Die Zukunft wird unbar – aber kann das wirklich jeder?

Finanzen | Verbraucher
von hallelife.de | Redaktion

Eines der am heißesten diskutierten Themen unserer Zeit. Während die einen ihr Monatsbudget noch bar in der Nachttischschublade aufbewahren, feiern die Anderen bereits ihr 20-jähriges Jubiläum bei einer Internetbank. Am Thema Abschaffung des Bargeldes scheiden sich die Geister. Zwar ist eine generelle, tatsächliche Abschaffung des Bargelds noch längst nicht in Sicht, dennoch geht der Trend wohl definitiv in diese Richtung - auch wenn das nicht jedem auf Anhieb behagt.

Elektronische Zahlungsmittel

Völlig unabhängig davon, welche Zahlungsart man für sich selbst bevorzugt, ganz kommt heutzutage ohnehin kaum jemand mehr an den modernen Wegen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs vorbei. Vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar, nutzen wir heute allein beim Online-Shopping eine Vielzahl unterschiedlicher Zahlungsarten und -anbieter. Neben dem eher selten angebotenen Lastschriftverfahren ist es meistens die Kreditkarte, die wir zücken wenn es zur Kasse geht, aber auch PayPal ist eine beliebte Zahlungsart, die mittlerweile fast überall akzeptiert und auch für den Handel zwischen Privatpersonen genutzt wird.

Aber nicht nur aus dem Interneteinkauf sind diese neuen Wege des Bezahlens nicht mehr wegzudenken, auch im Einzelhandel ist die Zukunft auf dem Vormarsch. Vor allem viele kleinere Geschäfte fangen hierzulande gerade erst an, auf diesem Gebiet nachzurüsten, aber auch dort werden früher oder später überall Kreditkarten und Mobile Payment Einzug halten. Vor allem die Geschäftsleute schätzen die Vorteile, keinen Bargeldverkehr in ihren Läden zu haben und ein Blick nach Schweden zeigt, dass Münzen und Scheine auf so gut wie jedem Gebiet ersetzbar sind. Selbst beim Gang auf die öffentliche Toilette wird hier die Kreditkarte oder das Smartphone mit Bezahlapp hervorgeholt. 

Mag es Manchen auch nach wie vor befremdlich erscheinen, ist es letztlich nur eine Frage der Zeit bis wir uns an diese Dinge genauso gewöhnt haben, wie bereits vor Jahrhunderten an andere Formen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, dessen Anfänge bereits im mittelalterlichen Wechselbrief zu finden sind und ohne den sich der internationale Handel niemals so florierend hätte entwickeln können. 

Früher oder später wird man an der Kasse also so selbstverständlich zum Smartdevice greifen, wie einst zum Portmonee.



Bedingungen und Varianten der elektronischen Bezahlmethoden

War in der Vergangenheit für Teile der Bevölkerung der Zugriff auf die neuen Zahlungsmittel noch kompliziert oder gar unmöglich (z. B. durch eine mangelhafte Bonität, negative Schufa...), bietet hierfür das Pre Paid Verfahren eine Bandbreite an Lösungen:

• Aufladbare (schufafreie) Kreditkarten 
• PrePaid Karten für Onlineshops 
• Guthaben-Option bei Paymentanbietern (z. B. PayPal) 
• Sofortüberweisung über das eigene Onlinebanking 

Zudem erging 2016 im Bundestag ein wichtiger Beschluss, der Banken dazu verpflichtet, auch Menschen ohne festen Wohnsitz und ohne Schufaauskunft ein Girokonto auf Guthabenbasis zur Verfügung zu stellen. Diese Regelung soll sicherstellen, dass auch die Randgruppen unserer Gesellschaft (zum Beispiel Obdachlose) im Zuge dieser Entwicklung nicht noch weiter ausgegrenzt werden. Rein theoretisch kann also heute wirklich jeder beinahe uneingeschränkt am unbaren Zahlungsverkehr teilnehmen.

 

 

Sind elektronische Zahlungsarten für jeden umsetzbar?

Wie aber sieht das in der Realität aus, wenn die einzigen Einnahmequellen die gesammelten Pfandflaschen und das erbettelte Kleingeld sind? 
Diese Menschen machen sich zunächst mal wenig Gedanken darüber, wie sie ihr Geld zukünftig digital ausgeben können, sondern für sie stellt sich als erstes die Frage, wie sie es in Zukunft überhaupt einnehmen sollen.

Ist ja eigentlich ganz einfach, mag man auf den ersten Blick denken - lassen sich doch an der Supermarktkasse ausbezahltes Geld ebenso wie das Geld aus dem Klingelbeutel doch jederzeit auf ein Girokonto einzahlen und von dort aus problemlos wie oben beschrieben nutzen.

 



Woher aber wird dieses - dann Bargeld - in einer bargeldlosen Gesellschaft noch kommen?

Natürlich können Wege wie zum Beispiel eine Guthabenübertragung auf ein fremdes Girokonto mit nur ein paar Klicks erledigt werden, dennoch nimmt es deutlich mehr Zeit in Anspruch, als im Vorbeigehen achtlos eine Münze in einen Behälter zu werfen. In einer immer schneller werdenden Gesellschaft ist es kaum vorstellbar, dass Menschen am Straßenrand stehen bleiben, einen dort sitzenden Obdachlosen ansprechen und sich nach seinen Daten erkundigen, um ihm per Mobile Payment ein paar Cent zu überlassen.

Sicherlich kann man Pfandzettel auch ohne den Umtausch in Bargeld verwerten, zum Beispiel in dem man sie gleich zum Bezahlen für benötigte Ware verwendet. Oftmals wird das Geld jedoch dringend an ganz anderer Stelle gebraucht. Und so werden in einer Zeit, in der mehr und mehr Menschen von Armut bedroht und betroffen sind, noch einige Hürden zu überwinden sein, damit wirklich niemand vom Fortschritt abgehängt wird. 

Bevor nun aber die ersten Startups beginnen, an Spendenapps für Obdachlose in der Nachbarschaft zu arbeiten oder darüber nachgedacht wird, wie man Pfandbons von der Supermarktkasse auf ein Girokonto transferieren kann, darf nicht aus den Augen verloren werden, dass das eigentliche Ziel ein Anderes sein sollte. Tatsächlich muss in erster Linie daran gearbeitet werden, die betroffenen Menschen vom Rande der Gesellschaft zurück in deren Mitte zu holen, so dass solche Ideen gar nicht erst vonnöten sind.

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