Teure Schnäppchen aus China

Online-Einkauf | Verbraucher
von hallelife.de | Redaktion

Eine junge Frau stieß bei Facebook auf Werbung für schicke modische Kleidung zum Schnäppchenpreis. Ein Kleid gefiel ihr besonders, war schnell bestellt und per Kreditkarte vorab bezahlt. Verwunderung setzte ein, als bei Zustellung des Paketes Einfuhrumsatzsteuer und eine Servicegebühr an den Paketdienst für die Anmeldung bei der Zollbehörde gezahlt werden musste.

Dann das böse Erwachen beim Öffnen des Paketes, das Traumkleid entpuppte sich als geschmackloser Fummel, der einfach nicht tragbar ist. Per Mail nahm die Verbraucherin Kontakt zum Händler auf, um die Regularien der Rücksendung zu klären. Eine Rücksendung an eine Adresse in China auf ihre Kosten wollte die Verbraucherin jedoch nicht akzeptieren, denn die recherchierten Retourkosten liegen in Abhängigkeit vom Dienstleister knapp unter dem Warenwert von 20 Euro. Voller Empörung suchte sie Rat bei der Verbraucherzentrale.

Ein Blick ins Impressum der Firma stellte klar: Der Verkäufer der Ware hat seinen Sitz in China. In den Versand- und Lieferbedingungen waren die Zusatzkosten, in der Widerrufsbelehrung die chinesische Rücksendeadresse benannt. Das alles in verständlichem Deutsch geschrieben. Die junge Frau muss sich nun entscheiden entweder noch einmalmal Geld in die Hand zu nehmen oder auf eine Rückabwicklung des Vertrages mittels Widerruf verzichten und damit einen finanziellen Verlust in Kauf nehmen.

Kein Einzelfall, zeigen nach aktuellen Beschwerden von Verbraucherinnen und Verbrauchern die Erfahrungen der Verbraucherzentrale. Seit dem 01. Juli diesen Jahres sind für alle Onlinebestellungen in Ländern außerhalb der EU Einfuhrabgaben zu zahlen. Bis dahin musste bei einem Warenwert von unter 22 Euro keine Anmeldung beim Zoll erfolgen. Zwar wird für Bestellungen bei einem Warenwert von unter 150 Euro kein Zoll fällig, Einfuhrumsatzsteuer - vergleichbar mit der Mehrwertsteuer entweder 7 oder 19 Prozent - muss jedoch gezahlt werden. Dazu kommt häufig eine zusätzliche Servicepauschale des Paketdienstes für die Zollabwicklung.

Damit kann, so die Verbraucherzentrale, nicht nur das Schnäppchen deutlich teurer werden. Auch die Rückabwicklung des Kaufes durch einen Widerruf oder die Durchsetzung von Gewährleistungsrechten kann zumindest erschwert und angesichts der Zusatzkosten rein rechnerisch auch zum Verlustgeschäft werden. Deshalb sollten Verbraucher im Vorfeld einer Bestellung genauestens Impressum und Versandkonditionen prüfen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Oftmals findet sich ein Onlineshop mit vergleichbaren Produkten, der die Waren innerhalb der EU verkauft. Regelmäßig entfallen dann Einfuhrzölle und es gelten weitgehend die gleichen rechtlichen Bedingungen zu den Informationspflichten des Verkäufers, für einen Widerruf und die Durchsetzung von Gewährleistungsrechten.     

 

Zu Fragen rund um den Onlinekauf berät die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt online, telefonisch, aber auch nach Terminvereinbarung vor Ort. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

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