Quoten-Ossi in der Regierung?

Kommentar zur Woche | Vermischtes
von Sari Berg

Was gerade gründlich schief läuft in diesem Land, würde nochmals und wohl noch deutlicher sichtbar, wenn jetzt Neuwahlen wären. Seit der Wahlklatsche Ende September 2017 für die GroKo in Berlin bekommen viele Wähler immer mehr Nahrung für Groll gegen die politische Führung in Deutschland. Vor allem in den Regionen, wo bis 1990 die DDR war, gärt es.

Das Signal des starken Abschneidens der AfD wird gründlich missverstanden oder ignoriert. Stattdessen erleben die Menschen Machtspielchen zwischen Jamaika und GroKo 2.0, dann Lügen und Narzissmus von Martin Schulz, der die unerträgliche SPD-Parteispitze, unüberhörbar insbesondere dank Andrea Nahles, Sigmar Gabriel, Ralf Stegner und Katarina Barley, so richtig schön ergänzt. Immer mehr Menschen reiben sich die Augen und fragen, was denn an der SPD-Politik sozial und demokratisch ist, geschweige denn im Interesse der breiten arbeitenden Bevölkerung ist.

 

Nun also sickert zu allem Überfluss durch, dass für die neue Bundesregierung kein Ostdeutscher im Gespräch ist. Wäre Jamaika nicht mit Christian Lindners (FDP) Ausstieg aus den Verhandlungen geplatzt, hätte sicher Katrin Göring-Eckardt, Ex-Mitglied der Atlantikbrücke, Unterstützerin des rechtsnationalen Maidan in der Ukraine und nach Claudia Roth Deutschlands meistgehasste Grüne, auf der Regierungsbank platzgenommen. Nun bliebe also nur Kanzlerin Angela Merkel, die allerdings inzwischen die Wähler im Osten tief spaltet in unerschütterliche Fans und erbitterte Gegner. Haben sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Rainer Haseloff (CDU) und Meck-Pomm-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) also zu Recht in der Angelegenheit gemeldet? Ja und nein. So beschämend es ist, dass nach mehr als zwei Jahrzehnten noch immer nicht zusammengewachsen ist, was zusammengehört, so wenig stichhaltig ist das Argument, Ostdeutsche in der Regierung seien ein Garant für die Repräsentanz ostdeutscher Befindlichkeiten. Merkel ist dafür jedenfalls kein geeignetes Beispiel und die Besten aus den Reihen der SPD, Regine Hildebrandt (bereits 2001 verstorben) und Matthias Platzeck (nach massiven gesundheitlichen Problemen als beliebtester SPD-Bundesparteivorsitzender für solche Ämter nicht mehr verfügbar) stehen nicht zur Verfügung. 

 

Ansonsten kämen mit Blick auf die markanten Wahlunterschiede zwischen Ost und West für den Osten eigentlich am ehesten Vertreter aus der Linkspartei und der AfD infrage, als Korrektiv zur westdeutschen Dominanz gewissermaßen, doch die sitzen in der Opposition, wie das mit Minderheiten so ist und Ostdeutsche sind eben auch in Gesamtdeutschland eine Minderheit. Kurz und gut: Ein Quoten-Ossi fehlt gerade noch in dem Kasperle-Theater der Regierungsbildung, das inzwischen schon mehr als vier Monate dauert. Wirklich repräsentative Ostdeutsche, das lehrt die Erfahrung seit der "Deutschen Einheit", haben einen schweren Stand. Sarah Wagenknecht (Linke) kann ein Lied davon singen.

 
 

Beitrag über Göring-Eckardt und den Maidan

https://www.freitag.de/autoren/maennlicherlinker/gruene-kriegstreiber

 

Bericht über Andrea Nahles

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-09/andrea-nahles-spd-opposition-bundesregierung

 

Beitrag über Sigmar Gabriel

http://www.dw.com/de/der-verlierer-der-groko-sigmar-gabriel-rechnet-ab/a-42512211

 

Reiner Haseloff über den benachteiligten Osten

https://www.br.de/nachrichten/haseloff-osten-muss-mit-minister-vertreten-sein-100.html

 

Wer war Regine Hildebrandt?

https://de.wikipedia.org/wiki/Regine_Hildebrandt

 

Liebling Matthias Platzeck

https://www.welt.de/politik/deutschland/article118498349/Der-Landesfuerst-der-Kanzler-haette-werden-koennen.html

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