Argentinische Filmtage in Halle

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Kino | Kunst & Kultur
von Tobias Fischer

Zum fünften Mal finden in diesem Jahr die Argentinischen Filmtage in Leipzig statt. Doch erstmals schwappt das Festival auch zu uns rüber nach Halle. Vom 23

Argentinische Filmtage in Halle

Zum fünften Mal finden in diesem Jahr die Argentinischen Filmtage in Leipzig statt. Doch erstmals schwappt das Festival auch zu uns rüber nach Halle. Vom 23. September bis 2. Oktober 2011 werden herausragende argentinische und lateinamerikanische Filme präsentiert. Mehr als 50 aktuelle Lang- und Kurzfilme, darunter sowohl Preisträger internationaler Festivals als auch kleinere, brandneue Produktionen sind in Halle und Leipzig zu sehen.

Eröffnet wird das Festival mit dem Thriller "Carancho" des international renommierten Regisseurs Pablo Trapero am Freitag, dem 23. September um 19:30 Uhr in der Schaubühne Lindenfels. Der auf dem Festival in Cannes 2010 mit viel Applaus bedachte Film nimmt das makabere Geschäft des Versicherungsbetrugs mit den Opfern von Verkehrsunfällen in den Blick. Im Jahr 2009 gewann Pablo Traperos Drama "La Leonera" (Der Löwenkäfig) im Rahmen der Argentinischen Filmtage sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis.

In Halle (Saale) beteiligt sich das Lux-Kino am Zoo am Festival. Highlight ist hier der kubanisch-deutsche Film “Soy libre”. Regisseurin Andrea Roggon wird bei der Aufführung am 29. September anwesend sein. Das komplette hallesche Programm finden Sie auf Seite 2:
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Fr, 23. September
18 Uhr
Awka Liwen – Rebelde Amanecer (Argentinien 2010) 77' OmU
Die Dokumentation erzählt vom fast vergessenen Schicksal der Mapuche, den Ureinwohnern Argentiniens, und bricht mit dem Mythos von der europäischen Kolonisierung eines unbesiedelten Territoriums. Es geht dabei nicht nur um die Ermordung und Landenteignung eines indigenen Volkes im 19. Jahrhundert, sondern auch um die Profitpolitik seitens einer mächtigen Minderheit, die bis heute das gesellschaftliche Bild des lateinamerikanischen Staates prägt. Mit viel Liebe zum Detail konstruieren die Regisseure die damaligen Ereignisse und zeigen, wie wenig der Kampf um Demokratie und gerechte Bodenverteilung heute abgeschlossen ist. Das Drehbuch zu diesem Dokumentarfilm stammt von dem argentinischen Schriftsteller und Publizisten Osvaldo Bayer, der sich wie kaum ein anderer in seinem Land für soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte engagiert. Die Regisseurin Kristina Hille wird bei der Veranstaltung anwesend sein und anschließend Fragen zum Film beantworten.

Sa, 24. September
18 Uhr
Hermano (Venezuela 2010) 97' OmeU
In den Slums von Caracas finden eine Mutter und ihr kleiner Sohn Julio ein ausgesetztes Baby. 16 Jahre später ist Daniel, genannt Gato, fester Bestandteil der Familie und gehört mit Julio zu den talentiertesten Fußballspielern seines Viertels. Doch während er von einer Karriere beim FC Caracas träumt, rutscht sein älterer Bruder immer mehr in die Drogenszene hinein. Als Gato von einem Talentscout entdeckt wird, muss er sich zwischen seiner Familie und der Chance auf ein besseres Leben außerhalb des Armenviertels entscheiden. Ein liebevoller Film über geschwisterliche Liebe und die Möglichkeit, aus dem bisherigen Leben auszubrechen.

So, 25. September
16 Uhr
Hermano (Venezuela 2010) 97' OmeU

Di, 27. September
22 Uhr
También la lluvia (Spanien /Frankreich/ Mexiko 2010) 104' OmU
Der Regisseur Sebastián möchte im Jahr 2000 rund um die bolivianische Stadt Cochabamba mit indigenen Laienschauspielern die Geschichte von Christopher Kolumbus nacherzählen. Aus der Perspektive der Ureinwohner Amerikas soll die Ankunft des weißen Mannes als der Beginn der Tyrannei und der Ausbeutung dargestellt werden. Während die Dreharbeiten langsam fortschreiten, wird in der Stadt die gesamte Wasserversorgung privatisiert und in die Hände eines globalen Wassermultis gegeben. Daraufhin gehen die armen Bewohner auf die Barrikaden. Regisseur und Produzent realisieren erst spät, dass sich die Geschichte wiederholt und mehr als 500 Jahre nach Kolumbus die indigene Bevölkerung immer noch unter der Ausbeutung der westlichen Welt leidet.

Mi, 28. September
18 Uhr
Awka Liwen – Rebelde Amanecer (Argentinien 2010) 77' OmU

Do, 29. September
20.15 Uhr
Soy libre (Kuba/Deutschland 2010) 86' OmU in Anwesenheit der Regisseurin Andrea Roggon
Zusammen mit der Kamera begleitet der Zuschauer den kubanischen Alltag in Havanna. Im Off hört man Menschen erzählen: von ihrer Frustration, dem Gefühl eingesperrt zu sein und ihrer Sehnsucht, sich eine eigene Sicht vom Rest der Welt zu machen. Offen über die Missstände zu reden, wie die Bloggerin Yoani Sánchez, trauen sich jedoch nur wenige. Die meisten der Kubaner wählen einen anderen Weg. Sie meinen, ihr persönlichen Glück und ihre Freiheit nur anderswo finden zu können. Ein kritisches Portrait einer Nation, das den Mythos vom "realen Sozialismus" in Frage stellt und dabei in traumgleich schönen Bildern den Menschen und ihrer Umgebung sehr nahe kommt. Die Regisseurin Andrea Roggon wird bei der Filmvorführung anwesend sein und anschließend Fragen zu ihrem Film beantworten.

So, 02. Oktober
18 Uhr
Turistas (Chile 2009) 104' OmU
Carla, 37, verheiratet, vielleicht schwanger, fährt mit ihrem Mann Richtung Süden in die Sommerferien. Ein Twist zwischen dem Paar ändert jedoch den geplanten Urlaub und Carla findet sich am Straßenrand wieder. Mit dem Rucksacktouristen Ulrik macht sie sich auf in Richtung Nationalpark. Inmitten der Wildnis schließt sie allerlei skurrile Bekanntschaften. Da entpuppen sich der Parkwächter als ehemaliger Schlagerstar und die Kioskbetreiberinnen als Joy Division-Fans. Mit bizarr-schönen Bilder und viel Sinn für das Absurde zeigt die Regisseurin: Im Leben sind wir alle Touristen.

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