Tabak und Rauchwaren – eine Genussgeschichte

Tabakpflanze - Bild von Couleur Pixabay
Pflanzen | Vermischtes
von hallelife.de | Redaktion

Beim Rauchen ist es wie bei den meisten anderen Dingen, die Spaß machen: zu viel ist ungesund. Dennoch verspricht der aromatische Rauch auch immer Genuss – und das nicht erst seit der Neuzeit. Der moderne Alltag mit seiner Hektik und seinen hohen Anforderungen an jeden Einzelnen bringt es mit sich, dass die Menschen dauerhaft unter Anspannung stehen.

Eine Umfrage der Zeitschrift „Fit for Fun“ kam sogar zum Ergebnis, dass die Mehrheit der Deutschen massiv unter Stresssymptomen leidet. Entspannung ist also ein wichtiges Kriterium, um den Alltag meistern zu können. Und tatsächlich gehört Rauchen zu den Dingen, die entspannen können. Denn Nikotin sorgt für die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin.

Das gilt besonders für eine gute Zigarre, die man am besten mit einem edlen Getränk kombiniert. Eine kleine Flucht aus dem Alltag, die geprägt ist von zeitlosem Luxus und Entschleunigung.

Tabak: Ein Mitbringsel von Christoph Kolumbus

Die beruhigende, bisweilen aber auch anregende Wirkung von Nikotin ist zwar erst in der Neuzeit belegt worden. Aber die Geschichte des Rauchens zeigt, dass sich auch die Menschen früherer Kulturen diese Eigenschaften zunutze machten. Bereits die indigenen Völker in Amerika nutzten geschnittene Tabakblätter für den Genuss: Sie rauchten ihn in langen Rohren. Darauf wurde auch Christoph Kolumbus aufmerksam – und importierte den Tabak und somit das Rauchen nach Europa. Eine der Tabakpfeifen der Creek-Indianer findet man übrigens in der Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen Halle.

Als Kolumbus von seiner zweiten Amerikareise die ersten Tabakpflanzen mit nach Europa brachte, wurde die neue Sitte des Rauchens misstrauisch beäugt. So gilt der Spanier Rodrigo de Jerez als erster Raucher Europas – und musste für sein „Laster“ teuer bezahlen: Als er in seiner Heimatstadt Ayamonte qualmend über die Straße lief, wurde von den Priestern der Inquisition festgenommen und für zehn Jahre inhaftiert.

Von Ziergärten zum Wundermittel

Zunächst wurden die Tabakpflanzen allerdings vor allem in den Ziergärten des Adels angebaut. Dann entdeckte der Portugiese Jean Nicot die heilende Wirkung des Tabaks. Ihm verdanken wir auch den Namen Nikotin für das gleichnamige Alkaloid. Der Siegeszug des Rauchens war nicht mehr aufzuhalten. So gab es in London bereits 1640 mehr als 7000 Verkaufsgeschäfte für Tabak. Ihre Ware erhielten die Händler vielfach aus Spanien. In Sevilla stand ab 1620 die erste Tabakfabrik, in der mehr als 4000 Frauen arbeiteten.

Spanien gilt auch als die europäische Wiege der Zigarre. Dort gab es bereits im 16. Jahrhundert sogenannte „tabacaleras“, die Zigarren produzierten. Doch die Zigarre entwickelte sich nicht nur zum beherrschenden Genussmittel, sie wurde sogar zum Politikum. So schrieb ein Journalist der Neuen Preußischen Zeitung 1848: „Die Cigarre ist das Scepter der Ungeniertheit. Mit ihr sagt und wagt ein jüngeres Individuum Dinge, als es ohne Cigarre sagen und wagen würde.“ Dennoch blieb die Zigarre weit über 100 Jahre das beherrschende Tabakprodukt auf dem Markt.

Zigarren: Bis heute ein gehobener Genuss

Schließlich wurde die Zigarre als Genussmittel für die breite Masse von der Zigarette abgelöst. Allerdings wurde auch diese anfangs skeptisch gesehen und sogar belächelt. So führten Schauspielerinnen die Zigarette 1830 der Pariser Bevölkerung vor – und ernteten für ihren Auftritt beißenden Spott. Lange Zeit galt sie sogar als Rauchware für Kinder. Heute ist die Zigarette aufgrund ihrer gesundheitlichen Risiken in Verruf geraten und immer mehr Menschen verändern ihr Rauchverhalten, in dem sie auf die E-Zigarette oder Shisha umsteigen.

Die Zigarre allerdings hat sich ihren Nimbus als ultimatives Genussmittel erhalten können. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass man eine Zigarre nicht schnell zwischendurch paffen kann. Im Gegenteil wird bereits das Aussuchen der richtigen Zigarre zum Ritual. Anfänger sollten dafür unbedingt einen Fachhändler aussuchen, der sie in die Welt der verschiedenen Aromen begleitet. Der nächste Schritt des Genuss-Rituals besteht dann im Anschneiden des Zigarrenkopfs und schließlich im Anzünden. Auch das funktioniert ganz anders als bei einer Zigarette. Der Zigarrenkopf wird unter der Flamme von Zündhölzern langsam durch Drehen erwärmt, bis Glut entsteht. Erst dann wird an der Zigarre gezogen. Der Rauch verbleibt dabei in der Mundhöhle. Echte Kenner „kauen“ den Rauch sogar.

Dieses Ritual braucht Zeit, zumal man zwischen den einzelnen Zügen an der Zigarre grundsätzlich eine kleine Pause einlegt. Wahrscheinlich hat auch dieses Zelebrieren dazu beigetragen, dass eine gute Zigarre auch heute noch als perfekte Entspannung vom Alltag gilt, die man allein oder im Kreis von Gleichgesinnten genießt.

Übrigens spielt Tabak – genauer gesagt der Anbau – bis heute eine Rolle in Sachsen-Anhalt. Denn hier bauen Landwirte auf rund 50 Hektar Tabak an. Und auch in Ziergärten ist die Übersee-Pflanze heute noch vielfach anzutreffen.

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