Als Letzte los und als Erste im Ziel

Als Letzte los und als Erste im Ziel
Siegerfoto_ Bianca 5 von links - Fotos SV Halle
von 16. September 2022 0 Kommentare

Zwei Triathleten vom SV Halle holen Gold beim ”World University Championship Triathlon“ im brasilianischen Maceió.

 

Bianca Bogen und Willy Hirsch (beide Triathleten des SV Halle) haben beim „World University Championship Triathlon in Maceió, der brasilianischen Hauptstadt des Bundesstaates Alagoas, in der MixStaffel als deutsches Team die WMGoldmedaille geholt. Das ist einer der größeren Erfolge für die 23jährige Athletin und den 24jährigen Athleten, die zusammen mit dem TriathlonVizeEuropameister U23 (2018) Jannik Schaufler (Hylo Team Saar, Montlucon) und der AquathlonWeltmeisterin Céline Kaiser (LAC Freiburg) an den Start gegangen waren. Mehr als 120 Athleten aus 20 Ländern nahmen an diesem TriathlonHighlight teil. Micha Deutsch vom SV Halle sprach mit der SVAthletin Bianca Bogen über ihre schwierigen Vorbereitungen und die Teilnahme.

 

Bianca Bogen – Foto SV Halle

Interview mit SV-Triathletin Bianca Bogen nach Ihrem WM-Gold beim „World University Championship Triathlon”

Herzlichen Glückwunsch, Bianca. Eigentlich standen die Vorzeichen gar nicht gut. Du hattest Dich eine Woche nach der Qualifikation zur WM am Fuß verletzt.

Bianca: Das stimmt. Bereits Ende Juni hatte ich mich bei den Deutschen Meisterschaften für die HochschulWM am 9. September qualifiziert. Damit war ich happy. Doch eine Woche später stand mein Start auf der Kippe. Beim Aufwärmen vor einem Wettkampf im französischen Metz erlitt ich einen Erm dungsbruch im linken Fuß.

 

Und trotzdem hat es letztlich noch mit Deiner Teilnahme geklappt?

Bianca: Aber wirklich auf den letzten Drücker. Ich hatte gehofft, dass es schneller mit der Genesung vorangeht. Auch wenn der Arzt mir sagte, dass es zeitlich klappen könnte. Mit dem ArmeSchwimmen konnte ich zwar nach vier Wochen beginnen. Es dauerte aber sieben lange Wochen bis ich ohne Entlastungschuh vorsichtig gehen durfte. Erst drei Wochen vor dem Start lief ich mit reduziertem Gewicht auf dem AlterGLaufband (Laufband mit Körpergewichtsentlastung).

 

Und dann der Erfolg. Du bist ja auch im Einzelwettbewerb 14. geworden.

Bianca: Ich war sehr erfreut, dass ich mich mit dieser Platzierung als zweitbeste deutsche Starterin für die MixStaffel qualifizieren konnte. Die Bedingungen waren nicht einfach. Wegen dem kräftigen Wind, der an der Atlantikküste herrscht, war das Schwimmen sehr unruhig sowie das Radfahren und Laufen sehr kräftezehrend. Man muss sich vorstellen, dass an den Stränden Ebbe und Flut herrscht, und es war bei den Wettkämpfen gerade Niedrigwasser am Pajuçara Beach. Zudem hat es in den Nächten zuvor auch noch geregnet.

Das heißt, dass man beim Lauf im durchnässten Sand tiefer eindringt, und das geht an die Substanz und raubt einem schon am Anfang viel Kraft.

 

Und trotzdem habt ihr im Team alles gerissen, gab es eine Taktik?

Bianca: Wir hatten uns für Angriff entschieden und wollten uns offensiv im Team gleich von Anbeginn einen Vorsprung erarbeiten. Das funktionierte einwandfrei. Schon durch Céline, die stark im Laufen ist. Willy hat dann noch einmal den kompletten Wettkampf weiter nach vorn gebracht, musste am Ende aber noch die Zeitstrafe von Céline absitzen, die den Lenker nur mit einer Seite eingehangen hatte. Ich startete als Letzte der Staffel mit ca. zehn Sekunden Vorsprung.

 

Da ist doch der Druck besonders groß

Bianca: Ja, vor allem, wenn man noch mit Vorsprung beginnt, den die anderen herausgearbeitet haben. Vom ersten Schritt an wollte ich unbedingt den Sieg nach Hause zu bringen. Echt cool war, dass mich mein Bruder und die anderen vom Team auf der ganzen Strecke super angefeuert haben. Auch deswegen war ich auf der Laufstrecke deutlich besser als in der Einzelwertung.

 

In welcher Disziplin warst Du am stärksten?

Bianca: Ich glaube, dass ich in der Staffel auf der Schwimm und Radstecke überzeugt habe.

 

Und dann bist Du schließlich am Ziel angekommen, als Erste …

Bianca: Ja, und umgefallen, weil ich so hart gekämpft habe (lacht). Danach war es pure Freude. Wir lagen uns alle im Arm, auch mit allen anderen deutschen Teamsportlern, die nicht antreten konnten.

 

Und habt sicher richtig und ausgelassen nach brasilianischem Vorbild gefeiert?

Bianca: Eher nicht, leider. Am nächsten Tag wurden wir um 6 Uhr morgens zum Flieger abgeholt. Und wir kannten das ja schon von der Hinreise. Es dauerte über 37 Stunden, bis wir wieder zu Hause in Deutschland waren. Und davor eine Nacht durchzufeiern, war uns dann doch zu hart.

 

Wie geht es sportlich bei Dir weiter?

Bianca: Momentan ist kein Wettkampf geplant, da ich dem Fuß jetzt doch die nötige Ruhe gönnen will. Erst wenn alles wieder stimmt, werde ich mit dem Aufbautraining beginnen.

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