Goldener Fingerabdruck in der Grablege Albrecht des Bären im Schloss Ballenstedt

Schloss Ballenstedt (Foto: Jürgen Meusel)
Kunststiftung Sachsen-Anhalt | Kunst & Kultur
von hallelife.de | Redaktion

Margit Jäschke, Stipendiatin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt, hat den Wettbewerb um die künstlerische Neugestaltung der Grablege von Albrecht dem Bären im Ballenstedter Schloss gewonnen. Mit ihrer Arbeit, einem goldenen Fingerabdruck, konnte sie die Jury überzeugen. Der Abdruck wird zukünftig in der Grablege zu sehen sein. Den Wettbewerb hatte die Stadt Ballenstedt veranstaltet.

Den Hintergrund für diesen Wettbewerb bildet eine gußeiserne Grabplatte mit den Maßen 105 x 95 Zentimeter und dem Spruch „Markgraf Albrecht der Bär – Der Wegbereiter ins deutsche Ostland“. Sein Verfasser, Paul-Schultze-Naumburg, ein Architekt und glühender Anhänger des Nationalsozialismus, hatte in den Jahren 1937/38 die Grablege von Albrecht im Ballenstedter Schloss grundlegend umgebaut. Diese Umgestaltung diente der Instrumentalisierung der historischen Person Albrecht des Bären. Zwar war diese nicht so stark ausgeprägt wie beispielsweise bei Heinrich I. (Quedlinburg), Heinrich dem Löwen (Braunschweig) oder Otto dem Großen. Allerdings kann die Gruft in Ballenstedt als eine Nachahmung der Ereignisse im benachbarten Quedlinburg betrachtet werden, wo zuvor das Grab Heinrich I. umgestaltet wurde. In Ballenstedt sollten die Jungen der NAPOLA, auf dem naheliegenden großen Ziegenberg gelegen, am Grab Albrechts den Eid auf Hitler schwören.

Eingebettet war dieser Kunstwettbewerb in das Projekt „museale Erweiterung und Modernisierung des Ballenstedter Schlosses“, Anknüpfungspunkt hierfür ist der 850. Todestag von Albrecht. Ursprünglich sollte im November 2020 diese neue Ausstellung eröffnet werden, coronabedingt wurde sie nun in den Mai 2021 verschoben.

Die besagte Grabplatte wird zukünftig im Vorraum der Grablege das zentrale Exponat dieser Ausstellung bilden, die sich historisch-kritisch neben Albrecht und Schultze-Naumburg auch mit der Baugeschichte des Bauwerks befasst. „Wir ließen den an dem Kunstwettbewerb beteiligten Künstlern freie Hand bei der Konzeption, wiesen allerdings ausdrücklich darauf hin, dass das Umfeld eine Grablege ist und daher auch angemessen behandelt werden müsse. Wir hatten es auch darauf abgesehen, der mittelalterlichen Person Albrecht dem Bären ein Stück seiner Würde zurückzugeben, die er durch die Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten verloren hatte,“ so Christian Mühldorfer-Vogt, der zuständige Kulturamtsleiter der Stadt Ballenstedt.

Parallel hierzu erfolgt im Rahmen dieses Projektes eine zeitgemäße Präsentation der romanischen Krypta: Auf der Grundlage von Augmented Reality wird den Besuchern ein virtueller Rundgang durch die Krypta angeboten. Dies eignet sich bestens dafür, die verschiedenen Bauabschnitte der heute stark überformten Anlage nachvollziehbar darzustellen. Die Krypta geht zurück auf Urgroßvater von Albrecht dem Bären, Graf Esico (* um 990/1000 – † nach 1059), der vermutlich 1043 auf dem Ballenstedter Schlossberg ein Kollegiatsstift gründete, für welches sich die Grafen von Ballenstedt die Rechte zur Nutzung des Stiftes als Eigenkloster und Grablege sichern konnten. 1123 wurde dieses durch Albrecht den Bären (*1100 - †1170) und seinem Vater Otto dem Reichen (*um 1070 - †1123) in ein Benediktinerkloster umgewandelt. Von dieser Klosterkirche sind heute nur noch zwei Bauteile vorhanden: die romanische Krypta sowie ein quadratischer Kapellenraum, die Nikolaikapelle, die auf die Mitte des 12. Jahrhunderts datiert ist und von den Westtürmen der alten Klosterkirche umgeben ist. In dieser Kapelle wird das Grab Albrecht des Bären vermutet.

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