Halle an der Saale 2005-2012

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Rezension | Kunst & Kultur
von Tobias Matussek

Neues Buch von Matthias Kunkel wird vorgestellt

Halle an der Saale 2005-2012

 Überall in Halle ist die Vergangenheit mit Händen zu greifen. Ob Gründerzeitvilla oder sozialistischer Plattenbau - überall im Straßenbild spiegeln sich Architektur und Geschichte der letzten Jahrhunderte wider. Wer jedoch mit offenen Augen durch die Stadt geht, bemerkt, wie die Saalestadt ihr Gesicht verändert. Dass Fotografen für diese Veränderungen ein besonders wachsames Auge haben, beweist der schmale Bildband „Halle an der Saale 2005-2012“, der vom Kunstverein „Tal-strasse“ e.V. herausgegeben wurde. Der Fotograf Matthias Kunkel (Jg. 1981), der sich seit Jahren schon mit dem Schrumpfungsprozess ostdeutscher Städte fotografisch ausei-nandersetzt, hat diese Entwicklung in Halle in den letzten Jahren immer wieder festgehalten. Der vorliegende Band präsentiert nun aus diesem reichen Fundus eine Auswahl von 56 Schwarz-Weiß-Fotografien. Mit seiner Kamera dokumentiert er die Veränderungen in unregelmäßigen Abständen. So zeigen einige seiner Aufnahmen die Hochhäuser am Steg, die längst der Abrissbirne zum Opfer fielen. Die quasi schon historischen Fotos vom Riebeck-Platz zeigen noch die beiden Riebeck-Türme, wobei am nördlichen Hochhaus bereits die obersten Etagen fehlen. Bis in die jüngste Gegenwart verfolgt Kunkel Objekte, die demnächst Geschichte sein werden. Mit fast archäologischem Blick konserviert Kunkel förmlich Industriebrachen (alte Brauerei an der Saale oder Zuckerraffinerie) und verfallene Gebäude. Aber auch Neues, wie die neuerrichteten Nord- und Westflügel der Moritzburg, hält er im Bild fest. Dabei legt er weniger Wert auf einzelne Gebäude sondern zeigt die städtebaulichen Veränderungen meist in größeren Perspektiven. Während bei Fotos von Gebäuden und Straßenzügen diese Veränderungen sofort augenfällig sind, zeigen die Aufnahmen von Straßenvierteln (meist aus der Vogel-perspektive) wie schleichend dieser Prozess ist. Diese Fotos der hallischen Dach-landschaft sind wohl am beeindruckendsten, aber auch Detailaufnahmen (wie eine einzelne Straßenlaterne) wecken das Interesse des Betrachters. Das quadratische Format der klassischen Schwarz-Weiß-Fotos unterstreicht dieses künstlerische Anliegen. Es sind gewissermaßen Dokumentarfotos, die auf Schönwetter und menschliche Belebung weitgehend verzichten. So ist die Leipziger Straße regennass und menschenleer abgebildet. Die eindrucksvollen 56 Fotos belegen, wie historische Bausubstanz in den letzten Jahren unwiederbringlich verloren ging und wie andererseits Neues entsteht, das immer mehr den Charakter des Stadtbildes prägt. Sie öffnen den Blick für historisch Gewachsenes, das mehr als unserer kurzlebigen Aufmerksamkeit bedarf. So auch die Herausgeberin Christin Müller-Wenzel in ihrem kurzen Vorwort „Fotografien gegen das Verschwinden“. Fazit: Ein hochinteressanter Bildband, der zum Nachdenken, zum genaueren Hinschauen und vielleicht auch zu eigenen fotografischen Streifzügen anregt.

[i]Matthias Kunkel [/i][i]„Halle an der Saale 2005-2012“[/i][i]Kunstverein „Talstrasse“ e.V. Halle (Saale) 2012, 14,00 €, 72 S., ISBN 978-3-932962-62-2[/i]
 

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