SchuldnerAtlas Sachsen-Anhalt 2018

Finanzen | Verbraucher
von hallelife.de | Redaktion

In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der überschuldeten Verbraucher leicht zurückgegangen. Das zeigt der Creditreform SchuldnerAtlas 2018, der für das Land Sachsen-Anhalt detaillierte regionale Zahlen vorlegt. Zum Stichtag 1. Oktober 2018 waren demnach 244.030 erwachsene Einwohner als überschuldet anzusehen. Gegenüber dem Vorjahr (2017: 245.601 Personen) verringerte sich die Zahl der Betroffenen um 0,6 Prozent. Deutschlandweit stieg die Zahl der Überschuldungsfälle hingegen um 0,3 Prozent.

Der Creditreform SchuldnerAtlas spricht von privater Überschuldung, wenn die Einnahmen einer Person nicht mehr ausreichen, um dauerhaft den finanziellen Verpflichtungen nachkommen zu können.

„Das Risiko, in eine Überschuldungssituation hineinzugeraten, ist zuletzt geringer gewesen als noch vor einigen Jahren“, sagte Martin Plath, Prokurist bei Creditreform in Halle (Saale). Dazu beigetragen habe insbesondere die gesunkene Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt. Arbeitslosigkeit sei einer der Hauptauslöser von Überschuldungsprozesse.

Allerdings verringere sich die private Überschuldung in dem aktuell positiven Konjunkturumfeld nur sehr langsam, mahnte Plath.

Ein weiterer Wermutstropfen: In Sachsen-Anhalt zeigen erstmals seit fünf Jahren wieder mehr Erwachsene zumindest Zahlungsstörungen und damit sogenannte weiche Überschuldungsmerkmale. Zum Stichtag 1. Oktober 2018 waren es 106.569 Personen, ein Jahr zuvor 104.347 Personen (+ 2.222 Personen). Dazu passt, dass eine unwirtschaftliche Haushaltsführung als Auslöser von Überschuldungsprozessen zuletzt zugenommen hat.

Der Rückgang der Überschuldungsfälle in Sachsen-Anhalt beruht entsprechend darauf, dass weniger Personen als im Vorjahr harte Überschuldungsmerkmale wie z.B. gerichtliche Negativeinträge aufweisen. Zum Stichtag 1. Oktober 2018 wurden 137.461 hart überschuldete Personen gezählt, das waren rund 3.800 Personen bzw. 2,7 Prozent weniger als 2017 (141.254 Personen). Auch die günstigen Zinsen wirkten sich positiv aus, um durch Umschuldungen einer verhärteten Überschuldung zu entkommen.

Demografische Entwicklung lässt Schuldnerquote steigen

Im Vergleich mit anderen Bundesländern ist die Überschuldungssituation der privaten Verbraucher in Sachsen-Anhalt aber weiterhin besorgniserregend. Die Schuldnerquote für Sachsen-Anhalt, die sich aus der Zahl der über-schuldeten Personen im Verhältnis zur Zahl der erwachsenen Einwohner ergibt, ist zuletzt aufgrund der demografischen Entwicklung (Bevölkerungsrückgang) leicht gestiegen. Zum Stichtag 1. Oktober 2018 waren 12,73 Prozent der Erwachsenen als überschuldet anzusehen (2017: 12,71 Prozent). Gut jeder achte Erwachsene in Sachsen-Anhalt gilt demnach als betroffen. Nur in Bremen ist diese Quote höher. Bundesweit betrug die Schuldnerquote 10,04 Prozent.

Die Städte Halle (16,35 Prozent, - 0,08 Prozentpunkte) und Magdeburg (14,51 Prozent, - 0,12 Prozentpunkte) verzeichneten gegen den Landestrend eine rückläufige Schuldnerquote. Gleichwohl ist der Anteil der Schuldner an der Bevölkerung hier weiterhin überdurchschnittlich hoch. Einen spürbaren Anstieg der Schuldnerquote gab es im Landkreis Anhalt-Bitterfeld (12,66 Prozent; + 0,19 Prozentpunkte) sowie im Salzlandkreis (13,10 Prozent; + 0,15 Prozentpunkte). Die niedrigste Schuldnerquote innerhalb des Landes Sachsen-Anhalt wurde mit 5,79 Prozent in der PLZ-Region 06846 von Dessau-Roßlau gemessen, die höchste in der PLZ-Region 06124 von Halle (26,92 Prozent).

Mehrzahl der Überschuldeten sind Männer

Rund 143.000 männliche Erwachsene in Sachsen-Anhalt sind als überschuldet anzusehen sind. Bei den Frauen sind rund 100.000 Personen betroffen. Die Schuldnerquote für die Männer liegt in Sachsen-Anhalt entsprechend bei 15,19 Prozent, bundesweit bei 12,55 Prozent. Auch Frauen überschulden sich in Sachsen-Anhalt stärker als im Bundesdurchschnitt. Jede zehnte Frau (10,17 Prozent) hierzulande weist Überschuldungsmerkmale auf. Deutschlandweit sind es 7,65 Prozent. „Männer gelten bei Finanzentscheidungen als risikofreudiger und lassen weniger Ausgabenvorsicht walten“, betonte Creditreform-Prokurist Martin Plath. Das erkläre zum Teil die höhere Überschuldungsintensität der Männer.

Zwischen 30 und 40 hohe Überschuldungsgefahr

Am höchsten ist die Neigung zur Überschuldung im Alter zwischen 30 und 39 Jahren. In Sachsen-Anhalt gelten 22,55 Prozent der Personen in dieser Altersgruppe als überschuldet. Ebenfalls überdurchschnittlich hoch ist die Überschuldungsquote der 40 bis 49-Jährigen (17,77 Prozent). Beide Werte liegen deutlich höher als im Bundes-durchschnitt in dieser Altersgruppe. Weniger stark als im Bundesdurchschnitt sind in Sachsen-Anhalt hingegen junge Erwachsene unter 30 Jahren von Überschuldung betroffen (Schuldnerquote: 11,48 Prozent). Regional betrachtet reicht die Spreizung der Schuldnerquoten in diesem Alterssegment von 9,35 Prozent in Magdeburg bis 13,99 Prozent in Dessau-Roßlau. Am geringsten ist die Schuldnerquote auch im Land Sachsen-Anhalt bei Senioren ab 70 Jahre (2,37 Prozent).

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