Werkleitz Festival 2015 – .move ON – new media art from Australia, Canada and Europe

von 10. September 2015

Vom 9. bis 25. Oktober zeigt die Werkleitz Gesellschaft e.V. bei dem Festival .move ON Medienkunst ausEuropa, Kanada und Australien. Im Rahmen des internationalen Stipendiatenprogramms European MediaArtists in Residence Exchange (EMARE) haben 16 Künstlerinnen, Künstler und Kollektive neue Projekterealisiert:

Matthew Biederman (US/CA) und Pierce Warnecke (US/DE), Daniel Cockburn (CA), PedroFerreira (PT), Anaisa Franco (BR/DE), Verena Friedrich (DE), Matthew Gingold (AU), Korinsky(DE), Lauren Moffatt (AU/DE), Robyn Moody (CA), Cristina Picchi (IT/GB), Gail Priest (AU),Steve Reinke (CA), Mónica Riki? (ES), Soda_Jerk (AU/US), Isabell Spengler (DE), ChristophWachter [&] Mathias Jud (CH/DE)

Verlagshauses am Riebeckplatz in der Hallenser Innenstadt – ein beeindruckendes Zeugnis der erstenHochzeit der Medienindustrie. Auf fünf Etagen des seit 1992 leerstehenden Gebäudekomplexes werdenim Rahmen des Festivals Video- und Klanginstallationen, interaktive Skulpturen, Filme und LecturePerformances zu sehen sein. Diese beschäftigen sich experimentell, anwendungsorientiert undmedientheoretisch mit aktuellen und historischen Technologien und deren gesellschaftlicher Relevanz –mit virtueller Realität und Fiktion, mit physiologischer wie medialer Wahrnehmung, mit alternativenGeschichtsschreibungen und Zukunftsszenarien sowie mit den Lebensumständen in einer globalisiertenund neoliberalen Welt.

Lauren Moffatt erforscht in ihrer interaktiven Videoinstallation The Oculist Reason die Übertragung desphysischen Raums in die virtuelle Welt. Mittels Scanning- und Modellingverfahren überführt sie ein vomVerfall bedrohtes Deckengemälde aus den 1980er-Jahren in eine experimentelle 360°- Umgebung undsorgt damit sowohl für dessen Konservierung als auch dessen Nacherlebbarkeit. Die auf dem Gemäldedargestellten Szenen von Protestaktionen gegen die neoliberale Wirtschaftspolitik der Thatcher-Regierung verknüpft sie in einem Video mit Dokumenten zu Ereignissen und Personen, die mit demArbeitskampf dieser Ära verbunden sind. Die spanische Künstlerin Mónica Riki? präsentiert mitBuildacode ein experimentelles Tool zur Klangprogrammierung. Schaumstoffwürfel übernehmen hier dieFunktionen von Synthesizern und Sequenzern und eröffnen einen spielerischen Zugang zu der sonst oft
abstrakten Welt der digitalen Komposition.

Das Berliner Künstlerkollektiv Korinsky beschäftigt sich in seiner raumgreifenden Installation RL___0 mitden physikalischen Eigenheiten von Klang. Ausgehend von dem Umstand, dass Klänge mit zunehmenderEntfernung von ihrer Quelle zwar immer leiser werden, aber nie ganz verschwinden, spekulieren dieKünstler in ihrer Arbeit darüber, wie die Vergangenheit des Universums klingen könnte. Gail Priest setztsich in ihrer Installation Sounding the Future hingegen mit den möglichen Klang- und Hörwelten derZukunft auseinander und erkundet beispielsweise die Optionen einer Sinneserweiterung durch Cochlea-Implantate.

Pedro Ferreira verarbeitet in Fragments #5 die auf Zelluloid gespeicherten Erlebnisse vonPrivatpersonen. Er bearbeitet auf dem Flohmarkt gefundene Amateurfilme – bemalt, zerkratzt oderzersetzt diese mit Chemikalien und bringt so die Brüchigkeit und Fluidität von Erinnerungen zumVorschein. Isabell Spengler beleuchtet in ihrer Videoarbeit Two Days at the Falls die Varianz vonWirklichkeit, indem sie ihr medial geprägtes Bild der Niagarafälle der von ihr vor Ort erlebten Szeneriegegenüberstellt.

Zum Festivalauftakt von .move ON findet eine dreitägige internationale Konferenz zur Gegenwart undZukunft der audiovisuellen Medien statt, die u.a. neue interaktive, partizipative und medienübergreifendeFormate in Film, TV und Kunst verhandelt. Sie startet am 9. Oktober im Landesinstituts für Schulqualitätund Lehrerbildung (LISA), Riebeckplatz 9, in unmittelbarer Nachbarschaft des Festivalzentrums.

Zur Eröffnung und an den Festivalwochenenden lädt .move ON außerdem zu einem vielgestaltigenProgramm mit Künstlerperformances, Konzerten, DJ Sets und Führungen durch die Ausstellung ein..move ON ist u.a. durch das Kulturprogramm 2013 der Europäischen Kommission, die MitteldeutscheMedienförderung (MDM), Lotto Sachsen-Anhalt, das Goethe-Institut und das Land Sachsen-Anhaltgefördert.