Was bedeutet Männlichkeit heute? Und was erzählen barocke Helden, Herrscher und Herzensbrecher über Macht, Zweifel und Gefühle? Mit diesen Fragen öffnen sich die Händel-Festspiele Halle 2026 so weit wie selten zuvor. Vom 5. bis 14. Juni 2026 wird die Saalestadt zur Bühne für mehr als 80 Veranstaltungen an 27 Spielorten – von der großen Oper bis zum Club, vom Botanischen Garten bis zur Galgenbergschlucht.
Unter dem Motto „Mannsbilder – Helden, Herrscher, Herzensbrecher“ verbinden die Festspiele Händels Musik mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten. Es ist zugleich der erste große Jahrgang unter der Leitung des neuen Intendanten Florian Amort, der dem traditionsreichen Festival sichtbar neue Akzente verleiht.
Florian Amort: „Mit dem Motto Mannsbilder verbinden wir Händels Musik- und Ideenwelt mit einer aktuellen gesellschaftlichen Debatte. Was bedeutet Männlichkeit heute? Händels Werke erzählen von Macht, Leidenschaft und Ambivalenz – und von Männern, die an sich selbst und an ihren Rollenbildern scheitern.“
Neuer Intendant, neue Sparten, neue Zielgruppen
Mit den drei neuen Programmschienen Händel NOW, Händel NEXT und Händel LAB öffnen sich die Festspiele stärker als je zuvor für Stadtgesellschaft, neue Publika und neue Formate. Händel NOW bündelt genreübergreifende Angebote im Stadtraum, darunter Wandelkonzerte im Botanischen Garten, Filmvorführungen in Halles Kinos sowie Club- und Partyformate.
Im Stadtmuseum findet eine barocke Fashion-Party mit elektronischer Musik von Amrocks und Veronika Ferrari statt, während im Club Charles Bronson eine queere Liebes- und Clubnacht mit dem Kombüse Kollektiv geplant ist.
Sven Hartlepp: „Die Idee von Händel NOW ist es, den Stadtraum zu erobern und Orte zu nutzen, die viele kennen – und andere neu zu entdecken.“
Ein sichtbares Zeichen dieser Öffnung ist auch die neue Eröffnung auf dem Marktplatz, wo neben der feierlichen Festivaleröffnung erstmals das dreitägige Weinfest „In Händel Veritas – Musik und Wein für (H)alle“ mit Open-Air-Bühne stattfindet.
Große Oper und internationale Stars
Im Zentrum des Programms steht die Oper. Als große Neuinszenierung kommt Händels Rinaldo an der Oper Halle heraus, ergänzt durch Wiederaufnahmen wie Agrippina sowie selten gespielte Werke und Raritäten, darunter Talestri, regina delle Amazzoni von Maria Antonia Walpurgis von Bayern.
Zahlreiche international renommierte Künstlerinnen und Künstler werden in Halle erwartet, darunter Max Emanuel Cencic, Bruno de Sá, Valer Sabadus, Magdalena Kožená und Denis Orellana. Am Dirigentenpult stehen unter anderem René Jacobs, Wolfgang Katschner und Michael Hofstetter.
Florian Amort: „Ich glaube, es gibt weltweit kein anderes Festival, bei dem man in so kurzer Zeit so viele Barockopern erleben kann.“
Galgenbergschlucht: Festival-Tag statt Einzelkonzert
Eine der größten Neuerungen betrifft die Galgenbergschlucht, die 2026 nicht mehr nur Ort eines einzelnen Abschlusskonzerts ist, sondern als ganzer Festival-Tag unter dem Titel „BRIDGES“ neu gedacht wird.
Ab 18 Uhr öffnen sich die Tore, ab 19 Uhr spielen lokale Bands aus Halle, bevor um 21 Uhr das große Konzert mit der Staatskapelle Halle unter der musikalischen Leitung von Christoph Huber beginnt. Es singt der Händelpreisträger Valer Sabadus, im Anschluss übernimmt das DJ-Kollektiv Superflu, das Händels Feuerwerksmusik live elektronisch weiterverarbeitet und mit einem großen Feuerwerk abschließt.
Sven Hartlepp: „Es geht nicht nur um Brücken zur Klassik, sondern um Brücken zwischen Genres, Generationen und Geschmäckern.“
Messias zum Abschluss – Fokus auf Teilhabe
Das Abschlusskonzert der Festspiele wird neu gesetzt: Händels Messias erklingt in der Marktkirche, der Taufkirche des Komponisten, als bewusst gesetzter Schlusspunkt des Festivalprogramms.
Florian Amort: „Mehr Händel geht nicht, als dieses Werk an dem Ort zu hören, an dem er getauft wurde.“
Neu ist außerdem eine einheitliche Ermäßigung von 50 Prozent für Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende und Menschen mit Schwerbehinderung, die für Opern, Oratorien und Konzerte in allen Preiskategorien gilt.
Stadt Halle als Mitgestalterin
Dr. Alexander Vogt: „Die Händel-Festspiele sind das kulturelle Aushängeschild unserer Stadt Halle. Sie strahlen weit über die Stadtgrenzen hinaus und zeigen, welche Bedeutung Kultur für unsere Stadtgesellschaft hat.“
Händel-Preis, Ausstellung und Etat
Der Händel-Preis der Stadt Halle 2026 geht an den Dirigenten und Countertenor René Jacobs, der am 12. Juni mit dem Kammerorchester Basel in Händels Aci, Galatea e Polifemo zu erleben ist.
Begleitend zeigt das Händel-Haus ab Mitte Mai die Sonderausstellung „Mannsbilder: Too hot to Handel?“, die historische und heutige Vorstellungen von Männlichkeit gegenüberstellt.
Finanziell bleiben die Festspiele stabil, der Etat liegt – wie im Vorjahr – bei 1,8 Millionen Euro.
Florian Amort: „Es ist genau der gleiche Etat wie 2025. Wir haben gut verhandelt und gut gewirtschaftet – die Zahlen gehen sich aus.“
Vorverkauf gestartet
Der Kartenvorverkauf für die Händel-Festspiele 2026 ist eröffnet und erfolgt über die Museumskasse im Händel-Haus, die bekannten Vorverkaufsstellen sowie während der Festspielzeit über das Gästebüro.
Die Händel-Festspiele 2026 zeigen, dass große Oper, elektronische Beats und gesellschaftliche Debatten sich nicht ausschließen, sondern sich mitten in Halle begegnen.









