Hundeerziehung - Kind und Hund

Tipps zur Hundeerziehung | Tierwelt
von hallelife.de | Redaktion

Da die Gewöhnung Ihres Hundes an den Korb bzw. die Box etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt, habe ich mich entschlossen ein weiteres Thema einzuschieben, dass ich ebenfalls für sehr wichtig halte. Denn wer einen Hund und Kinder hat, der steht im Moment vor einer ganz besonderen Herausforderung.

Ich finde es wunderbar, wenn Kinder die Möglichkeit haben mit Tieren aufzuwachsen! Wer früh lernt Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen, der schöpft ein Leben lang aus dieser Erfahrung. Wer aber denkt es genügt sich einen Hund anzuschaffen und sein Kind mit dem Tier einfach spielen zu lassen, der irrt. Es gibt nämlich auch eine weniger schöner Seite an der Hundehaltung. Die meisten Beißumfälle ereignen sich leider im häuslichen Bereich und oft sind dann Kinder betroffen! Diese Vorfälle werden natürlich sehr selten zur Anzeige gebracht und deshalb geht man von einer hohen Dunkelziffer aus! Jetzt, in der Corona-Zeit, rutscht die Familie enger zusammen und unsere Hunde sind mitten drin. Der beste Nährboden für Konflikte! Plötzlich wird im Spiel aus dem Hund ein Pferd. Er bekommt einen Gürtel um den Hals und eine Decke übergeworfen und dann – Attacke! Oder der Hund wird zum Patienten und muss eine gründliche Untersuchung über sich ergehen lassen...

Manche Eltern kommen auch auf die Idee die Kinder mit dem Hund nach draußen zu schicken. Die haben ja im Moment sowieso nichts zu tun und frische Luft tut bekanntlich gut. Dabei wird gerne vergessen, dass der Hund noch nie mit einem Kind im Freien war und dass das Kind keine Ahnung vom Umgang mit dem Tier hat. Deshalb ist es wichtig seinen Nachwuchs entsprechend vorzubereiten, ihm zu erklären auf was es ankommt und wie der Vierbeiner tickt. Wichtig sind dabei auch klare Regeln (für Kind, Hund und Eltern). Deshalb hier ein paar Hinweise:

Ein Kind nie mit dem Hund alleine lassen! Warum? Hund und Kind sind unberechenbar! Dem Kind fällt plötzlich ein am Hund zu erforschen, wo die Zunge anfängt und wo sie aufhört. Oder das Kind hat den Hund so lieb, dass es in nur drücken und umarmen möchte. Unsere Hunde reagieren nun mal wie ein Hund und wenn sie sich bedrängt fühlen, dann schnappen sie den „Störenfried“ weg! Oft ist das Gesicht eines Kindes auf Maul Höhe und das kann dann sehr schlimme Verletzungen zur Folge haben.

Wenn Ihr Hund auf seinem Platz ist, muss er in Ruhe gelassen werden. Warum? Hunde haben auch ein Recht darauf sich zurückziehen zu dürfen. Gerade in der jetzigen Zeit. Es ist im Moment sowieso alles anders, Frauchen und Herrchen sind gestresster als normal, die Kinder haben Langeweile.... Auch Ihr Hund bekommt das mit. Wenn ihm alles zu viel wird, muss er sich zurückziehen können.

Wenn das Kind mit dem Hund etwas machen möchte, dann nur zusammen mit einem Erwachsenen (idealerweise mit dem Besitzer)! Warum? Der Hund ist kein Spielzeug oder ein Zeitvertreib. Nutzen Sie die gemeinsame Zeit für etwas Sinnvolles und lernen Sie mit Ihrem Kind das Tier kennen. Z.B. wie macht es Sitz oder Platz, was bedeutet Knurren, warum wedelt es mit dem Schwanz? Apropos Knurren: Bitte den Hund nicht sofort schimpfen, wenn er das Kind anknurrt, sondern erst einmal schauen warum er das getan hat. Vielleicht will ihm Ihr Kind etwas wegnehmen oder es ist zu aufdringlich. Knurren ist eine sehr wichtige Information! Es bedeutet nämlich „aufpassen du gehst zu weit“. Auch das kann man seinem Kind beibringen.

Das Kind bitte nicht alleine mit dem Hund Gassi gehen lassen. Warum? Gerade jetzt wäre es doch eine tolle Sache, Kind und Hund mit einem Mal aus den Füßen zu haben. Aber das kann schnell in die Hose gehen! Schon rein rechtlich kann es Probleme geben, wenn das Kind unter 14 Jahren ist. Dann verletzen Sie nämlich Ihre Aufsichtspflicht! Wenn jetzt noch etwas passiert, wird auch Ihre Versicherung nicht zahlen. Außerdem kann das Kind viele Situationen noch nicht richtig einschätzen, insbesondere dann, wenn ein fremder Hund hinzukommt.

Fazit: Es ist wichtig, den Kindern klar zu machen, dass der Hund ein Lebewesen ist und kein Spielzeug. Es kann sehr schnell etwas schief gehen - und da spreche ich aus Erfahrung. Unsere Kinder meinen es überhaupt nicht böse, wenn sie dem Hund zu nahe kommen, aber genau das ist das unberechenbare! Sie haben irgend etwas im Kopf und setzten es einfach um. Größere Kinder sind vielleicht weniger impulsiv. Aber auch ihnen kann es zurzeit schnell langweilig werden und wollen dem Hund vielleicht ausgerechnet dann etwas beibringen, wenn der gerade keine Lust dazu hat. Reden Sie mit Ihren Kindern und vermitteln ihnen den verantwortungsvollen Umgang mit Ihrem Tier.

 

ÜBRIGENS: Am 31.03.2020 ist die Neuauflage meines Buches „Hundeerziehung mit Holger Schüler - Hunde verstehen - Probleme lösen - Trainieren für den Alltag“ erschienen.

 

Individuelle Fragen zum Umgang mit Ihrem Hund richten Sie bitte an kontakt@aufsechspfoten.de

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Aktuelle Informationen zum Coronavirus und geltende Verhaltensregeln und -empfehlungen finden Sie auf der Website der BZgA: https://www.bzga.de

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