Eröffnung Kunstweg "Zwischen Welt und Kosmos"

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Arche Nebra | Kunst & Kultur
von hallelife.de | Redaktion

Ein in Mitteldeutschland einzigartiger Kunstweg verbindet ab dem 21.06.2021 das Besucherzentrum Arche Nebra mit dem Fundort der Himmelsscheibe auf dem Mittelberg. Entlang der drei Kilometer langen Strecke entstanden drei Kunstwerke, in denen Archäologie, Kunst und Natur zu einem Erlebnis „Zwischen Welt und Kosmos“ verschmelzen. Inspiriert wurden die Künstler aus dem In- und Ausland dabei vom Mittelberg als besonderem Ort durch die Jahrtausende.

Ein einzigartiges Projekt

Seit einiger Zeit gab es Überlegungen, die Arche Nebra und den Turm auf dem Mittelberg mittels einer gestalterischen Verbindung noch stärker miteinander zu verknüpfen. Anfang 2019 lobte der Förderverein Arche Nebra e. V. deshalb einen Kunstwettbewerb aus. Pünktlich zum 14. Geburtstag des Besucherzentrums konnte das Projekt nun umgesetzt werden.

„Mit dem Kunstweg steht unseren Gästen nun ein weiteres hochkarätiges Angebot zur Verfügung. Die Synthese von zeitgenössischer Kunst, Archäologie und Natur ist im mitteldeutschen Raum bisher einzigartig“, freut sich die Geschäftsführerin der Kulturbetriebe Burgenlandkreis GmbH Bettina Pfaff.

Die Kunstwerke laden die Betrachter ein, sich durch ungewöhnliche Perspektiven eigene Zugänge zu den Themen Zeit und Natur zu erschließen. Und nicht zuletzt stoßen sie zur Besinnung auf die eigene Existenz im Gefüge von Raum und Zeit an. Wie für unsere Vorfahren kann der Mittelberg so auch heute für jeden Menschen noch immer ein ganz besonderer Ort sein.

Finanzstaatssekretär Rüdiger Malter: „Der Fund der Himmelsscheibe auf dem Mittelberg verdeutlicht, wie fortschrittlich die Menschen auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt schon vor Tausenden Jahren waren. Die Bedeutung dieses einmaligen historischen Relikts herauszuarbeiten, gelingt den Akteuren hier vor Ort auf eine besondere Art und Weise. Sie schaffen es innovativ, Interesse und Neugier zu wecken - an der Himmelsscheibe und ihrem Fundort. Als Land schätzen und unterstützen wir dieses Engagement. Für den neuen Kunstweg Arche Nebra beispielsweise wurden vom Ministerium der Finanzen Fördermittel aus dem ELER- und ESF-Fonds bereitgestellt.“

 

 

Archäologie nimmt Form an

Mittels zeitgenössischer Landart sollten die Künstler eine Form finden, die eine innovative Auseinandersetzung mit den archäologischen Funden und Befunden am Mittelberg reflektiert. An drei Stationen des Weges konnten so archäologische und historische Themen visualisiert werden.
Inhaltliche Grundlage für die künstlerische Arbeit bildete der Mittelberg und seine Bedeutung für die Menschen durch die Jahrtausende: Vom heiligen, charismatischen und beseelten Ort der Jungsteinzeit bis zum wehrhaften Ausbau im Mittelalter nutzten Menschen den Mittelberg auf verschiedenste Weise: als Stätte kultischer Riten, z. B. in der Jungsteinzeit für Bestattungen, als Ausgangspunkt für Himmelsbeobachtungen oder in der frühen Bronzezeit zur Niederlegung der Himmelsscheibe von Nebra. Im Mittelalter galt der Berg als Landmarke.

Die kulturhistorische Bedeutung des Mittelberges als Schnittstelle zwischen Welt und Kosmos gab die Themen für die Kunstschaffenden vor und sollte sich in dem künstlerischen Ausdruck ihrer Werke widerspiegeln. 

Aus insgesamt 116 nationalen und internationalen Bewerbungen wurden drei Gewinnerentwürfe ausgewählt. Die fünfköpfige Jury unter Leitung der Direktorin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt, Manon Bursian, entschied sich nach einem zweistufigen Auswahlverfahren für die Realisierung der Entwürfe des spanischen Künstlers José Cobo Calderón, des Hallensers Michael Krenz und des in München lebenden japanischen Künstlers Hayato Mizutani.

 


© Arche Nebra, Foto: Eva-Maria Darge

Wächter – José Cobo Calderón

Als erstes Kunstwerk auf dem Weg schimmern gut 800 Meter aufwärts von der Arche Nebra fünf golden glänzende Schilde durch die Bäume. Die Installation von José Cobo Calderón steht in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Burgwallanlage von Wangen, die bis ins 9. Jahrhundert n. Chr. zurückdatiert. Von den Ottonenherrschern als strategische Schutzanlage für die Pfalz Memleben genutzt, erlebte die Burg im 12. und 13. Jahrhundert nochmals eine Blütezeit, als sie der Familie von Wangen als Wohnsitz diente. Heute sind nur noch die Überreste der Wall- und Grabenanlage und des Turmhügels, auf dem einst ein Wohnturm stand, im Gelände zu erahnen.

José Cobo Calderón fand mit seinem Kunstwerk eine abstrakte Visualisierung des Themenkreises, Macht, Stärke, Schutz und Repräsentation. Die Schilde transformieren fünf Bäume in der Wallanlage zu ehernen Wächtern des Ortes. Der spanische Bildhauer schuf mit seinem Werk eine edle und assoziationsreiche Symbiose von Geschichte, Natur und Kunst.

Der 1958 in Santander in Spanien geborene José Cobo ist ein international erfolgreicher Bildhauer. Er schuf unter anderem die emblematische Skulpturengruppe „Los Raqueros“, die eine Gruppe von Kindern am Hafenbecken seiner Heimatstadt darstellt. Zwischen 1993 und 1997 unterrichtete er Kunst in Chicago. José Cobo möchte mit seinen Arbeiten die Sicht auf das menschliche Geschehen bereichern. Es geht ihm nicht um eine kritische Sicht auf die Welt. Vielmehr sucht er neue Perspektiven, um mit seinen Werken auf Unerwartetes hinzuweisen.

 

© Arche Nebra, Foto: Eva-Maria Darge

Waldpavillon – Hayato Mizutani

Steigt man den Weg zum Mittelberg weiter auf, erhebt sich kurz vor dem Plateau des Mittelbergs ein turmhoher Pavillon im Wald.
Der japanische Künstler Hayato Mizutani regt mit seinem Kunstwerk an, von einem Perspektivwechsel im Raum zu einem Perspektivwechsel in der Zeit zu gelangen. Der acht Meter hohe, nach oben geöffnete Pavillon aus Holz und Stahl vereint im Innern Fokus und Weite: Der geringe Durchmesser des Bauwerks bewirkt zunächst eine Konzentration der Besucher auf sich selbst und auf die eigenen Wahrnehmungen. Abschließend wird der Blick nach oben in die Baumkronen und den Himmel gelenkt. Dieser Blick in den Himmel verbindet den Betrachter so durch die Jahrhunderte mit den Menschen der Vergangenheit.

Mit dieser symbolischen Rückbesinnung will der japanische Künstler Hayato Mizutani die Bedeutung des Mittelbergs als einen Ort der Ahnen wieder aufgreifen. Er nimmt dabei Bezug auf die unzähligen steinzeitlichen Grabhügel, die sich entlang der Hügelkante am Mittelberg aufreihen.

Material und Gestalt des Pavillons fügen sich harmonisch in die Natur ein. Er wird Teil des Waldes.

Hayato Mizutani beschäftigt sich mit ganz unterschiedlichen Medien wie Fotografie, Zeichnungen und Installationen mit dem Thema Raum und der Beziehung zur Umgebung. Er wurde 1985 im japanischen Mie geboren und lebt und arbeitet heute in München. Sein Studium der Architektur und der bildenden Künste hat er in Tokio, Liechtenstein und Hamburg absolviert.

 

© Arche Nebra, Foto: Eva-Maria Darge

Tonight – The Sky - Michael Krenz

Das dritte Kunstwerk weist, kurz vor der Freifläche des Mittelbergs, auf die heutige Abendveranstaltung hin: „Tonight – The Sky“ verkündet ein Billboard und preist mit einem Hauch von Hollywood ein Himmelskino an. Dieses nächtliche Highlight findet seit Jahrtausenden sein Publikum: Der Lauf der Sterne und des Mondes sind seit Jahrtausenden Rhythmen der Zeit, und zugleich liefern sie jeher Stoff für Mythen und Erzählungen. Bis heute ist der Himmel Projektionsfläche für Hoffnungen und Träume.

Die Rückseite der Ankündigungstafel bildet eine begehbare Tribüne, die Platz zum Verweilen, zum Austausch und zum Beobachten der Natur bietet. Das Kunstwerk zeigt, dass kein Spektakel spektakulärer ist als der Nachthimmel.

Michael Krenz, 1974 in Eisenhüttenstadt geboren, ist gelernter Metallgestalter und studierte Industriedesign und Bildhauerei an der Kunsthochschule Giebichenstein in Halle. Dort war er auch von 2012 bis 2018 als künstlerischer Mitarbeiter tätig. In Halle, wo er heute lebt und arbeitet, wie auch in Wittenberg und Freiberg stehen international beachtete Skulpturen aus seiner Werkstatt. Michael Krenz‘ Werke leben von formaler und inhaltlicher Verdichtung. Er lässt sich auf historische Themen und Orte ein, spürt prägnante Aspekte auf und spitzt diese Botschaften ästhetisch einprägsam zu.


 

Projektförderung:

Der Kunstweg Arche Nebra ist ein Projekt des Fördervereins Arche Nebra e.V.

Der Förderverein unterstützt seit 2012 die Kulturarbeit des Besucherzentrums Arche Nebra. Neben dem ideellen Einsatz für die Belange der Arche Nebra engagiert sich der Verein dafür, weitere finanzielle Fördermöglichkeiten zu erschließen. Für die Gestaltung des Weges erhielt der Verein Fördermittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und aus dem Europäischen Sozialfonds für Deutschland (ESF).

 

Neue Erlebnisangebote erweitern bestehendes Programm

Der Kunstweg wird zukünftig auch im Rahmen der beliebten geführten Wanderungen zum Fundort der Himmelsscheibe mit einbezogen. Daneben wird es ab den Sommerferien ein neues Angebot geben, bei dem Familien, Schulklassen und Gruppen unter Anleitung eines Gästeführers mit einer eigens dafür produzierten Kunst-Tasche den Kunstwerken und ihrem Bezug zur regionalen Archäologie und Natur auf die Spur kommen können. In der Tasche finden die Teilnehmer Aufgabenstellungen, die zu einer Auseinandersetzung mit den Themen der Installationen einladen und sie selbst kreativ werden lässt. Dabei entstehen eigene Kunstwerke, die als Erinnerung mit nach Hause genommen werden können. Informationen zu allen Veranstaltungen sowie zu buchbaren Führungen für Erwachsene und Kinder sind unter www.himmelsscheibe-erleben.de zu finden.

 

Informationen und Anmeldung unter T: 034461-25520 oder info@himmelsscheibe-erleben.de.

Weitere Informationen zum Kunstweg bietet auch die Website www.kunstweg-arche-nebra.de und ein Faltblatt.

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