Muss der ganze Aufsichtsrat gehen?

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Aufregung um die Volksbank Halle | Aktuelles

Wenn es um viel Geld und Pikanterien geht, will niemand mit Namen genannt werden. Fakt ist: Nachdem der Prüfbericht 2014 aufhorchen ließ, gab es erst Aufregung in der Bank und dann Indiskretionen gegenüber der Presse. Seit Juni ist Volksbank-Halle-Chef Manfred Kübler beurlaubt. Für Freitag, 7. August 2015, ist eine außerordentliche Vertreterversammlung im Hotel „Maritim“ einberufen. Neben Kübler sollen dort alle Aufsichtsräte (acht Mitglieder, zwei Vorsitzende, ein Ehrenvorsitzender) entmachtet werden. Über 50 Mitgliedervertreter müssen darüber befinden. Für den 17. August 2015 ist eine weitere, dann reguläre Versammlung angesetzt; wichtigster Tagesordnungspunkt: Küblers fristlose Kündigung.

Muss der ganze Aufsichtsrat gehen?

In den mehr als 20 Jahren seit seinem Wechsel vom Vorstand der Volksbank Schwäbisch Gmünd eG. zur Volksbank Halle stieg Kübler in der Händelstadt zum großen Bank-Boss auf. Er war in der Zeit keine graue Eminenz, sondern jemand, der sich gerne zeigte in der Rolle des wort- und weltgewandten Mäzens von Kultur und Sport. Überall war der Vorstandsvorsitzende zu finden: unter anderem beim Halleschen Fußballclub (HFC), beim Golfclub Halle,  bei der Bürgerstiftungen Halle, beim Industrie- und Marketing-Club Mitteldeutschland, in der SYN Stiftung und beim Eissport, dessen Domizil bis zum bitteren Ende im Hochwasser 2013 „Volksbank Arena“ hieß. Auf die rauschenden Volksbankbälle in „seinem“ Geldhause holte Kübler Glamourstars wie Thomas Anders (einst Sänger bei Modern Talking) und Vicky Leandros („Ich liebe das Leben“).

Die positive Geschäftsentwicklung der Volksbank, der Kübler bisher vorstand, überstrahlte alles andere. Er führte das Geldinstitut aus den Schulden heraus und lieferte seit Jahren gute Zahlen, loben Insider, doch nun geht es plötzlich um Kosten für Dienstreisen und überteuerte Veranstaltungen, um Küblers Gehalt und ungewöhnliche Kreditbedingungen für den Bank-Chef. Die Ikone ist beschädigt. Im Mai drang die Revolte an die Öffentlichkeit. Seitdem folgten immer neue Schlagzeilen. Dabei war auch von Steuerhinterziehung und einer Strafe im Jahre 2007 die Rede. Das soll nun laut Tagesordnung am 17. August 2015 den Grund für die fristlose Entlassung Küblers dienen. Doch die Rechnung, glauben Kenner des Geschehens, dürfte nicht aufgehen, da die Straftat als Kündigungsgrund verjährt ist.

Offiziell hat der Aufsichtsrat die pikanten Interna seit 2013 gekannt. Tatsächlich aber, glauben Mitglieder der Vertreterversammlung, wussten einige, wenn nicht alle Räte viel länger Bescheid. Denn schon in Gesprächsprotokollen des Jahres 2006 sollen die jetzt bemängelten Kredite Thema gewesen sein. Doch erst eine Passage im Prüfbericht 2014 erreichte auch das „Fußvolk“ und ließ aufhorchen. Im Geldgefüge und im Kreditgeschäft der Organe fanden sich Auffälligkeiten. Die Vergütung der Bankführung lag demnach erheblich über dem Durchschnitt der Vergütung vergleichbarer Kreditinstitute. Einige Monate vergingen mit der internen Gärung. Dann wurde offenbar belastendes Material herausgereicht. Schließlich  schlug die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu und schaute sich die Volksbank Halle genauer an. Was sie herausfand, war für Kübler nicht entlastend. Im Gegenteil. Zuletzt, Anfang Juli, durchsuchte die Staatsanwaltschaft die Volksbankzentrale an der Wilhelm-Külz-Straße sowie Küblers Privaträume, um Beweismaterial zu sichern.

Derweil hat im Volksbank-Geschäftsbericht nicht explizit gestanden, wie viel Geld Kübler bekam. Dort verschwanden die Zahlungen an ihn in einem Gesamtposten zu den Vorstandsbezügen. Auch der zweite Geschäftsführer neben Kübler, Egbert Alter, war beurlaubt. Zur kommissarischen Leitung der Bank gemeinsam mit Ines Schotte wurde er inwischen reaktiviert. Die beiden Chefs, so heißt es, sollen zuletzt nicht gut miteinander gekonnt haben. 

Nach Hallelife-Informationen bemühten sich die einfachen Mitglieder der Bank wochenlang um eine ordentliche Vertreterversammlung. Sie wollten sich noch vor den Sommerferien zusammensetzen. Doch kein Weg soll dort hineingeführt hinein. Im Aufsichtsrat hatten sich offenbar zwei Lager gebildet, die Entscheidungen gegenseitig blockierten. Als die Mitgliederversammlung schließlich zur außerordentlichen Zusammenkunft am 7. August 2015 einlud, folgte zeitnah die Einladung zur ordentlichen Versammlung am 17. August, was im eigentlich höchsten Entscheidungsgremium der Bank übel aufstieß. Etliche Fragen sind bisher ungeklärt: Warum tauchten die Auffälligkeiten erst 2014 im Prüfbericht des genossenschaftlichen Prüfverbandes auf? Bekam Kübler nicht schon über Jahre, ohne Widerspruch, die nun als zu hoch kritisierten Bezüge? Warum wurden die Interna des Bafin-Prüfberichts der Lokalpresse durchgestellt, während die Vertreterversammlung das Papier nach wie vor nicht kennt?

Mit Kübler hat, so scheint es, eine weitere Führungskraft in Halle die Bodenhaftung verloren. So das Jahr 2014 auch für Jobcenter-Chefin Sylvia Tempel ein Schicksalsjahr. Nach längerem internen Rumoren wurden Interna bekannt, die für Schlagzeilen sorgten. Tempel wurde unter anderem vorgeworfen, ihren Sohn und diverse Bildungsträger begünstigt zu haben. Außerdem sorgte ein Einsatz von Ein-Euro-Jobber auf ihrem Privatgrundstück für Aufregung. Nach massiven Medienberichten schauten die Chefetagen der Bundesagentur für Arbeit mal etwas genauer hin, was schließlich zur Entlassung Tempels führte. Tempel wehrt sich seither gerichtlich gegen ihre Entlassung. Sollte die Entlassung Küblers beschlossen werden, so denken Insider, wird es wohl ebenfalls zum Arbeitsgerichtsprozess kommen, wenn nicht gar zu einer Schlammschlacht. Vertreter, die Kübler weder gewogen, noch feindlich gesinnt sind, wünschen sich, so oder so, die Lösung, die die Bank am wenigsten kostet. Ein frommer Wunsch, denn um sechsstellige Beträge düfte es in jedem Fall gehen.

Derweil nutzen umtriebige Mitglieder der CDU in Landsberg den Fall Kübler für eine Generalabrechnung. Auf ihrer Internetseite hieß es in einem am 27. Juli 2015 veröffentlichten Artikel, Zitat: „Das Muster ist immer dasselbe: Der Vorstand bzw. Geschäftsführer einer Gesellschaft nutzt seine Amtszeit, um in die eigene Tasche zu wirtschaften oder das Unternehmen zu schädigen. Der Aufsichtsrat tut nichts.“ Dass CDU-Mitglieder aus Landsberg (Saalekreis) den Fall Kübler aufgreifen, hat mit einer seit Jahren andauernden Fehde mit Landsbergs Bürgermeister Olaf Heinrich zu tun, der im Aufsichtsrat der Volksbank sitzt und dem Pro-Kübler-Lager zugerechnet wird.

 

Aufsichtsrat der Volksbank Halle

https://www.vbhalle.de/wir-fuer-sie/ueber-uns/organe-gremien.html

 

Abrechnung CDU

http://cdu-landsberg.de/der-volksbank-skandal-ist-nur-der-anfang-kuebler-und-seinesgleichen/

 

SYN-Stiftung

http://www.syn-stiftung.org

 

Industrie- und Marketing-Club Mitteldeutschland

http://www.ic-mitteldeutschland.de

 

Hallescher Fußballclub

http://www.hallescherfc.de

 

Golfclub Halle

http://www.golfclub-halle.de

 

Bürgerstiftung Halle

http://www.buergerstiftung-halle.de/

 

die Bafin

http://www.bafin.de

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