Gelungener Auftakt bei montalbâne 2019 in Freyburg/Unstrut

Eine Reise nach Venedig um 1500 mit dem Ensemble Lucidarium | Musik & Film
von Leika

Schon fast 1 Stunde vor Konzertbeginn bildete sich eine Besucherschlange, die auf Einlass in die Freyburger Stadtkirche St. Marien wartete, um sich gute Plätze in der bescheiden kleinen romanisch-gotischen Kirche in der Weinstadt an der Unstrut zu sichern. Anlass war das Eröffnungskonzert zum Festival von montalbane mit dem Thema Via Musica: Mittelalterliche Musik Zwischen Orient und Okzident. Es wurde bestritten von Lucidarium, einem höchst renommierten Ensemble, dessen Hauptsitz in Genf und Mailand liegt.

Neben inzwischen hunderten von Konzerten in bedeutenden Festivals für Alte Musik, trat Lucidarium auch auf Bühnen der jüdischen, der klassischen und der Weltmusik auf. Unter den jüngeren Aufführungen befinden sich „Das Babel Projekt“ zum Jiddischen Sommer sowie „Shurùq“, ein Programm in dem die Verbindungen zwischen traditionellen, arabischen Repertoires und der Musik des italienischen Trecentos erforscht werden.

In fast 2 Stunden zeichnete LUCIDARIUM ein musikalisches Bild von Venedig um 1500, einem Schmelztiegel der Kulturen und Religionen. Im ersten Ghetto Europas sprach und sang man italienisch, spanisch, griechisch, arabisch, hebräisch und jiddisch. Das spiegelte sich auch in den musikalischen Darbietungen wider. Ausdrucksstark mit schauspielerischem Talent führte Enrico Fink (Gesang & Erzähler) mehrsprachig durch das Programm. Wunderschön, und durch den kirchlichen Nachhall mystisch verstärkt, bezauberte der Gesang von Giulia Valentini  und Carla Nahadi Babelegoto. Begleitet wurden sie von Èlodie Poirier (Nyckelharpa), Fabio Accurso (Laute), Massimiliano Dragoni (Perkussion & Hackbrett) und Avery Gosfield (Blockflöten, Einhandflöte & Trommel). Mitreißend, voller Temperament und melodiös prägte insbesondere Avery Gosfield mit ihrem Flötenspiel die Darbietungen. Fasziniert lauschten die z.T. weit angereisten Besucher dem Konzert. Ein sehr ausführliches Programmheft mit Übersetzungen der Liedtexte erleichterte das Verständnis der Darbietungen. Mit enthusiastischem Beifall bedankte sich das Konzertpublikum für den engagierten anspruchsvollen Mittelaltermusikabend,  zugleich auch ein Kompliment an montalbane als Organisator des Festivals, dem es gelungen ist, auch abseits der musikalischen Hochburgen Halle (Händelfestspiele) und Leipzig (Bach-Festival) dieses anspruchsvolle Festival erfolgreich zu etablieren.

Hans J. Ferenz

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