Spektakuläre Neufunde beim Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg

Spektakuläre Neufunde beim Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg
Eine der neu gefundenen Hirschgeweihmasken. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Juraj Lipták.
von 16. September 2022 0 Kommentare

Zwei Hirschgeweihmasken beim ältesten Grab Sachsen-Anhalts entdeckt

Gerade noch faszinierte der Ornat der Schamanin von Bad Dürrenberg, mit einem Alter von etwa 9.000 Jahren die älteste Bestattung Sachsen-Anhalts, mehr als 180.000 Besucher der Londoner Ausstellung ›The world of Stonehenge‹. Nun gibt es spektakuläre Neufunde: bei ihrem Grab wurden zwei Masken aus Hirschgeweih gefunden, die noch rund 600 Jahre nach ihrem Tod als wertvolle Opfergaben niedergelegt wurden.

Das Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg (Saalekreis) ist einer der spektakulärsten Befunde der mitteleuropäischen Archäologie. Vor etwa 9.000 Jahren war hier eine etwa 30 – bis 35-jährige Frau sitzend begraben worden, ein etwa sechs Monate altes Kind in ihren Armen. Ein Kopfschmuck aus Rehgeweih und Tierzahngehänge zeigen die besondere Stellung der Toten als Schamanin, als spirituelle Anführerin ihrer Gruppe.

Bereits 1934 zufällig bei Kanalarbeiten kurz vor der Eröffnung des Kurparks entdeckt, musste das Grabinventar innerhalb nur eines Nachmittages geborgen werden. Seit Dezember 2019 fanden im Kurpark von Bad Dürrenberg Ausgrabungen im Bereich der vermuteten Fundstelle des Grabes der Schamanin statt. Tatsächlich konnte die Fundstelle ausfindig gemacht werden. Da die ursprüngliche Ausgrabung nur durch einen schmalen Graben erfolgt war, blieben Teile der mit Rötel durchsetzten Grabgrube unangetastet. Zahlreiche 1934 übersehene Funde konnten geborgen werden. Darunter ist ein wichtiger neuer Beleg für die Sonderrolle der Bestatteten als Schamanin.

Unmittelbar vor der Grabgrube wurde eine weitere Grube entdeckt, die wohl etwa 600 Jahre nach der Bestattung angelegt worden war. Sie wurde im Block geborgen und in den Werkstätten des Landesmuseums unter Laborbedingungen untersucht. Dabei gelang eine überraschende Entdeckung: Die Grube enthielt zwei aus Hirschgeweihen hergestellte Masken. Ähnliche Masken sind zwar in kleiner Zahl von verschiedenen Fundstellen des nördlichen Mittel– und Westeuropas bekannt, so auch aus dem englischen Star Carr. Die anderen Masken stammen allerdings nicht aus Gräbern, sie lassen sich nicht bestimmten Personen zuordnen. Dies ist in Bad Dürrenberg anders. Die Masken sind mit der Bestattung einer bedeutenden Frau verbunden. Offenbar so bedeutend, dass man an ihrem Grab noch Jahrhunderte nach ihrem Tod wertvolle Gaben niederlegte.

Die Datierung rückt die Niederlegung in den Bereich des 8.2K-Events: Ab etwa 6350 vor Christus verschlechterte sich das Klima innerhalb weniger Jahre. Die jährliche Durchschnittstemperatur sank um 2 bis 3 Grad Celsius. Möglicherweise suchte man das Grab der Schamanin in dieser Situation in der Hoffnung auf Hilfe auf und deponierte die Masken.

Die Schamanin von Bad Dürrenberg wird ab Oktober wieder in der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle (Saale) zu sehen sein. Das Online-Angebot des Landesmuseums enthält weitere Informationen zur Schamanin von Bad Dürrenberg mit einem Film aus der ›Museum exklusiv‹-Reihe (https://www.landesmuseum-vorgeschichte.de/archaeofilm/museum-exklusiv.html)

         

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