Mitteldeutsche Unternehmen schauen weniger optimistisch in die Zukunft

Mitteldeutsche Unternehmen schauen weniger optimistisch in die Zukunft
von 25. Juni 2019

Der Konjunkturklimaindex für die mitteldeutsche Wirtschaft sinkt nach dem Allzeithoch von 89 Punkten im Jahr 2018 auf aktuell 83 Punkte. In diesem Wert sind positive und negative Einschätzungen gegeneinander gerechnet.

Die konjunkturelle Entwicklung zeigt sich in den Wirtschaftsbereichen differenzierter als noch vor Jahresfrist. Während die Lageeinschätzungen der mitteldeutschen Unternehmen ihren bisherigen Höchststand per Saldo erfolgreich verteidigen, geben die Geschäftserwartungen deutlich nach – am stärksten in der Industrie und im Verkehrsgewerbe. Leichte Eintrübungen zeigen sich ebenfalls in den Dienstleistungsgewerben und im Handel. Nach wie vor in ausgesprochen guter Verfassung sind das Baugewerbe und das Handwerk. „Die Handwerker bleiben mit Blick auf das zweite Halbjahr verhalten optimistisch – trotz der gegenwärtigen politischen Unwägbarkeiten auch in der deutschen Innenpolitik“, so Handwerkskammerpräsident Claus Gröhn. 96 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre Geschäftslage mit zufriedenstellend oder gut. IHK-Präsident Prof. Dr. Keitel stellt fest: „Die konjunkturelle Abwärtsbewegung ist kein Grund zur Sorge. Noch sind keine Krisen in Sicht.“

Die Kammerpräsidenten verweisen auf die derzeitigen politischen Unwägbarkeiten. Insbesondere die weltwirtschaftlichen Risiken haben in den vergangenen Monaten zugenommen. Die Sorge eines ungeregelten Brexits sei virulent und der Protektionismus der Vereinigten Staaten sowie deren zukünftige Handelsbeziehungen zu China beeinflussen die Exportbetriebe. Verunsicherung über die künftige Energie- und Klimapolitik wirke sich bereits heute auf Langzeitinvestitionen aus, analysieren Keitel und Gröhn.
Es werde auch von den politischen Weichenstellungen abhängen, ob es zu einer signifikanten konjunkturellen Abkühlung im zweiten Halbjahr komme.

Die beiden Präsidenten mahnen die Gestaltung von wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen an, unter denen sich die Unternehmen in Mitteldeutschland weiterentwickeln können und die Region für Investoren attraktiv bleibt.

Um den Strukturwandel mit Blick auf den beschlossenen Kohle-Ausstieg bis 2038 zu bewältigen, brauche es zukunftsweisende Lösungen. Eine Deindustrialisierung der Region Mitteldeutschland und eine damit verbundene Abwanderung der Fachkräfte wie zu Beginn der 1990er-Jahre müsse vermieden werden. Dazu bedürfe es neben tragfähigen Konzepten für den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur sowie von Forschung und Entwicklung auch beschleunigte Planungs- und Entwicklungsverfahren. „Darüber hinaus gilt es aber auch, private Unternehmensinvestitionen zu unterstützen“, resümiert der IHK-Präsident. „Etwa sollten bestehende Förderprogramme geöffnet werden, damit nicht nur Investitionen von kleinen und mittleren Unternehmen gefördert werden können.“

Beide Kammerpräsidenten forderten die Politik – auf allen Ebenen – auf, die Daueraufgabe „Bürokratieabbau“ ernsthaft anzugehen. Das Prinzip „One in one out“ müsse in beiden Bundesländern – Sachsen und Sachsen-Anhalt – konsequent umgesetzt werden. Kammerpräsident Claus Gröhn begrüßt unter diesem Aspekt die von der Bundesregierung eingeleitete Reform der Grundsteuer mit der Öffnungsklausel für die Länder.

Handwerkskammerpräsident Gröhn hebt hervor, dass die duale Berufsausbildung als attraktive Alternative zum Hochschulstudium gestärkt werden müsse. Eine frühzeitige und durchgängige Berufsorientierung inklusive Pflichtpraktika sei in allen Schulformen unabdingbar. Die Einführung des lang geforderten Azubitickets für den ÖPNV in Sachsen sei ein Beitrag zur Gleichbehandlung von dualer und akademischer Bildung. Hier müsse Sachsen-Anhalt umgehend nachziehen, fordert IHK-Präsident Keitel.