Mehr Durchblick beim Einkauf von Fleisch

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Verbraucherzentrale | Verbraucher
von hallelife.de | Redaktion

Tierschutz beschäftigt viele Verbraucher. Sie wollen auch beim Einkauf wissen, wie die Tiere gelebt haben, bevor sie geschlachtet werden. Der Handel reagiert darauf mit unterschiedlichen Marken und Labeln. Verschiedene Initiativen setzen verschiedene Standards und sind kaum vergleichbar. Für die Kunden ist das oft unübersichtlich und es fehlt an Transparenz.

Verbraucherzentralen fordern verbindliche Haltungskennzeichnung statt freiwilligen Labeldschungel

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Einen anderen Ansatz verfolgt aktuell der Discounter Lidl mit seinem vierstufigen „Haltungskompass“. Vier Siegel mit den Ziffern 1 bis 4 signalisieren bei den Eigenmarken von Lidl verschiedene Haltungsstandards bei Frischfleisch – von der Einhaltung gesetzlicher Mindestanforderungen bis zum Öko-Standard. Der Lidl Haltungskompass kennzeichnet damit das bestehende Sortiment.

„Eine Kennzeichnung der Tierhaltung ist ein guter Ansatz“, so Christa Bergmann, Referatsleiterin bei der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. „Um Verbrauchern Orientierung und Verlässlichkeit beim Einkauf zu geben, brauchen wir aber letztlich eine verpflichtende Haltungskennzeichnung mit einheitlichen staatlich festgelegten Tierschutzstandards.“

 

Was verbirgt sich hinter dem „Lidl Haltungskompass“?

Ab April kennzeichnet Lidl freiwillig alle Fleischprodukte (Schwein, Rind, Pute, Hähnchen) seiner Eigenmarken mit dem sog. Haltungskompass. Ein 4-Stufenmodell, das sich an dem Modell der Eierkennzeichnung orientiert soll mehr Transparenz für Verbraucher schaffen:

  • Stufe 1“Stallhaltung“ entspricht den gesetzlichen Bestimmungen

  • Stufe 2 „Stallhaltung Plus“ entspricht den Standards der Initiative Tierwohl, die Tiere haben 10% mehr Platz und erhalten Beschäftigungsmaterial. Dafür fließt pro kg Schweine- und Geflügelfleisch ein einstelliger Centbetrag an die Tierhalter.

  • Stufe 3 „Außenklima“ umfasst die Bereitstellung von Außenklimabereichen oder Zugang ins Freie, mehr Platz und gentechnikfreie Fütterung. Alternativ können in Stufe 3 aber auch Schweine- und Rindfleischprodukte, die den Einstiegsstufen des Deutschen Tierschutzbundes entsprechen (signifikant höherer Platzanteil, aber ohne Außenklimazugang) mit der Bezeichnung “Tierwohl Plus“ eingruppiert werden.

  • Stufe 4 „Bio“ entspricht den Vorgaben der EU-Öko-Verordnung

  • Alternative Eingruppierung: Stufe 4 „Premium“ entspricht der Premiumstufe des Deutschen Tierschutzbundes (höhere Tierschutzstandards als Stufe 3, aber kein Bio)

 

Wie sieht es aktuell im Handel in Sachsen-Anhalt aus?

Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt hat aktuell in jeweils einer Lidl-Filiale in Dessau, Halle, Magdeburg und Stendal stichprobenartig untersucht, welche Stufen des Lidl-Haltungskompasses auf welchen Frischfleisch-Produkten zu finden sind. Insgesamt wurden rund 130 Produkte betrachtet. Von diesen wies der größte Teil (87 Produkte, ca. 70 %) die Stufe 1 des Haltungskompasses auf, bei der nur die gesetzlichen Mindeststandards eingehalten werden müssen. Auf 14 weiteren Produkten war die Stufe 2 „Stallhaltung plus“ zu finden, von denen die Hälfte das Produktsiegel der „Initative Tierwohl“ trug. Bei diesen Frischfleisch-Artikeln handelte es sich stets um ungewürztes Geflügelfleisch. Auf einigen der Packungen fand sich jedoch der Hinweis, dass das Fleisch möglicherweise nicht aus Betrieben der Initiative Tierwohl stammt. Hier besteht Nachbesserungsbedarf. Die Stufen 3 und 4 mit höherem Tierschutzstandard wurden im Marktcheck auf jeweils nur einem Produkt gefunden (ganze Hähnchen und gemischtes Bio-Hack).

 

Bewertung des Haltungskompasses von Lidl:

Zwar ist die Einführung eines Haltungskompass grundsätzlich zu begrüßen. Problematisch ist aber der kaum vorhandene Unterschied zwischen dem gesetzlichen Standard und der Stufe 2 - wie sie die Initiative Tierwohl derzeit vorsieht. Hier muss nachgebessert werden. Die Standards müssen sich sukzessive erhöhen.

Die Bundesregierung sollte zeitnah ein staatliches Tierwohllabel einführen, das ambitionierte einheitliche und staatlich kontrollierte Standards setzt. Der bereits vor einem Jahr vom ehemaligen Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt gemachte Vorschlag muss weiterentwickelt werden. Das staatliche Tierwohllabel könnte ein erster Schritt zu einer umfassenderen und verbindlichen Haltungskennzeichnung sein.

 

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