kurzum: Von derartigen Eingriffen ist massiv abzuraten."

 

Naturschützer in Berlin sahen das offenbar schon vor sechs Jahren anders. So stieß Hallelife auf die Internetseite des Naturschutzbundes (NABU) in Berlin, wo ein Beitrag aus dem Jahr 2010 zu finden war, der das Ringeln von ortsfremden Bäumen propagierte. Beschrieben wurde ein Versuch, wie man dem Eschen-Ahorn beikommen kann: durch Ringeln. Mit dem Entfernen der Rinde samt Kambium wird dabei das langsame Absterben eingeleitet.

 

In einer Studie vom November 2013 mit dem Titel "Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen" finden eifrige Ringler eine Steilvorlage. Genannt werden neun invasive Baumarten: "Eschenahorn (Acer negundo), Götterbaum (Ailanthus altissima), Rotesche (Fraxinus pennsylvanica), Weymouth-Kiefer (Pinus strobus), Hybridpappel (Populus x canadensis), Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina), Douglasie (Pseudotsuga menziesii), Roteiche (Quercus rubra) und Robinie (Robinia pseudoacacia)." In einer Klarstellung des Bundesamtes für Naturschutz vom März 2015 heißt es ferner: "Nach dem Bundesnaturschutzgesetz gilt es unbedingt zu vermeiden, dass von künstlich eingebrachten Arten Gefahren für die natürlich vorkommenden Ökosysteme, Biotope und Arten ausgehen."

 

Karte zur Verbreitung des Eschenahorns

http://floraweb.de/webkarten/karte.html?taxnr=8

Verbreitungskarten der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands

floraweb.de

Version 1.02 © 2013 - BfN - Web-Realisation: Thomas Schneider, Rudolf May - zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2013 - Datenstand Oktober 2013

 

Weitere Bilder zu den Ringelungen an der Saale:

https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1142215669164317.1073742471.237723342946892&type=1&l=4c68f82feb

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