Universitätsarchiv übernimmt größten Bestand an Brass Rubbings außerhalb von Großbritannien

Die Grabplatte des Bischofs Richwin in Naumburg als Abrieb. Foto Klaus Krüge
Sammlungen | MLU
von hallelife.de | Redaktion

Das Archiv der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) übernimmt zwei ganz besondere Sammlungen in seinen Bestand: Zwei der bedeutsamsten Forscher auf dem Gebiet der Brass Rubbings, der Philologe Reinhard Lamp (Hamburg) und der Stadtplaner Kevin Herring (London), übergeben ihre privaten Sammlungen an den Historiker Prof. Dr. Klaus Krüger und den Leiter des Archivs Dr. Michael Ruprecht. Dabei handelt es sich um mehr als 600 akribische Abriebe von Grabplatten in England und Deutschland, jede einzelne in mehrtägiger Arbeit entstanden, und damit um den größten Bestand auf dem europäischen Festland. Die Übergabe der Sammlungen findet am Dienstag, 26. Juni 2018, 11 Uhr, statt.

Jeder hat schon einmal mit einem Bleistift eine Münze auf ein Blatt Papier durchgerieben. In der Kunst heißt diese Technik Frottage, bezogen auf metallene Grabplatten von buchstäblich monumentalem Ausmaß wird sie als Brass Rubbing bezeichnet. Ihren Ursprung hat diese Art der Dokumentation im England des 18. und 19. Jahrhunderts, als im Zuge einer verbreiteten Mittelalter-Romantik die lange vernachlässigten Messing-Grabmäler in den Kirchen neu entdeckt wurden. Historisches Interesse und Sammellust führten zu einem regelrechten Boom dieses Zeitvertreibs, getragen von einer gebildeten bürgerlichen Mittelschicht, in dem sich wissenschaftliche Dokumentationstechnik an einer historischen Quelle und die ästhetische Auseinandersetzung mit einem Kunstobjekt mischten.

Bevor die Leidenschaft für das Brass Rubbing - parallel zur massenhaften Verbreitung der Fotografie - stark zurückging, entstanden in England große Sammlungen, in denen die Abriebe bis heute dauerhaft archiviert und erforscht werden. Zu den bedeutendsten gehören diejenigen an der einschlägigen Monumental Brass Society (gegründet 1887), am Victoria and Albert Museum, am British Museum sowie an der Society of Antiquaries, die sich alle in London befinden. Auch die Universitäten in Cambridge (Cambridge Collection) und Oxford (Ashmolean Museum und Bodleian Library) beherbergen umfangreiche Kollektionen von Brass Rubbings; sie alle umfassen jeweils tausende Objekte.

Die Grabplatte des Bischofs Richwin in Naumburg als Abrieb. Foto Klaus Krüge

In deutlich kleinerem Maßstab, aber ebenfalls in musealer Qualität präsentieren sich die zwei privaten Sammlungen, die dem Universitätsarchiv übergeben werden. Der Hamburger Philologe Reinhard Lamp und der britische Stadtplaner Kevin Herring haben im Laufe von 60 Jahren über 600 Grabplatten-Abriebe in England und Deutschland angefertigt, nicht nur von Messing, sondern auch von ziselierten Steinen. Mit der Stiftung der Sammlungen ist der Bestand an der Universität dann die größte derartige Sammlung auf dem europäischen Festland und wird zum Anschauungsobjekt für historische, kunsthistorische, philologische und religionswissenschaftliche Forschung und Lehre. Betreut wird sie künftig von Prof. Dr. Klaus Krüger, Leiter der Abteilung für Historische Hilfswissenschaften am Institut für Geschichte, wo ein Forschungsschwerpunkt auf der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Sepulkralkultur liegt.

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