Leopoldina gibt einzigartiges Reisetagebuch an Thüringer Staatsarchiv

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Wissenschaft | Vermischtes
von Tobias Fischer

Das Reisetagebuch des letzten regierenden Fürsten von Sachsen-Meiningen, Bernhard III. (1851 - 1928), macht heute das Archiv der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften dem Thüringer Staatsarchiv Meiningen zum Geschenk. Das handschriftliche Unikat beruht auf Briefen, die Bernhard in jungen Jahren an seine Familie schrieb

Leopoldina gibt einzigartiges Reisetagebuch an Thüringer Staatsarchiv

Das Reisetagebuch des letzten regierenden Fürsten von Sachsen-Meiningen, Bernhard III. (1851 - 1928), macht heute das Archiv der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften dem Thüringer Staatsarchiv Meiningen zum Geschenk. Das handschriftliche Unikat beruht auf Briefen, die Bernhard in jungen Jahren an seine Familie schrieb. Es entstand auf einer Griechenland- und Orientreise in den 1870er Jahren und fehlt in der Sammlung des Thüringer Archivs.

Die Leopoldina möchte, dass das Tagebuch für die Wissenschaft an dem Ort zugänglich ist, an dem die Materialien zum Haus Sachsen-Meiningen in der Hauptsache aufbewahrt werden. „Wir hoffen, dass das Tagebuch in Meiningen rege genutzt wird“, sagt der Archivar der Leopoldina, Dr. Danny Weber. Dort könnte es erstmalig wissenschaftlich bearbeitet und auch ediert werden. Wie das Dokument in das Archiv der Leopoldina kam, ist nicht mehr vollständig aufzuklären: „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist das Tagebuch vor 1945 mit dem Nachlass eines Leopoldina-Mitglieds zu uns gekommen“, so Weber.

Das Reisetagebuch, in dem Bernhard seine erste große Studienreise vom 1. Oktober 1872 bis 15. Mai 1873 beschreibt, hat 679 Seiten. Der junge Erbprinz besuchte unter anderem Konstantinopel, Troja, Athen, Damaskus, Kairo, Assuan, Suez, Theben und Sparta. Vermutlich hat ein sogenannter Kanzleischreiber die Briefe des damals 21-Jährigen kopiert und auch seine Skizzen, etwa der Pyramiden von Gizeh, nachgezeichnet. Später wurden die Briefe zu einem Buch gebunden. Die Originale der sehr genauen und anschaulichen Reisebeschreibungen sind wahrscheinlich verloren.

Bernhard III. war der Sohn des lange Jahre regierenden Georg II. von Sachsen-Meiningen, der als „Theaterherzog“ in die Geschichte einging. Bernhard schlug hingegen eine sehr erfolgreiche militärische Laufbahn ein, war aber auch ein begeisterter Altphilologe. Erst im Jahre 1914 konnte der als der ewige Erbprinz geltende 63-jährige Bernhard die Regentschaft des Herzogtums übernehmen – drei Tage vor dem Attentat von Sarajevo, das letztlich den ersten Weltkrieg auslösen sollte. 1918 musste er abdanken. Bernhard war mit der Schwester des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., der Prinzessin Charlotte von Preußen, verheiratet und gehörte damit auch zur kaiserlichen Familie.

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