Auf den Spuren Kaiser Ottos des Großen

Historie | Kunst & Kultur
von Manfred Boide

Verschollene Überreste einer ottonischen Königspfalz entdeckt

Dass die Region Sachsen-Anhalt reich an Geschichte mit einzigartigen archäologischen Funden und Befunden ist, ist jedem klar, man muss nur an die Himmelsscheibe von Nebra denken. Sie steht auch dieser Tage im Focus der Landesausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) unter dem Titel: „Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte“.

Sachsen-Anhalt hat aber diesbezüglich noch mehr zu bieten. Kaiser Otto der Große [912 – 973] hatte vor 968 auf dem Hügel „Kleine Klaus“ oberhalb des Ortes Helfta in unmittelbarer Nähe der Stadt Eisleben, eine stattliche Kirche [Radegundiskirche] gegründet.

Eine Forschungsgrabung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt hat am Ort der Grabung eine Reihe spannender Funde erbracht, darunter lang verschollene Überreste der ottonischen Königspfalz.

Die Ausgrabungen decken aktuell eine etwa 30 m lange, dreischiffige und kreuzförmige Basilika mit Querschnitt und mindestens einmal erneuertem Ostabschluss auf, die vom 10. Jahrhundert an über ein halbes Jahrtausend hin das Tal dominierte. Die Mauern wurden nach der Reformation bis auf die Grundmauern abgetragen. Unter den Relikten des Kircheninventars sind u.a. eine romanisches Bronzekruzifix mit Email, das im 13. Jahrhundert in Limoges in Neu-Aquitanien [Frankreich] gefertigt wurde. Zahlreiche Gräber mit verteilen sich innerhalb der Kirche und in ihrem Umkreis, darunter Kopfnischengräber und gemauerte Grüfte. Bisher wurden ca. 70 Skelette gefunden, darunter auch Frauen und Kinder. Reiche Funde wie Münzen, kunstvoll mit Email verzierte Gewandspangen, Trachtstücke, Pilgerzeichen, Tonscherben und vieles andere mehr, belegen nicht nur die Ottonenzeit, sondern auch die karolingische Helphidesburg sowie die Endphase der Siedlung und der Radkundiskirche am Ausgang des Mittelalters.

„Die Ergebnisse unserer Archäologen sind immer wieder erstaunlich, so Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, der sich heute vor Ort informierte. Ich freue mich vor allem über die sensationellen Grabungsergebnisse in Helfta, weil dies einer meiner Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt ist. Mit der Identifizierung der Lage der Kirche und der Pfalz wird eine wichtige landesgeschichtliche Lücke geschlossen“.

Landesarchäologe Prof. Dr. Harald Meller und Projektleiter Prof. Dr. Felix Biermann unterstrichen in ihren Ausführungen bei der Vorstellung der Grabungsergebnisse die außerordentliche Bedeutung des Ortes im 10./11. Jahrhundert und die Gründung der Kirche, die der heiligen Thüringerprinzessin Radegundis [518 – 587] geweiht war.

Das Projekt des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt wird aus Forschungsmitteln des Landes Sachsen-Anhalt finanziert.
Projektverantwortlicher ist Prof. Dr. Felix Biermann, wissenschaftlicher Mitarbeiter im LDA und Professor für Frühmittelalterarchäologie an der Universität Stettin [Szczecin/Polen]. Die Ausgrabungen werden noch bis September 2021 durchgeführt.

www.lda-lsa.de

www.landesmuseum-vorgeschichte.de

 

 

 

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