Glücklicher Tod eines Rebellen

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Rezension | Vermischtes
von Tobias Fischer

Christoph Werner ist den Hallensern als Intendant der Kulturinsel (neues theater Halle / Puppentheater Halle) und über die Stadtgrenzen hinaus geachteter Regisseur und Puppenspieler bekannt. Nun kann man ihn mit seinem Erzählband „Glücklicher Tod eines Rebellen“ auch als Autor kennenlernen. Der Band enthält vier Erzählungen, darunter auch „Josefs Geschichte“, die bereits vor Jahren im Mitteldeutschen Verlag erschien

Glücklicher Tod eines Rebellen

Christoph Werner ist den Hallensern als Intendant der Kulturinsel (neues theater Halle / Puppentheater Halle) und über die Stadtgrenzen hinaus geachteter Regisseur und Puppenspieler bekannt. Nun kann man ihn mit seinem Erzählband „Glücklicher Tod eines Rebellen“ auch als Autor kennenlernen. Der Band enthält vier Erzählungen, darunter auch „Josefs Geschichte“, die bereits vor Jahren im Mitteldeutschen Verlag erschien.

In der Auftaktgeschichte „Das Experiment“ will der kaltgestellter Polizeikommissar Matthias Moreck herausfinden, was geschehen würde, wenn er sich gehen ließe. Früher hatte er noch mit echten Ganoven zu tun, nach der Wende steckte man ihn jedoch in die Statistikabteilung. Jetzt lebt Moreck in den Tag hinein, verdunkelt alle Zimmer und hört Schallplatten, die er jahrelang nicht aufgelegt hat. So verbringt er mehrere Tage, bis ihm im Stadtpark ein junges Mädchen begegnet.

In der Geschichte „In der stillsten Stunde des Tages“ beherbergt ein Aushilfskellner einen ehemaligen Offizier der sowjetischen Streitkräfte in seiner leerstehenden Wohnung und hat plötzlich eine Leiche am Hals. Also versucht er sie mit Hilfe eines Schlafsacks mitten in der Nacht los zu werden. In der Titelerzählung „Glücklicher Tod eines Rebellen“ erzählt der Autor in Tagebuchform die fiktive Geschichte eines Helden, der von seinem Schöpfer heimgesucht wird. Wie alle Geschichten des Bandes ist auch die abschließende Episode „Josefs Geschichte“ in der Nachwendezeit angesiedelt. Sie schildert die erste Pauschalreise eines Studenten nach Rom, wo er mit einem Notizbuch eines gewissen Josef konfrontiert wird. Schließlich schreibt er anhand der zusammenhanglosen Tagebuchnotizen die Geschichte des Fremden.

Abseits der großen politischen Veränderungen beschreibt Christoph Werner die Auswirkungen des Umbruchs in Ostdeutschland auf die Arbeitswelt und die Privatsphäre, das Verhalten der Menschen zueinander und zu sich selbst. Dabei gewährt er sensible Einblicke in ihr Gefühlsleben. Der Erzählstil ist knapp und entschieden, doch gerade in der Ausgespartheit öffnen sich dem Leser viele verschüttete Stimmungen der Figuren.

Manfred Orlick


Christoph Werner

„Glücklicher Tod eines Rebellen“

Hasenverlag Halle/Saale 2009, 14,80 €, 172 S., ISBN 978-3-030468-32-5-24-0

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