Halbstark in Halle

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Rezension | Vermischtes
von Tobias Fischer

James Dean und Elvis Presley waren die Jugend-Idole in den 50er Jahren. Die provozierende Musik dieser Jahre spielten neben Elvis Presley Rock’n’Roll-Größen wie Bill Haley, Chuck Berry oder Fats Domino. Bei den Erwachsenen stieß diese „schwarze Hottentottenmusik“ dagegen auf schroffe Ablehnung

Halbstark in Halle

James Dean und Elvis Presley waren die Jugend-Idole in den 50er Jahren. Die provozierende Musik dieser Jahre spielten neben Elvis Presley Rock’n’Roll-Größen wie Bill Haley, Chuck Berry oder Fats Domino. Bei den Erwachsenen stieß diese „schwarze Hottentottenmusik“ dagegen auf schroffe Ablehnung.

Besonders von der SED- und FDJ-Obrigkeit in der DDR wurden diese westlichen Einflüsse als „Ausschreitungen des Klassenfeindes“ abgestempelt. Sie wollte lieber Adolf Hennecke als Jugend-Vorbild, Lipsi statt „Ami-Veitstänze“, Kurzhaarschnitt statt Elvis-Tolle und FDJ-Hemd statt Niethose oder Lederjacke.

Trotz dieses propagandistischen Feldzugs entwickelte sich aber auch im sozialistischen Teil Deutschlands eine rebellierende Jugendkultur. In allen Städten bildeten sich Gruppen von „halbstarken“ Jungen und Mädchen, die aus ihren Kofferradios die „heiße westliche“ Musik hörten und die von den älteren Passanten ängstlich beäugt wurden.

Die studierte Historikerin Wiebke Janssen untersuchte nun in „Halbstark in Halle“ die jugendlichen Cliquen, Meuten und Kannen in der Saalestadt in den 50er Jahren. „Marktkanne“, „Faßmeute“, „Freundschaftskanne“, „Trothameute“ oder „Pauluskanne“ - die älteren Hallenser werden die Namen der berühmt-berüchtigten Jugendcliquen noch kennen. Ihre Treffpunkte waren die Lichtspiele oder Kioske der Stadt und natürlich der Rummelplatz.

Ausführlich schildert die Autorin, wie die Jugendcliquen ins Visier der Volkspolizei und der Staatssicherheit gerieten und der Staat mit selbst nach DDR-Recht unverhältnismäßig hohen Strafen durchgriff („Milde begünstigt Rowdytum“). In den 60er Jahren verschwanden die Cliquen dann immer mehr aus dem Straßenbild, die Halbstarken waren schließlich erwachsen geworden. Das neue Jahrzehnt war geprägt von der Beatlemania, die der politischen Führung wie auch später die Hippie- und Punk-Bewegung ein Dorn im Auge war.

„Halbstark in Halle“ erschien als Heft 17 der Mitteldeutschen Kulturhistorische Hefte im Hasenverlag Halle/Saale. Das schmale Bändchen überzeugt nicht nur durch den äußerst informativen Text sondern auch durch eine reiche Illustration. Die historischen und teilweise erstmals veröffentlichten Fotos geben dabei einen bildhaften Eindruck vom Alltagsleben der 50er Jahre. Die lesenswerte Veröffentlichung ist nicht nur für Heimatforscher eine Bereicherung sondern trägt auch zum historischen Gesamtverständnis der Problematik bei.

Manfred Orlick


Wiebke Janssen

„Halbstark in Halle - Cliquen, Meuten, Kannen der 50er Jahre“

Hasenverlag Halle/Saale 2010, 12,80 €, 80 S., ISBN 978-3-939468-24-0

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