Die psychische Gesundheit darf nicht außen vorbleiben

Gefährdung der psychiatrische Versorgung | Gesundheit
von hallelife.de | Redaktion

Menschen mit psychischen Erkrankungen sind gerade jetzt auf eine unmittelbare Versorgung und den besonderen Schutz der Gesellschaft angewiesen. Sollten in Krisenzeiten eigentlich mehr Unterstützungsangebote zur Verfügung stehen, ist gerade das Gegenteil der Fall. Corona-Pandemie und Lockdown erschweren nicht nur die Versorgung, sie bringen auch wirtschaftliche Unsicherheit für medizinische Einrichtungen mit sich.

 

 

Im Bereich der psychiatrischen Versorgung ist der AWO Landesverband Sachsen-Anhalt e. V. Träger zweier Fachkliniken, des AWO Fachkrankenhauses Jerichow und des AWO Psychiatriezentrums Halle. Die notwendigen hygienischen Maßnahmen sind in psychiatrischen Krankenhäusern genau wie in somatischen Krankenhäusern sicherzustellen, d. h. Einzelzimmer für Neuaufnahmen, Einrichtung von Quarantänebereichen, Isolation von positiv getesteten Psychiatriepatienten. In der Jerichower Klinik beispielsweise wird dafür die kleinste Station mit 10 Betten genutzt. Eine Hälfte wird als Isoliereinheit freigehalten und kann nicht belegt werden. Zwei Zimmer werden stets freigehalten für mögliche Notfälle. Hinzu kommt die Verschiebung geplanter Aufnahmen durch individuelle Patientenentscheidungen und durch die Zurückhaltung der Einweiser. Diese schwankende Belegung ist durch das Krankenhaus nicht kalkulierbar – das Personal muss aber trotzdem vorgehalten werden.

Die psychiatrischen Tageskliniken können wegen der pandemiebedingten einzuhaltenden Abstandsregelungen nur mit ca. 50-60 % der sonst üblichen Patientenzahlen belegt werden. Der Personalaufwand ist aber fast gleichbleibend, weil die Gruppentherapien mit gleichem Personal wie üblich durchgeführt werden. Der Zeitaufwand des Personals für pandemiebedingte Schutzmaßnahmen ist groß, einschließlich der regelmäßigen Antigen-Schnelltestungen und anlassbezogenen PCR-Testungen. Dieser zusätzliche Aufwand für die Testungen steigt noch einmal deutlich, sobald ein Ausbruchsgeschehen zu verzeichnen ist. In der Summe führen all diese Umstände sowohl zu einer nicht planbaren als auch häufig niedrigen Belegung mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen für die Fachkrankenhäuser.

AWO-Vorstandsvorsitzender Hendrik Hahndorf dazu: „Die Mitarbeitenden unserer Krankenhäuser leisten derzeit Enormes bei der Erfüllung des Versorgungsauftrages und versuchen, unter den herausfordernden Bedingungen eine optimale Behandlung der Patient*innen aufrecht zu erhalten. Die spezialisierten Krankenhäuser der AWO haben jedoch in einer seit Monaten extrem angespannten Lage mit einer wirtschaftlichen Unsicherheit zu kämpfen. In 2021 kommt es pandemiebedingt zu einer Belegung, die die finanzielle Lage ernsthaft gefährdet und damit im Ergebnis zur Gefährdung der Versorgungslandschaft in Sachsen-Anhalt führen kann, insbesondere für psychisch kranke Menschen. Die anhaltenden Belegungsausfälle führen unmittelbar zu Liquiditätsengpässen, die nicht erst über Erlösausgleichsmechanismen in ein oder zwei Jahren ausgeglichen werden dürfen.“

Die AWO Sachsen-Anhalt appelliert an die Politik, die wirtschaftliche Unsicherheit von spezialisierten kleinen Krankenhäusern in den Blick zu nehmen. Psychische Gesundheit muss politische Priorität haben. Fachkrankenhäuser sind unverzichtbar in ihrer zentralen Rolle in der Daseinsvorsorge für uns alle. Das Pandemiegeschehen wird eine Normalisierung des Krankenhausgeschehens auf einen nicht absehbaren Zeitraum in Frage stellen. Die AWO geht daher von erheblichen Auswirkungen auf das derzeitige und zukünftige Versorgungssystem aus und sieht deshalb einen dringenden politischen Handlungsbedarf.

Die AWO hat sich bereits im Januar dem „Appell der Deutschen Krankenhausgesellschaft und aller Landeskrankenhausgesellschaften an die Bundesregierung und die Länder“ zur Ausweitung des Rettungsschirms auf alle Krankenhäuser in der aktuellen Corona-Pandemie angeschlossen.

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